Ingrid und Reinhard Wolf aus Reuth staunten nicht schlecht, als ein Blaumeisenpärchen sich ausgerechnet den Dunstabzugsschacht ihrer Küche als Brutplatz ausgesucht hatte. Bemerkt haben sie es bereits am 22. Mai. Jetzt sind die sieben jungen Blaumeisen fast flügge.
„Nachdem wir bemerkten, dass sich unterhalb des Dunstabzugsschachts kleine Federn und Moosgras angesammelt hatte, hielten wir Ausschau, was sich denn so alles im unmittelbaren Umfeld abspielt. Ein Blaumeisenpärchen hielt sich immer wieder in Schachtnähe auf, wir konnten Futterteile im Schnabel erkennen“, erzählt Reinhard Wolf dem FT.
Die Wolfs entfernten sich, aber beobachteten den Schacht von der Ferne. Dann ging es auch gleich los. Das Elternpärchen flog jeweils im Minutentakt mit Futter im Schnabel im Wechsel in den Schacht. Somit kam in der Fütterungsperiode von 8 bis 12 Uhr und dann wieder von 14 bis 19 Uhr doch so einiges zusammen. Pro Stunde zählte Reinhard Wolf 100 Einflüge, hochgerechnet auf einen Tag sind das etwa 800 Futterbesuche. Wenn man bedenkt, dass es insgesamt sieben Junge waren, hatten die Vogeleltern viel zu tun.
Fenster auf beim Kochen
Der Schacht hatte anfangs noch seine Außenlamellen mit etwa drei Zentimeter Spaltenmaß, die Tiefe des Schachtes beträgt 40 Zentimeter bis zur Innenklappe. „Ab diesem Zeitpunkt nutzten wir unseren Dunstabzug in der Küche nicht mehr, das hätte den Küken sicherlich schaden können. Im Haus gibt es eine kontrollierte Permanentbelüftung, so dass auch das Kochen nur zum Teil eingeschränkt war“, so Wolf. Also beim Kochen einfach alle Fenster auf und die Dunstabzugshaube ist seitdem nicht mehr in Betrieb.
Ein ihnen bekannter Vogelspezialist, der ehrenamtlich für den Landesbund für Vogelschutz tätig ist, gab ihnen ein paar wichtige Hinweise zum Umgang und zur künftigen Entwicklung. So war es besser, den Schacht bis zum Ausflug der Jungen freizulegen. Dadurch konnte das Elternpaar auch besser und schneller zum Vogelnest kommen. Selbst das Elternpaar war sehr unterschiedlich ausgeprägt.
Ein Elternteil flog immer aus der Luft kommend direkt in den Schacht, das andere Elternteil machte immer eine Zwischenlandung auf der nahegelegenen Dachrinne eines kleinen Vorbaus. Einmal verfehlte der besagte sogar das Einflugloch, er kam zu hoch an und flog gegen die Wand. Ein zweiter Versuch war dann immer erfolgreich. „Mit Brille wäre das nicht passiert“, lacht Reinhard Wolf.
Tick, Trick und Track
„So hatten wir in den vergangenen Tagen viel zu beobachten. So wussten wir auch, dass der Erstausflug nicht lange auf sich warten ließ. Täglich konnte man den Fortschritt der Jungen beobachten. Nach den Fütterungszeiten konnten wir mit der Leiter einen kurzen Einblick in den Schacht wagen und die Entwicklung der Jungen mit begleiten. Anfangs konnten wir nur drei Schnabelhälse erkennen, diese hatten auch gleich einen Namen: Tick, Trick und Track.
Es ist schon ein großes Ereignis, wenn man das Wunder der Schöpfung aus der Nähe mit betrachten kann. Mit zunehmender Entwicklung konnten wir nun feststellen, dass es nicht nur drei Junge waren, sondern fünf. Auch das nicht genug, täglich zeigten sich weitere Jungvögel, am Ende waren es sieben junge Blaumeisen“, erzählt Wolf.
Die beiden menschlichen Bewohner des Hauses ahnten schon, dass der Abschied kurz bevor stand, nachdem das Gefieder der meisten jungen Vögel schon gut Farbe angenommen hatte, gelber Bauch und blauer Kopf, sie sahen schon fast erwachsen aus.
Nacheinander ausgeflogen
„Wir waren dann auch etwas traurig, als der erste Teil der Jungen aus dem Schacht, aus dem Nest, ausgeflogen war. Das muss sicherlich sehr frühzeitig der Fall gewesen sein, als die Morgensonne in den Schacht hineinstrahlte, denn während der Morgenfütterung hatten wir schon erkannt, dass gar nicht mehr so oft das Nest angeflogen wurde.
Und tatsächlich, nach einem kurzen Blick von der Leiter in den Schacht haben wir nur noch zwei kleine Junge erkennen können. Wahrscheinlich waren diese beiden noch nicht reif für den ersten Ausflug und mussten sozusagen noch einige Zeit im Nest bleiben, bis ihre Stunde zum Jungfernflug gekommen war.“
Das war auch schon bald der Fall, denn am Sonntag, 4. Juni, war dann das Nest leer. „Sehr schade für uns, aber sicherlich ein Glückstag für die Jungen. Wie mögen Sie die „neue Welt“ entdeckt haben, selbst für Futter zu sorgen und wo in Gottes Namen werden sie ihr erstes Nachtlager bereiten? Sind sie noch alle zusammen oder haben sie sich in alle Himmelsrichtungen verstreut?“
Freude auf ein Wiedersehen
Vielleicht sehen die Wolfs einige zum beginnenden Winter wieder, wenn sie wieder ihr Vogelhaus aufstellen. „Die Blaumeisen waren bereits im letzten Winter da, sie bevorzugten die Meisenknödel, auch hier kann man den Vögeln lange zusehen, wie sie sich alle um das Vogelhaus versammeln, Kleiber zuerst, dann kommen die Kohlmeisen und Grünfinken.
Die Buchfinken sowie das Rotkehlchen sammeln die Körner nur am Boden auf, soweit konnten wir das über mehrere Jahre feststellen.“ Ingrid und Reinhard Wolf sind sich sicher, dass der Blaumeisen-Nachwuchs sein altes Kinderzimmer aufsuchen wird.
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