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Am Forchheimer Paradeplatz
Nach Krähenangriff: Störche in Gefahr? Experte schätzt ein
Ein kurioser Anblick: Eine Krähe greift einen Forchheimer Storch am Paradeplatz an.
Ein kurioser Anblick: Eine Krähe greift einen Forchheimer Storch am Paradeplatz an. // Martin Landeck
Forchheim – Am Forchheimer Paradeplatz kam es am Wochenende zu einem kuriosen Streit. Nicht etwa zwei Menschen, sondern zwei Vögel kämpften um ein Nest. Ein Forchheimer Vogelexperte klärt auf.

Es sind kuriose Szenen, die fraenkischertag.de-Leser und Mitarbeiter Martin Landeck auf den Dächern der Forchheimer Innenstadt entdeckt und mit seiner Kamera festhält: Eine Krähe attackiert einen Storch in seinem Nest in der Nähe des Paradeplatzes. In dem Forchheimer Nest ist derzeit ein Storchenpaar, auch Brutpaar genannt, zu Hause. Beide Störche waren augenscheinlich zum Tatzeitpunkt im Nest, schreibt Landeck. „Einer der Störche hat sich um den anderen Storch gekümmert und musste das Nest gegen den Angreifer verteidigen. Vermutlich brütet das Weibchen gerade die Eier aus, während das Männchen Wache steht“, so erklärt sich der Augenzeuge das Bild selbst.

Forchheimer Vogelexperte gibt Einschätzung

„Solche Angriffe können durchaus mal vorkommen“, erklärt auch Helmut Schmitt vom Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern. Er leite für den Bund die Kreisgruppe Forchheim. Für die Beweggründe des Angriffs sieht der Forchheimer Vogelexperte zwei mögliche Optionen: „Entweder war die Krähe hinter den Storcheneiern her, oder sie fühlte sich von den Störchen bedroht, wenn die Krähen in der Nähe nisten.“ Dass die Krähe aber tatsächlich hinter der Storchbrut her war, gilt als unwahrscheinlich, „denn die Krähen haben bei einem solchen Kampf gar keine Chance gegen den viel größeren Storch“, erzählt Schmitt.

Die Krähe sah das Brutpaar eventuell als Bedrohung, so Vogelexperte Helmut Schmitt.
Die Krähe sah das Brutpaar eventuell als Bedrohung, so Vogelexperte Helmut Schmitt. // Martin Landeck

Keine Sorge um Forchheimer Störche

Wer bei solch einem Angriff jetzt Angst um die heimische Storchpopulation bekommt, kann aber ganz beruhigt bleiben. Wegen vereinzelter Attacken durch Krähen ist der beliebte Vogel keinesfalls in Gefahr. „Als Vogelschützer müssen wir da keinesfalls eingreifen. Solche Angriffe sind nun mal Teil der Natur und passieren dabei relativ selten“, erklärt Schmitt. Erst wenn solche Krähenangriffe radikal zunehmen, müsste man sich Gedanken machen. „Wenn sowas wirklich öfter passiert, muss man natürlich schon gucken. Das bedeutet aber natürlich nicht, dass man jetzt anfängt, die Krähen zu schießen“, erzählt der Experte weiter.

Das wäre zwar in der Theorie eine Möglichkeit, denn die heimische Rabenkrähe gilt nicht als gefährdet, allerdings ist auch sie ein Teil der Natur, wie Schmitt selbst sagt: „Um so etwas zu vermeiden, gibt es vor allem mit der Krähe humanere Methoden, wie zum Beispiel eine Umsiedlung.“ Das wäre bei Krähen relativ einfach möglich, so der Forchheimer Vogelexperte.

Landratsamt Forchheim: Keine Vorfälle bekannt

Doch eine tatsächliche Not bestünde wie erwähnt nicht. Dafür kommt es viel zu selten zu tatsächlichen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Vögeln. Auch im Landratsamt Forchheim, wo sich der Fachbereich Naturschutz unter anderem um die Artenvielfalt der heimischen Vögel kümmert, läuten noch keine Alarmglocken. „In meiner beruflichen Laufbahn höre ich heute zum ersten Mal von einem solchen Vorfall“, gibt Fachbereichsleiterin Karin Lämmlein auf Nachfrage zu.

So viele Störche gibt es in der Region

Insgesamt hat die Anzahl der Störche im Landkreis Forchheim über die vergangenen Jahre konstant zugenommen. „Aktuell haben wir in der Region 16 Brutpaare“, berichtet Helmut Schmitt. Dazu kommen noch einige weitere Störche noch ohne Partner. In ganz Bayern sind es zu Hochzeiten etwa 1000 Brutpaare, ein großer Schnitt, wenn man bedenkt, dass es in den 80er Jahren nur rund 50 Brutpaare im ganzen Freistaat waren. „Daran sieht man, dass unsere Vorkehrungen für den Schutz der Störche und anderer Vögel Früchte trägt“, so Schmitt.

Auch der Klimawandel hat dabei seine Auswirkungen auf die Storchpopulation. „Es kommt durch wärmere Wintertemperaturen nun auch öfter vor, dass sich die Störche die anstrengende Reise gen Süden sparen und stattdessen hier überwintern“, berichtet der Vogelexperte.

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