Eigentlich ist das Baugebiet mit etwa zwölf Grundstücken schon komplett vorbereitet. „Es braucht nur die Bagger“, sagt Bürgermeister Martin Walz (CSU) auf Anfrage. Wäre nicht der Wiesenknopf-Ameisenbläuling, der die Umsetzung des Baugebiets seit mehr als zehn Jahren verhindert − denn auch alle bisherigen Umsiedlungsaktionen, bereits unter Walz’ Vorgänger Heinz Richter (FW) begonnen, waren gescheitert.
Neunkirchen: Bauprojekt gestoppt für Schmetterlingsschutz
Warum? Wohl weil niemand so genau wisse, was der Schmetterling wirklich brauche, um die Umsiedlungsaktion erfolgreich zu gestalten. Vor drei Jahren initiieren die Regierung von Oberfranken, der Landschaftspflegeverband, die untere Naturschutzbehörde und der Bund Naturschutz deshalb ein Biodiversitätsprojekt, um diese Schmetterlinge zu erhalten. Organisiert und betreut wird es durch den Projektmanager und Schmetterlingsexperten Mirko Wölfling.
Dieser war auch in der Sitzung, um den Gemeinderäten den Sachstand seit Projektbeginn zu vermitteln. Eine intensive Sitzung, mit kontroversen Diskussionen sei es gewesen, denn auch viel Frust stecke in dem Thema.
Zwanzig Minuten dauerte der Vortrag, vierzig Minuten die anschließende Diskussion zum Thema. Einig war man sich, dass die Umsiedlung gelingen müsse, zähle das Baugebiet doch zur Innenentwicklung.
Streng geschützte Tierart
Aber der Wiesenknopf-Ameisenbläuling ist nicht irgendein Schmetterling, sondern kommt im Landkreis Forchheim und kommt vor allem in Neunkirchen am Brand auch noch besonders häufig vor. Eine Zusammenfassung von Wölflings ausführlichem Vortrag ist auf der Homepage der Gemeinde unter der Rubrik „Neunkirchen und Ortsteile“ zu finden.
In der Marktgemeinde kommen der Dunkle und der Helle Wiesenknopf-Ameisenbläuling vor. Diese beiden zählen laut Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Richtlinie zu den streng geschützten Tierarten Europas. Seit dem letzten Monitoring 2016 sind die Bestände stark zurückgegangen. Der Helle Wiesenknopf-Ameisenbläuling gilt in ganz Bayern bereits als stark gefährdet.
Die intensive Landwirtschaft setze den beiden Schmetterlingsarten zu. Wenn zu früh gemäht wird, werden die Faltereier oder Jungraupen in den Blütenköpfen mit abgemäht. Bodenverdichtung, tiefes Pflügen oder Gülle gefährden die Ameisenvölker, welche als Wirte die Raupen in ihr Nest eintragen. Herbizide vernichten die Futterpflanzen. Weg von der intensiven Landwirtschaft, dafür eine extensive Nutzung von wechselfeuchten Wiesen mit Wiesenknopf sei wichtig, damit die beiden Schmetterlingsarten überleben können.
Neunkirchen spielt besondere Rolle
Bei dem Biodiversitätsprojekt werden deshalb die Landwirte zu Förderprogrammen und Vertragsnaturschutzprogrammen beraten und die Öffentlichkeit zum Thema informiert.
Des Weiteren werden geeignete Lebensräume des Wiesenknopf-Ameisenbläulings vernetzt, um die beiden Schmetterlinge im Landkreis und besonders in Neunkirchen am Brand zu erhalten. Denn die Marktgemeinde spielt in Oberfranken eine besondere Rolle.
Das ist das Ergebnis der Untersuchung über die Häufigkeit des Schmetterlings. Insgesamt waren 61 Flächen untersucht worden und 576 Dunkle und zehn Helle Wiesenknopf-Ameisenbläulinge gefunden, am häufigsten in Neunkirchen am Brand.
An Standorten, wo der Schmetterling früher noch beheimatet war, existiert er nur noch selten oder gar nicht mehr. Während der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling noch ausreichend erhalten ist, steht der Helle Ameisenbläuling im Landkreis kurz vor dem Aussterben, informiert die Regierung von Oberfranken auf ihrer Internetseite. Welche besondere Rolle dabei die Neunkirchner Marktgemeinde spielt, führt Wölfling aus.
Außergewöhnlich in der Qualität
In Neunkirchen befinde sich einer der seltenen, letzten Rückzugsorte und Quellpopulationen des Hellen Wiesenknopf-Ameisenbläulings in ganz Oberfranken. Diese Situation habe sich in den letzten Jahren mehr und mehr verfestigt. Dem Erhalt der Vorkommen in Neunkirchen sei es zu verdanken, dass der Helle Wiesenknopf-Ameisenbläuling in Oberfranken nicht ausgestorben ist.
Zugleich komme der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling gerade in Neunkirchen besonders häufig vor. Die Lebensräume in Neunkirchen am Brand seien, verglichen mit Oberfranken, außergewöhnlich in der Qualität.













