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190 Mitglieder betroffen
Forchheimer Schützen ohne Ziel? Reuther bangen um ihr Heim
Nadja Jörger hat sich ihren Einstieg als kommissarische Leiterin des Schützenvereins Edelweiß Reuth 1921 anders gedacht: Derzeit muss sie um nichts Geringeres als die Zukunft ihres Vereins fürchten.
Nadja Jörger hat sich ihren Einstieg als kommissarische Leiterin des Schützenvereins Edelweiß Reuth 1921 anders gedacht: Derzeit muss sie um nichts Geringeres als die Zukunft ihres Vereins fürchten. // Stephan Großmann
Forchheim-Reuth – Ein Immobilienverkauf bedroht das Vereinsleben im Forchheimer Stadtteil Reuth: Wie lange bleibt der Schützenverein Edelweiß noch in seinem Domizil? Die Sorgen sind groß.

Tief einatmen, ausatmen. Kurz sammeln, der Blick folgt dem Lauf in Richtung Ziel. Auf dem Stützarm ruht das gut vier Kilogramm schwere Luftgewehr. Noch einmal ruhig ausatmen. Und „Peng“. Nadja Jörger holt ihre zehn Meter entfernten Zielscheiben zu sich und nickt zufrieden. Neue Scheiben, nachladen, weiter geht’s für die Sportschützin des Schützenvereins Edelweiß Reuth 1921. Nur wie lange noch?

Schützenverein Edelweiß Reuth 1921: 190 Mitglieder, eine große Sorge

Jeden Dienstag treffen sich die Reuther Sportschützen in ihrem Domizil in der Reuther Straße, direkt neben dem ehemaligen Gasthaus Krone. Dort, im ehemaligen Tanzsaal der Krone, residieren sie bereits seit Jahrzehnten, üben, tragen Wettkämpfe aus, prämieren Schützenkönige. Nadja Jörger sitzt den gut 190 Mitgliedern des Schützenvereins derzeit kommissarisch vor, ab März dann vielleicht offiziell. Nur leider ist die Stimmung im Verein derzeit gedrückt.

Anzeige des Immobilienmaklers schreckt die Reuther auf

Der Grund: Das Vereinsheim der Reuther Schützen soll verkauft werden. „Tolles Anwesen vor den Toren Forchheims“, so bewirbt es eine Bamberger Immobilienfirma (externer Link) auf den einschlägigen Portalen. 144 Quadratmeter Wohnfläche, 1008 Quadratmeter Grundstück, sechs Zimmer. Kaufpreis 755.000 Euro. Herzstück der Verkaufsanzeige ist freilich das ehemalige Gasthaus Krone, gebaut im Jahr 1958. Dort hat sich nach dem Aus der Gaststätte im Januar 2023 eine Catering-Firma niedergelassen, im Obergeschoss gibt es noch einmal zwei Wohnungen.

Das Anwesen in der Reuther Straße steht zum Verkauf - mit ihm das Vereinsheim der Schützen.
Das Anwesen in der Reuther Straße steht zum Verkauf - mit ihm das Vereinsheim der Schützen. // Screenshot FT

Das Schützenhaus, das in der Anzeige als eins von „mehreren Nebengebäuden“ firmiert, gibt es gleich mitzuerwerben. Ebenso wie eine Brennerei, eine Scheune, eine Garage. Weil sich der Schützenverein den Kaufpreis niemals leisten könnte, schauen die Mitglieder nun bang in die Zukunft. „Der Pachtvertrag läuft noch bis September 2027“, sagt Nadja Jörger. Bis dahin sei man sicher untergebracht. „Aber was, wenn der Käufer das Haus anderweitig entwickeln will? Und den Pachtvertrag nicht verlängert? Dann stehen wir auf der Straße.“

Droht dem Verein im schlimmsten Fall gar die Auflösung?

Sie wolle gar nicht weiter darüber nachdenken, aber im schlimmsten Fall könnte dem Verein gar die Auflösung drohen, fiele ihnen das Heim weg. „Unsere Pistolenschützen trainieren schon immer Kirchehrenbach“, so Jörger. „Aber unsere Luftgewehrschützen sind auf das Heim angewiesen. Müssten wir sie ausquartieren, wäre das fatal.“

Dabei hängen die Edelweißen gar nicht zwingend an dieser Immobilie in der Reuther Straße. Zwar haben sie es sich dort über die Jahrzehnte schön gemacht (seit der Neugründung des Vereins nach dem Zweiten Weltkrieg sind sie auf diesem Grundstück), haben ihren Schießstand zweigeschossig ausgebaut, ihre „Stube“ hübsch hergerichtet.

