Bisher dreht sich im Landkreis Forchheim nur ein einziges Windrad in Kasberg bei Gräfenberg. Das wird sich in den kommenden Jahren ändern. Die Planungen für den Windkraftausbau auf der Langen Meile im Gebiet Eggolsheim und Ebermannstadt nehmen immer mehr Form an. Bis zum Sommer will die Gemeinde Eggolsheim die Genehmigungsplanung beim Landratsamt einreichen. Voraussichtlich 2027, spätestens 2028 sollen sich Windräder auf der Langen Meile drehen.
Währenddessen stehen schon weitere mögliche Flächen für Windenergieanlagen in den Startlöchern. Die größte davon ist die „Untere Mark“ zwischen Forchheim und Hallerndorf. Sie soll mit der Fortschreibung des Regionalplans Oberfranken-West als sogenanntes Vorranggebiet ausgewiesen werden. Vorranggebiete sind Flächen, die für die Nutzung zur Energiegewinnung durch Windkraft ausgewählt werden. Weitere geplante Vorranggebiete im Landkreis sind Oberrüsselbach-Ost, Wimmelbach-Nordwest, Oesdorf-West, Pinzberg-Süd und Effeltrich-Nord.
Hintergrund für dieses Vorgehen ist ein Gesetz, das auf den sperrigen Namen „Windenergieflächenbedarfsgesetz“, kurz „WindBG“, hört. Das besagt, dass in Bayern bis Ende 2027 1,1 Prozent der Fläche jeder Planungsregion als Windenergiefläche ausgewiesen werden muss. Bis 2032 steigt die Zielvorgabe auf 1,8 Prozent. Zuständig dafür ist der jeweilige regionale Planungsverband, in diesem Fall der Planungsverband Oberfranken-West.
Stellungnahme zu möglichen Gebieten für Windräder
Der fortgeschriebene Regionalplan mit den neuen Vorranggebieten ist seit dem 10. März öffentlich einsehbar. Bis zum 30. Mai können die Kommunen, aber auch andere Stellen oder Privatpersonen eine Stellungnahme zu den Plänen abgeben. Das ist Teil des öffentlichen Beteiligungsverfahrens.
Am Dienstag, 8. April, hat der Forchheimer Planungs- und Umweltausschuss darüber beraten, wie sich die Stadt zu dem geplanten Vorranggebiet bei Forchheim positionieren sollte. Die Fläche an der „Unteren Mark“ kommt nicht überraschend. Schon 2022 hatten die Kommunen die Möglichkeit, geeignete Gebiete vorzuschlagen. In diesem Zusammenhang habe die Stadt Forchheim eine Fläche in der „Unteren Mark“ – nach Absprache mit den Bürgermeistern von Hallerndorf, Heroldsbach und Hausen – ins Spiel gebracht, erklärte Oberbürgermeister Uwe Kirschstein. Ein Teilbereich dieser vorgeschlagenen Fläche, 300 Hektar statt 400 Hektar, auf dem Gebiet der Gemeinde Hallerndorf und der Stadt Forchheim ist nun als Vorranggebiet angedacht.
Windkraftausbau: Bedenken wegen Bannwald
Als Vorranggebiete kommen nur Flächen infrage, die von ihrem Windaufkommen grundsätzlich Potenzial für Windenergie haben. Auch eine erste Bestandsaufnahme möglicher Auswirkungen auf Mensch und Umwelt erfolgt vorab. Vor allem die Tatsache, dass das geplante Gebiet in einem Bannwald liegt und dort für den Bau von Windrädern Bäume gerodet werden müssten, sorgte bei einigen Stadträten für Kritik.
Ein Bannwald ist ein Wald, der durch seine Lage oder seine Fläche vor allem in städtischen Ballungsräumen und waldarmen Bereichen unersetzlich ist und deshalb erhalten werden muss. Für den Bau von Windenergieanlagen ist der Bannwald allerdings offiziell kein Ausschlusskriterium, wie aus den Unterlagen zum Ausschuss hervorgeht. Gegebenenfalls müsste der Wald zum Ausgleich an anderer Stelle um neue Bäume erweitert werden.
Vieles spricht für Windenergie in der „Unteren Mark“
Es sei immer eine Frage der Abwägung, so der Konsens unter den Befürwortern des Vorranggebietes. Grundsätzlich gelte es, den Ausbau der Windenergie voranzutreiben, um die Region unter anderem unabhängiger von fossilen Energien zu machen. Die Flächen in der „Unteren Mark“ im Bereich Forchheim sind entweder bereits im Besitz der Stadt oder gehören dem Freistaat. Das Umspannwerk der Stadtwerke am Hausener Kreisel könnte in Zukunft einen Anknüpfungspunkt ans Netz bieten.
Über die Vorranggebiete habe die Stadt die Möglichkeit, den Windkraftausbau zu steuern, betonte Arne Vielberg vom Stadtbauamt. Würde die Region Oberfranken-West, zu der Forchheim gehört, die gesetzlichen Flächenziele nicht erreichen, verliere die Stadt diese Steuerungsmöglichkeit. Das bedeute, Windräder wären dann überall im Außenbereich zulässig, anstatt wie jetzt geplant auf dem Gebiet der „Unteren Mark“.
Nicht nur der Gesetzgeber drängt die Königsstadt beim Windkraftausbau voran. Auch die eigens gesetzten Ziele sprechen dafür. Im integrierten Klimaschutzkonzept der Stadt haben sich Verwaltung und Politik zum Ausbau der Windkraft bekannt. Dieser Schritt sei notwendig, um den Strombedarf zukünftig überwiegend regional aus erneuerbaren Energien zu decken, heißt es in den Unterlagen zum Ausschuss.
Mehrheit für Vorranggebiet „Untere Mark“
Letztlich fiel die Abstimmung mit zehn zu fünf Stimmen positiv für das Vorranggebiet und eine befürwortende Stellungnahme aus. Nach Ende des Beteiligungsverfahrens werden alle eingegangenen Stellungnahmen ausgewertet. „Im aktuell laufenden öffentlichen Beteiligungsverfahren werden alle Stellungnahmen, die zum geplanten Vorranggebiet eingehen, ergebnisoffen und sachgerecht gegeneinander abgewogen“, schreibt Alina Ulke vom Regionalen Planungsverband Oberfranken-West auf Anfrage. Auf Grundlage dieser Abwägung werde über deren Aufnahme in den Regionalplan entschieden. Der finale Beschluss fällt voraussichtlich in der Sitzung des Planungsausschusses Oberfranken-West im November.
Ab dann würden die Flächen offiziell zu neuen Vorranggebieten und es könnten Genehmigungsanträge für den Bau von Windenergieanlagen beim Landratsamt eingereicht werden. Zum Vergleich: Das Gebiet auf der Langen Meile war im Februar 2024 zum Vorranggebiet erklärt worden. Über ein Jahr hat die Gemeinde Eggolsheim seitdem gebraucht, um alles für die Genehmigungsplanung vorzubereiten und ist immer noch dabei. Bis sich zwischen Forchheim und Hallerndorf Windräder drehen, werden demnach vermutlich noch einige Tage ins Land gehen.














