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Zwei mögliche Flächen
Pinzberger Bürger wehren sich gegen Windräder am Lappberg
Rund 150 Bürger waren zur Info-Versammlung gekommen. Links im Bild: Bürgermeisterin Elisabeth Simmerlein.Forchheim & Fränkische Schweiz
Rund 150 Bürger waren zur Info-Versammlung gekommen. Links im Bild: Bürgermeisterin Elisabeth Simmerlein. // Thomas Weichert
Energieexperte im Gemeinderat ist Marcus Steurer.Forchheim & Fränkische Schweiz
Energieexperte im Gemeinderat ist Marcus Steurer. // Thomas Weichert
Pinzberg – Windräder am Lappberg sorgen für Zündstoff. Die Bürger von Pinzberg formieren sich gegen die geplanten Bauvorhaben.

Auf großes Interesse stieß der Bürgerdialog zu einem möglichen Windvorranggebiet bei Pinzberg.

Über 150 Bürgerinnen und Bürger waren in die Turnhalle gekommen, um sich die Faktenlage von Bürgermeisterin Elisabeth Simmerlein und dem Energieexperten im Gemeinderat, Marcus Steurer, anzuhören. Wie sich im Verlauf der Diskussion zeigte, lehnen die Pinzberger vehement Windräder am Lappberg ab.

Platz für vier Windräder

Es geht dabei um zwei Flächen, die zu Windvorranggebieten werden könnten, und die über 100 Grundstückseigentümern in den Gemeinden Pinzberg, Poxdorf und Effeltrich gehören. Auf einer Fläche mit 65 Hektar hätten drei Windräder Platz; eine weitere Fläche mit 21 Hektar böte Potenzial für ein weiteres Windrad.

Im Vorfeld des Bürgerdialogs hatten zwei Versammlungen mit den Grundstückseigentümern stattgefunden. Wie Simmerlein betonte, gibt es noch keinen einzigen Vertrag. Auch habe die Gemeinde Pinzberg beim regionalen Planungsverband Oberfranken West keine Flächen gemeldet. Allerdings hat der Planungsverband diese Flächen nun selbst als Windvorranggebiet vorgeschlagen und die Gemeinde sowie auch jeder Bürger haben noch bis 30. Mai Zeit, Stellungnahmen einzureichen.

Vor zehn Jahren waren diese Flächen schon einmal in der Diskussion. Der Gemeinderat beschloss damals, dass dort kein Windrad gebaut werden darf. Seit 1. Februar hat sich nun aber die Gesetzeslage geändert: Die Gemeinde hat zwar ein Mitspracherecht, aber keine Entscheidungsbefugnis mehr, wenn es um das Thema Windvorranggebiete geht.

Beschluss des Rates ist wertlos

Damit ist der Gemeinderatsbeschluss von vor zehn Jahren wertlos. Wie Simmerlein erklärte, sei es ihr wichtig, bei den Bürgern Transparenz zu schaffen und die Stimmen aus der Bevölkerung mit einzubeziehen, bevor der Gemeinderat am 12. Mai beschließen wird, welche Stellungnahme er zu diesem möglichen Windvorranggebiet abgeben wird.

Der Aufstellungsbeschluss des Planungsverbands soll im November fallen. Wie Simmerlein erklärte, wird der Gemeinderat aber Gründe vorbringen, die gegen Windkraftanlagen am Lappberg sprechen. Dies sind artenschutzrechtliche Bedenken – und Bedenken wegen der großen Entfernung zum Netzeinspeisepunkt im Pilatushof in Hausen, was unwirtschaftlich sei. Noch unwirtschaftlicher wäre der Bau eines eigenen Umspannwerks, dessen Kosten Steurer auf fünf Millionen Euro schätzt. Hinzu kommt der Denkmalschutz: Denn das Walberla als Identitätsträger der Region liege nur knapp 6,5 Kilometer entfernt; die Beeinträchtigung des Landschaftsbildes werde als „sehr hoch“ eingeschätzt.

Ein Bürger merkte an, dass sich Pinzberg mit neuen Baugebieten nur in Richtung Vorranggebiet weiterentwickeln könnte. Ja, sagte Simmerlein, dies sei ein weiteres wichtiges Argument gegen einen Windpark. Das Entwicklungspotenzial der Gemeinde werde eingeschränkt. „Kann es sein, dass die Nachbargemeinden dieses Windvorranggebiet vorangetrieben hat?“, wollte ein weiterer Bürger wissen.

Keine Flächen gemeldet

Effeltrichs Bürgermeister Peter Lepper erklärte: Die Gemeinde Effeltrich habe aktiv keine Flächen gemeldet. „Wenn das Vorranggebiet aber kommt, geht es nur noch darum, dass du im Wagen sitzt und ihn selbst steuerst, andernfalls wirst du gefahren“, so Lepper.

Hermann Gottschalk, direkter Anwohner am Lohranger, sagte unter Beifall, dass ein klares Nein vom Gemeinderat genauso viel wert sei wie Sachargumente dagegen.

„Viele sind sich nicht bewusst, dass so ein Windrad bis zu den Rotorspitzen 270 Meter hoch ist, 100 Meter höher als der 170 Meter hohe Rodenstein. Das sind Industrieanlagen“, so Gottschalk – und betonte: „Wir wollen keine Windräder.“

Gemeinderat Frank Heuler betonte zwar, dass er dort auch kein Windrad wolle. Aber ein Windrad sei ihm lieber als ein Atomkraftwerk und ein Kohlekraftwerk in der Lausitz. Damit erntete er Missfallensbekundungen. Später erklärte er, dass er sich im Gemeinderat aber gegen Windräder aussprechen werde. Er sei aber nicht der Typ für eine Sankt-Florians-Politik.

Steurer hielt die Fläche für völlig ungeeignet, betonte aber, dass die Wirtschaftlichkeit für den Planungsverband kein Ausschlusskriterium sei. Allerdings wäre diese Fläche das kleinste Windvorranggebiet in ganz Oberfranken, gab Matthias Zametzer zu bedenken.

Was, wenn es brennt?

Christian Eger brachte den Trinkwasserschutz ins Spiel. „Was ist, wenn so ein Ding brennt und dann den Boden verunreinigt“, fragte er. Denn das Wasserschutzgebiet Kersbach sei nur zwei Kilometer entfernt. „Das ist ein wichtiges Argument, das wir in die Stellungnahme mit aufnehmen“, sicherte Simmerlein zu.

Manuel Zametzer bedauerte, dass es zu spät für eine Unterschriftenliste sei. Wie Simmerlein meinte, könne man dafür eine Fristverlängerung beantragen. Es gäbe nur zwei mögliche Szenarien. Entweder das Vorangebiet werde nicht aufgenommen, oder es werde ausgewiesen, so die Bürgermeisterin.

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