Am Reuther Schießstand herrscht regelmäßig reger Betrieb.
Am Reuther Schießstand herrscht regelmäßig reger Betrieb. // privat/Jörger

Stadtrat Thomas Schuster will politische Bahnen lenken

„Aber noch idealer für den Stadtteil Reuth wäre ein Haus, in das alle örtlichen Vereine gemeinsam einziehen könnten“, sagt Thomas Schuster. Der Reuther CSU-Stadtrat hat das Thema neulich wieder auf die politische Agenda gebracht. „Vereinsleben muss direkt vor Ort stattfinden.“

Schon häufiger hatte er in Reuth Versuche unternommen, dem Vereinsleben ein gemeinsames Heim zu schaffen. Bislang ohne Erfolg; dass sich das in absehbarer Zeit ändert, glauben die Reuther nicht. Daher klammern sich die Schützenfreunde an ihr Anwesen. Einfach in jede x-beliebige Immobilie umziehen könne der Verein auch nicht, schon allein der vielen Auflagen in den 112-seitigen „Richtlinien für die Errichtung, die Abnahme und das Betreiben von Schießständen (Schießstandrichtlinien)“.

Der Schützenverein Edelweiß Reuth 1921 blickt auf eine lange und wechselvolle Geschichte zurück.
Der Schützenverein Edelweiß Reuth 1921 blickt auf eine lange und wechselvolle Geschichte zurück. // Stephan Großmann

Darum will der Eigentümer das Objekt verkaufen

Peter Schmitt würde es freuen, wenn die Schützen in ihrem Domizil bleiben könnten. Er selbst war Gäuschützenkönig im Jahr 1975. Und doch ist er es, der die Immobilie derzeit verkaufen will. Das Haus ist seit Generationen im Familienbesitz. Doch Schmitt wohnt schon lange nicht mehr in Forchheim, hat mittlerweile die 70 überschritten. „Mich um das Haus weiterhin zu kümmern, wird mir langsam zu viel“, sagt er. Daher wolle er es verkaufen. Allerdings nicht um jeden Preis, „wenn sich keiner findet, behalte ich es eben“, sagt er. Bislang habe es wohl bereits einige Anfragen gegeben, aber daraus sei noch nichts Spruchreifes entstanden.

Auch wenn sie es nicht aussprechen in Reuth, aber ein bisschen hoffen sie sicherlich darauf, dass dies so bleibt. Denn auch wenn ihnen Schmitt weitgehend entgegenkommen wolle. „Gerne können wir die Gebäude auch einzeln verkaufen, falls sich Interessenten fänden“, sagt er am Telefon. Sehr realistisch ist das wohl nicht.

Allein schon, weil die Häuser doch sehr ungewöhnlich zueinander im spitzen Winkel angeordnet sind und weil einige der Versorgungseinrichtungen des Schützenhauses über das Haupthaus laufen. „Klar wäre das schön, wenn wir nur unser Schützenhaus kaufen könnten. Aber auch das ist zu teuer für uns“, so Jörger.

Selbst kaufen ist für den Verein keine Option, sagt Vorsitzende Nadja Jörger.
Selbst kaufen ist für den Verein keine Option, sagt Vorsitzende Nadja Jörger. // Stephan Großmann

Für die Schützen heißt es: abwarten und hoffen

Stadtrat Schuster indes hofft, dass die Stadt in die Bresche springt. Im November beantragte er, die Stadt möge doch darüber nachdenken, das Objekt vielleicht zu erwerben, um allen ansässigen Vereinen ein Obdach zu gewähren. Zwar zog Schuster seinen Antrag noch am selben Tag aus finanzpolitischen Gründen zurück (Stichwort Haushaltssperre), aber das Thema ist lanciert. Und, so heißt es aus der Stadt, man wolle „gemeinsam an einer Lösung arbeiten“.

Dieser Umstand und dass der Schießsport im politischen Bayern Freunde bis nach ganz oben hat, ist den Reuther Schützen aktuell nur ein schwacher Trost. Jahr für Jahr fließen Millionen von Euro in die gut 4700 bayerischen Schützenvereine. Mit diesen Geldern die Technik weiter aufrüsten, vielleicht gar modernisieren oder neu anschaffen, das würde auch Nadja Jörger für ihre Reuther Schützen gefallen. Sie atmet tief ein, dann aus. Aber im Grunde würde es ihr schon reichen, wenn ihr Verein bald nicht auf der Straße stehen würde.

 

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