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Energiewende von daheim aus
Balkonkraftwerke: Wie Forchheimer ihren Strom selber machen
Christoph Lurz aus Forchheim betreibt ein Balkonkraftwerk in seiner Wohnung. Deutschlandweit sind diese Anlagen auf dem Vormarsch - auch im Landkreis Forchheim gibt es immer mehr solcher Anlagen.
Christoph Lurz aus Forchheim betreibt ein Balkonkraftwerk in seiner Wohnung. Deutschlandweit sind diese Anlagen auf dem Vormarsch - auch im Landkreis Forchheim gibt es immer mehr solcher Anlagen. // Stephan Großmann
Forchheim – Immer mehr Menschen installieren Mini-Solaranlagen an ihren Balkonen oder auf ihren Garagen, so wie Christoph Lurz aus Forchheim. Warum es mehr als nur Geld spart und was Interessierte beachten müssen.

Wie die meisten Menschen freut sich auch Christoph Lurz über die ersten warmen Sonnenstrahlen des Jahres. Doch er freut sich noch ein kleines bisschen mehr. Sein Blick wandert vom lichtdurchfluteten Balkon auf sein Handy, wo ihm eine App die aktuellen Stromwerte anzeigt. Die Zahl beschreibt die Menge an Strom, die Lurz in diesem Moment erzeugt. Und zwar ohne großflächige Photovoltaikanlage auf dem Dach. Ihm reichen schon zwei PV-Module an seinem Balkon.

Balkonkraftwerke: „Toll zu sehen, Beitrag zur Energiewende zu leisten“

„Es ist toll zu sehen, wie einfach man einen kleinen Beitrag zur Erzeugung sauberen Stroms leisten kann“, erzählt der 40-Jährige. Kurz nachdem er mit seiner Freundin in die gemeinsame Wohnung in Forchheim gezogen ist, hat er sich das Balkonkraftwerk angeschafft. Also zwei Photovoltaikmodule, welche über einen Stecker für die normale Steckdose (oder zugelassenen Spezialstecker für Spezial-Steckdosen) und einen integrierten Wechselrichter verfügt. Lurz hat die Anlage selbst eingebaut, „recht einfach“, wie er sagt. Seither laufe sie einwandfrei.

Etwa 480 Kilowattstunden Strom erzeugt er so im Jahr, den er direkt in die Steckdose einspeist. „Das leistet für den Alltag einen ordentlichen Beitrag“, erzählt er. Mindestens der Verbrauch der ständig laufenden Elektrogeräte zu Hause, zum Beispiel Kühlschrank, Laptop und Router, lasse sich in der Regel gut abdecken. Insgesamt könne er mithilfe der steckerfertigen Solaranlagen, wie sie offiziell heißen, circa 20 Prozent seines jährlichen Stromverbrauchs decken.

„Man kann noch mehr Potenzial heben, wenn man den Verbrauch weiter senkt und seine Gräte zur richtigen Zeit nutzt", sagt er. Einen Speicher für die überschüssige Energie, die aktuell unentgeltlich ins öffentliche Netz fließt, hat Lurz im Vergleich zu vielen anderen Mini-PV-Besitzern nicht. „Noch nicht, wer weiß“, sagt er.

Zwei solcher Module hat Christoph Lurz an seinem Balkon angebracht.
Zwei solcher Module hat Christoph Lurz an seinem Balkon angebracht. // Stephan Großmann

Was erlaubt ist und wie viel die Anlagen leisten können

Für Christoph Lurz geht es aber um mehr, als nur die eigene Stromrechnung zu deckeln. „Unsere Lebensgrundlagen sind endlich, wir müssen mithelfen, diese auch durch saubere Energie zu schützen“, sagt er. Dazu gehöre es auch, bewusster zu konsumieren und vor allem bewusster Energie zu verbrauchen. Und, so es möglich ist, umweltbewusst selbst zu produzieren. 

Seit Mai 2024 darf man höchstens 800 Watt ins öffentliche Netz einspeisen (erzeugt die Anlage mehr als 800 Watt, drosselt der Wechselrichter die Einspeisung). Das Gute: Lurz‘ Geräte nutzen zuerst die selbst erzeugte Sonnenenergie, bevor sie wieder den Strom des Versorgers verbrauchen. Lurz: „Da richtet man sich beim Nutzen der Waschmaschine und Betreiben der Spülmaschine auch gerne mal nach der Sonnenenergie.“

Balkonkraftwerke auf dem Vormarsch – in ganz Deutschland

Trotz der vielen Vorteile prägen solche Paneele wie bei Christoph Lurz noch nicht das öffentliche Stadtbild. Doch es tut sich was. Allein in der Stadt Forchheim sind laut Daten des Marktstammdatenregisters der Bundesnetzagentur fast 500 solcher Kleinanlagen in Betrieb, auf Balkonen, Garagen, Carports, Gartenhütten und so weiter. Gingen im Jahr 2019 im gesamten Landkreis gerade einmal sieben Anlagen in Betrieb, waren es im vergangenen Jahr bereits 825. Aktuell sind in den 29 Landkreisgemeinden mehr als 1700 Anlagen als betriebsbereit registriert.

