Damit der Ausbau der Windenergie in Bayern voranschreitet, müssen in jeder Region Flächen als sogenannte Windvorranggebiete ausgewiesen werden. Den Anfang im Landkreis Forchheim haben hier bereits Ebermannstadt und Eggolsheim gemacht. Im Februar 2024 wurden die Lange Meile Nord und Süd vom regionalen Planungsverband Oberfranken-West als Vorranggebiete für Windkraft eingestuft.
Seitdem heißt es für die beiden Kommunen Grundstücke sichern, Untersuchungen durchführen lassen, Gutachten beauftragen und, und, und. Wenn alles nach Plan läuft, sollen sich 2027, spätestens 2028, die Windräder auf der Langen Meile drehen. Vom vor Ort erzeugten Storm und den finanziellen Vorteilen aus der Vermarktung sollen vor allem die Kommune und die Bürger profitieren. Deswegen sollen die Anwohner auch die Möglichkeit bekommen, sich am Windpark zu beteiligen.
Windräder: Mögliche Flächen im Kreis Forchheim
Doch nicht nur auf der Langen Meile, auch in anderen Gemeinden im Landkreis könnten in Zukunft Windräder für lokalen Strom aus erneuerbaren Energien sorgen. Wo weitere Vorranggebiete für Windenergie ausgewiesen werden, das wird mit der Fortschreibung des Regionalplans Oberfranken-West festgelegt. Durch die Ausweisung als Windvorranggebiete werden dort zunächst die Voraussetzungen für den Bau von Windrädern geschaffen.
Der Plan mit den neuen Vorranggebieten ist seit dem 10. März öffentlich einsehbar. Bis zum 30. Mai können die Kommunen, aber auch Privatpersonen eine Stellungnahme zu den Plänen abgeben. Das ist Teil des öffentlichen Beteiligungsverfahrens.
Forchheim spricht sich für Windvorranggebiet aus
Das größte Vorranggebiet ist die „Untere Mark“ zwischen der Gemeinde Hallerndorf und der Stadt Forchheim. Ein Bereich, der 2022 von der Stadt selbst zusammen mit Hallerndorf, Heroldsbach und Hausen ins Spiel gebracht worden war. Ein Teilbereich dieser vorgeschlagenen Fläche auf dem Gebiet der Gemeinde Hallerndorf und der Stadt Forchheim ist nun als Vorranggebiet angedacht. Im April hat der Forchheimer Stadtrat entschieden, das Vorranggebiet in seiner Stellungnahme zu befürworten.
Auch der Gemeinderat in Hallerndorf sprach sich kürzlich für den Ausbau der erneuerbaren Energien aus. Gleichzeitig wurde betont, dass Rücksicht auf die Menschen vor Ort genommen werden solle, indem beispielsweise der Abstand zu den umliegenden Ortsteilen möglichst groß gehalten werde. Sollte das Flächenziel von 1,8 Prozent erreicht werden, wünscht man sich eine Reduzierung der Vorrangfläche auf dem Gemeindegebiet.
Windkraft in Hausen und Heroldsbach
Hausen und Heroldsbach sind nach aktuellem Stand nicht am Vorranggebiet „Untere Mark“ beteiligt. Stattdessen wird in den Gemeinden jeweils ein eigenes, kleines Vorranggebiet ausgewiesen. Grund dafür sei unter anderem ein FFH-Gebiet, also ein Natur- und Landschaftsschutzgebiet, erklärt Bernd Ruppert, Bürgermeister von Hausen. Gegebenenfalls wolle man aber trotzdem mit Forchheim und Hallerndorf zusammenarbeiten, was beispielsweise Kabeltrassen und Ähnliches angehe.
„Unsere Gemeinde steht auch insgesamt für die Energiewende“, erklärt Ruppert, auf die Nachfrage, wie Hausen zu möglichen Windrädern steht und verweist auf andere Projekte wie das Nahwärmenetz oder Photovoltaik auf den Liegenschaften der Gemeinde. Alles, was man beitragen könne, werde versucht, so der Bürgermeister.
Auch in der Nachbargemeinde Heroldsbach habe sich der Gemeinderat bereits positiv zum Vorranggebiet „Oesdorf-West“ positioniert, erklärt Hauptamtsleiter Sebastian Kramer. Schließlich seien 2022 mögliche Flächen für Windräder, auch im Gebiet um Oesdorf, gemeldet worden.
