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Wetter-Mythen Teil 6
Dunkle Wolken, schlechtes Wetter: Ist das immer so?
Der Kipppunkt, dass Wolken zu einem Schauer oder Gewitter mutieren, lässt sich an plötzlich ausfransenden Rändern festmachen, auch im Ladnkreis Forchheim.Forchheim & Fränkische Schweiz
Der Kipppunkt, dass Wolken zu einem Schauer oder Gewitter mutieren, lässt sich an plötzlich ausfransenden Rändern festmachen, auch im Ladnkreis Forchheim. // Christian König
LKR Forchheim – Finstere Wolken sind auf den ersten Blick angsteinflößend. Der Mensch ist durch die Evolution darauf programmiert, dass Gefahr lauert, wenn sich die Umgebung verfinstert. Es gibt eine Faustregel.

„Schau mal, wie dunkel es da hinten kommt. Jetzt wird’s gleich losgehen!“ So versuchen besorgte Eltern oft ihre Kinder bei aufziehendem Wetterwechsel oder nahendem Gewitter aus dem Freibad oder Badesee zu holen. Kein Wunder, dass folgende Wetterregel im Volksmund in diesem bis vor kurzem eher launischen Sommer häufig zur Anwendung kam: Dunkle Wolken bringen immer schlechtes Wetter. Und hier spricht sicher die Erfahrung – nicht nur in Zeiten des Klimawandels, sondern über viele Generationen zuvor. Natürlich sind finstere Wolken auf den ersten Blick angsteinflößend.

Wir Menschen sind durch die Evolution darauf programmiert, dass Gefahr lauert, wenn sich die Umgebung verfinstert. Doch ganz so einfach ist die Sache gerade beim Wetter dann doch nicht. Haben wir beispielsweise Sonnenschein und es schiebt sich eine kompakte Wolke davor, ist allein schon der subjektive Eindruck von strahlendem Licht mit blauem Himmel hin zu Schatten und sich verfinsterndem Gewölk beunruhigend. Das ist auch grundsätzlich in Ordnung. Nicht umsonst heißt es: Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste.

So erkennt man die Regenwolken

Wenn aber bei tiefer stehender Sonne eine Wolkenfront aufzieht, wirkt sie allein schon durch diesen Kontrast zwischen hell und dunkel deutlich bedrohlicher, als sie in Wirklichkeit ist. Die zweite Wettersituation ist die folgende: Wir haben sogenanntes Rückseitenwetter, also Schauer nach einer durchgezogenen Regenfront – vergleichbar mit typischem Aprilwetter. Es wechseln glasklare Luft samt blauem Himmel und kräftigem Sonnenschein mit einer plötzlich aufziehenden mächtigen Schauerwolke, die kaum noch Sonnenstrahlen bis zu ihrer Unterkante durchlässt. Solche Wolken wirken dann speziell vom Betrachter am Erdboden aus sehr dunkel.

Hier gilt aber folgende Faustregel für die Einschätzung, ob auch Regen mit im Gepäck ist oder nicht: Hat diese Wolke klare Konturen an ihren Rändern, dann ist aus ihr zumindest vorläufig so gut wie kein Regen zu erwarten. Das Ganze hat aber eine Tücke: Manchmal entwickeln sich derlei aufgetürmte Wolken innerhalb von Minuten zu tatsächlichen Schauern oder im Sommer gar zu Gewittern. Der Kipppunkt, dass solch eine Wolke zu einem echten Schauer oder Gewitter mutiert, lässt sich an plötzlich ausfransenden Rändern festmachen. Dann ist direkt unter der Wolke nicht zu spaßen, möglicherweise weil Wolkenbruch, Hagel oder Blitzschlag möglich sind.

Sich verfinsterndes Gewölk ist beunruhigend.Forchheim & Fränkische Schweiz
Sich verfinsterndes Gewölk ist beunruhigend. // Christian König

„Traue keiner Wolke auf den ersten Blick.“

Und jetzt das dritte Beispiel: Befindet sich im Blickfeld eine aufziehende Gewitterfront, dann hat sie meistens vorneweg eine sogenannte Böenwalze. Das ist eine tiefhängende Wolkenrolle, die oft von Wolkenfetzen durchsetzt ist und sehr finster daherkommt. Dahinter erscheint ein deutlich hellerer, aber konturloser grauer Schleier, wie ein Vorhang. Für die genaue Einschätzung, ab wann der Wolkenbruch einsetzt, ist daher nicht die dunkle Wolkenwalze vorneweg, sondern das Eintreffen des grauen Vorhangs entscheidend. Ab da setzt teilweise schlagartig der Starkregen ein.

Allerdings kann vorweg mit der Böenwalze schon die kühle Luft mit urplötzlich starken und kälteren Böen für Erschrecken sorgen. Fazit des Ganzen: Traue keiner Wolke auf den ersten Blick, betrachte sie genauer und fortwährend, wenn sie gefährlich erscheint! Reize bei einem aufziehenden Unwetter nicht alles bis auf den letzten Drücker aus! Das kann im freien Gelände ohne Unterschlupf in der Nähe (keine alleinstehenden Bäume aufsuchen) oder noch schwimmend im Wasser sogar lebensbedrohlich werden. Dies gilt erst recht in unübersichtlichem, gebirgigem Gelände.

Alte Wetter-Weisheiten bleiben wichtig

Stichwort: Blitzschlaggefahr, Hagel, plötzlicher Kälteeinbruch. Im flachen, weitläufigen Gelände ist durch die Sicht bis zum Horizont vieles wesentlich besser einschätzbar. Was aber Wetter-Mythen gemeinsam ist: in vielen praktischen Wetterregeln aus dem Volksmund verbirgt sich jede Menge Erfahrung. Daher steckt neben manchen zu sehr vereinfachten Irrtümern auch immer ein gewichtiges Körnchen Wahrheit.

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