Ein Trend, der sich in ganz Deutschland erkennen lässt. Die Zahl der Balkonkraftwerke hat sich im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt, zum Jahresende waren bundesweit mehr als 780.000 der kleinen Solaranlagen als in Betrieb gemeldet. Und, wie der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Solarwirtschaft, Carsten Körnig, der Deutschen Presseagentur sagt, könnte sich der Solarboom auf Deutschlands Balkonen noch verstärken.

Expertin aus dem Landratsamt Forchheim: Billiger und einfacher

Das liegt vor allem an zwei Faktoren, erklärt die Energieexpertin am Forchheimer Landratsamt, Christine Galster: Preisentwicklung und vereinfachte Regelwerke. Kosteten einfache Module mit ein paar Hundert Watt Nennleistung vor einigen Jahren noch bis zu 1000 Euro, sind heute schon 1000-Watt-Geräte für 300 Euro zu haben. „Im Jahr 2023 ist die Mehrwertsteuer auf die Mini-Solaranlagen entfallen“, erklärt Galster. Dadurch können Interessenten einiges sparen. Und um den Boom hier in Schwung zu bekommen, hatte das Landratsamt diese Anlage bis April 2023 über seinen Klimafonds anfangs sogar mit 100 Euro bezuschusst.

Aber auch der Papierkram ist besser geworden. Musste sich Christoph Lurz Anfang 2023 noch mit etlichen Genehmigungsrunden auseinandersetzen, geht das heute um einiges leichter. Christine Galster: „Das Balkonkraftwerk muss man nur im Marktstammdatenregister anmelden, das sind nur ein paar Angaben. Darüber hinaus müssen diese Kleinanlagen nicht mehr bei den Netzbetreibern angezeigt werden“, erklärt sie.

Solarpaket der Bundesregierung kommt gut an

Mit dem Solarpaket I wollte die Ampelregierung Balkonkraftwerke unbürokratischer ans Netz gehen lassen. Neben der einfacheren Anmeldung sind beispielsweise vorübergehend ältere Ferraris-Zähler erlaubt (die rückwärtslaufen können), bald sollen die Anlagen auch ganz offiziell an den herkömmlichen Schuko-Steckdosen betrieben werden können (im Moment werden sie noch toleriert). Und, laut Galster ein besonders wichtiger Punkt: Seit Herbst 2024 können sowohl Vermieter als auch Eigentümerversammlungen das Anbringen eines Balkonkraftwerks nur noch mit einem triftigen Grund verweigern.

Photovoltaik auch im denkmalgeschützten Bereich einfacher

Auch ist es dank Anpassungen des Bayerischen Denkmalschutzgesetzes mittlerweile leichter, Photovoltaik- und Solarthermieanlagen in denkmalgeschützten Bereichen zu errichten. Dies geht aus der aktuellen PV-Satzung der Stadt Forchheim hervor. „Um das Erscheinungsbild des Ensembles und von Einzelbaudenkmälern zu erhalten, sind Rahmenbedingungen erforderlich, die eine Erlaubnisfähigkeit für solche Anlagen herstellen“, teilt eine Sprecherin der Stadt hierzu mit. „Die Errichtung von Photovoltaik- und Solarthermieanlagen im Ensemble, auf Baudenkmälern sowie in der unmittelbaren Nähe von Baudenkmälern ist weiterhin erlaubnispflichtig.“ Gut nachzuvollziehen sind die bereits vorhandenen Anlagen und das Solarpotenzial im Digitalen Zwilling der Stadt Forchheim (externer Link).

Kommt nach den Mini-PVs die Mini-Windkraft?

Das Fazit lautet: Mini-Solaranlagen sind im Landkreis Forchheim angekommen. Und auch wenn es bei Christoph Lurz vor fast zwei Jahren noch schwieriger war, er bereut es nicht, frühzeitig losgelegt zu haben. Aktuell beobachtet er ganz genau, wie sich der Markt für erneuerbare Energien zu Hause weiterentwickelt. „Klar, die eigentlichen Hebel für sauberen Strom für alle liegen bei Bürgerwindkraftanlagen oder größeren Solarflächen – um solche Projekte zu unterstützen, bin ich Mitglied bei der „fei Bürgerenergie" in Bamberg und habe einen Stromvertrag mit einem regionalen Anbieter für Bürgerenergiegenossenschaften. Da haben alle Beteiligen etwas davon.“

Immerhin kleine Potenziale liegen darüber hinaus beispielsweise in der Windkraft, ebenfalls für zu Hause. „Auf dem Balkon ist noch Platz", sagt Christoph Lurz. „Sobald solche Anlagen auch im Privatbereich effizient arbeiten, bin ich gerne wieder vorne mit dabei.“

 

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