Diskussion um Vorranggebiete in Pinzberg und Effeltrich
Großen Gesprächsbedarf zum Thema Windkraft gibt es hingegen in Pinzberg und Effeltrich. Auf dem Gebiet der Gemeinden könnten laut Planungsverband in zwei Bereichen Vorranggebiete entstehen, eines der beiden würde auch Poxdorf betreffen. Um die Bürger zu informieren und sowohl Befürwortern und Gegnern Raum für ihre Positionen zu geben, fanden in Pinzberg und Effeltrich bereits Diskussionsabende statt.
Jetzt müssen sich die jeweiligen Gemeinderäte einigen, wie ihre Stellungnahme ausfallen soll. „Wir sind nicht per se gegen Windkraft“, betont die Pinzberger Bürgermeisterin Elisabeth Simmerlein, „aber die Fläche in Pinzberg ist aus unserer Sicht aus verschiedenen Gründen nicht die best geeignetste Fläche.“ Bedenken gebe es unter anderem wegen der großen Entfernung zum Netzeinspeisepunkt am Pilatushof in Hausen. Auch der Bau eines eigenen Umspannwerkes sei zu unwirtschaftlich. Zudem könnte das Windvorranggebiet die Entwicklung der Gemeinde und mögliche Baugebiete einschränken.
Fristverlängerung für Stellungnahmen
Vor rund zwölf Jahren waren Windräder auf der Fläche bei Pinzberg schon einmal abgelehnt worden. Diesmal liegt die Entscheidung allerdings nicht mehr bei der Gemeinde. Ob der Planungsverband sich von den Argumenten, die gegen ein Windvorranggebiet in Pinzberg sprechen, überzeugen lasse, bleibe abzuwarten, erklärt Simmerlein. Um die Stellungnahme „sauber und ohne Hektik“ zu verfassen, hat die Gemeinde eine Fristverlängerung bis Ende Juni beantragt.
Auch Effeltrich braucht länger Zeit, sich zu den Plänen zu positionieren. Eigentlich hätte der Gemeinderat bereits am 12. Mai darüber entscheiden sollen. Doch nach über einer Stunde Diskussion habe es immer noch keine Entscheidung gegeben, erklärt Bauamtsleiter Andreas Hofmann. Nicht einmal eine Tendenz sei absehbar. Am 2. Juni soll nun erneut ein Bürgerdialog stattfinden, Ende Juni soll der Gemeinderat die Stellungnahme festlegen.
In der Gemeinde Poxdorf wird laut Hofmann planmäßig am 26.5. in der Sitzung über die Stellungnahme abgestimmt. Auch hier sei bisher keine Tendenz absehbar.
Windenergie mit Bürgerbeteiligung in Weißenohe
Auch Weißenohe und Igensdorf teilen sich vielleicht bald ein Windvorranggebiet in „Oberrüsselbach-Ost“. Beide Gemeinden haben keine Einwände gegenüber dem Regionalplan geäußert. Laut Rudolf Braun, Bürgermeister von Weißenohe, soll zukünftig ein Bürger-Windpark entstehen. Dabei sei von Anfang an die Idee gewesen, das Projekt mit Igensdorf zusammen umzusetzen. Durch verschiedene Kriterien, wie unter anderem Abstandsvorgaben habe es sich allerdings ergeben, dass von Igensdorf kein Grundstück als Standort für ein Windrad dabei sei. Trotzdem würden die Gemeinden im näheren Umkreis – wie gesetzlich vorgeschrieben – beteiligt, so Braun. Auch mit den Nachbargemeinden in Mittelfranken sei man im Austausch.
„Wir sind im Prinzip nur Zaungäste“, erklärt der Igensdorfer Bürgermeister Edmund Ulm. Grund dafür, dass auf dem Areal der Gemeinde Igensdorf wahrscheinlich keine Windräder gebaut werden, seien unter anderem der Segelflugplatz und die fehlende Einigung mit den Eigentümern der entsprechenden Grundstücke.
Windkraft Landkreis Forchheim: So geht es weiter
Nach Ende des Beteiligungsverfahrens werden alle eingegangenen Stellungnahmen ausgewertet. Auf Grundlage dieser Abwägung werde über die Aufnahme der Vorranggebiete in den Regionalplan entschieden, erklärt Alina Ulke vom regionalen Planungsverband Oberfranken-West. Der finale Beschluss fällt voraussichtlich in der Sitzung des Planungsausschusses Oberfranken-West im November.















