Das Jahr 2025 startet durchwachsen. Weltpolitisch betrachtet. Und auch in Forchheim stehen mindestens aufregende Monate bevor. Um sich gemeinsam auf ein neues Jahr einzustimmen, eignen sich gemeinsame Erlebnisse besonders. Besondere Erlebnisse umso mehr. Und was ist schon besonderer als ein Neujahrsempfang in historischem Ambiente, mit schick bis elegant gerahmten Gästen und einem heiter bis nachdenklichen Festprogramm.
Neujahrsempfang Forchheim 2025: Kultur triff Politik
Sonntagabend, 16.59 Uhr. Die Plätze in der stimmungsvoll erleuchteten Kaiserpfalz sind restlos besetzt. Die Musiker des Jazz Quartetts von Michael Tessaro sind auf der Bühne schon bereit, den Forchheimer Neujahrsempfang musikalisch zu eröffnen. Man wolle sich abheben von der gängigen Praxis solcher Empfänge, sagt der Vorsitzende des Förderkreises Kaiserpfalz Ewald Maier, der an diesem Abend gemeinsam mit Oberbürgermeister Uwe Kirschstein zu diesem Event geladen hatte. Daher gebe es neben politischen Tönen reichlich Kultur zu erleben, so Maier.
Oberbürgermeister Uwe Kirschstein: Rückblick und Ausblick
Doch erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Die Gäste „aus allen gesellschaftlichen Spektren“ (Ewald Maier) erwarten durchaus mehr als nur ein kulturelles Schmankerl zu erleben. Beinahe wissbegierig hängen sie an den Lippen des Oberbürgermeisters, als er seinen „politischen Ausblick 2025“ preisgibt. Hier und da runzelt eine Stirn, hier und da zustimmendes Nicken. Je nach Thema, je nach politischer Couleur des Zuhörenden. Wer die Rote-Teppich-Brille aufzieht, wird zwar ein wenig enttäuscht. Nur vergleichsweise wenig Lokalprominenz aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft verirrt sich an diesem Abend in die historischen Gemäuer.
Kirschstein lässt sich Zeit, diese Art der Ansprachen scheinen im Freude zu bereiten. Bevor er auf aktuelle lokale Themen zu sprechen kommt, weitet er – wie meist bei solchen Anlässen – seinen Blick auf die großen Fragen der Zeit. Wenig emotional, aber bestimmt, prangert er den Zeitgeist des „Höher, weiter, schneller“ an und kritisiert den Volkssport der Vollzeit-Kritiker („Der gerade fertiggestellte Paradeplatz ist zu grau. Die Rathaussanierung ist zu teuer. Die Piastenbrücke hatte zu lange gedauert. Der S-Bahn-Takt am neu eröffneten Bahnhof Forchheim-Nord ist zu schlecht. Die Straßen haben Schlaglöcher. Es gibt zu viele Baustellen.“) Und und und.
Kirschsteins Fazit: Eigentlich alles super
Wenngleich dem objektiven Beobachter der jüngsten Forchheimer Politikgeschichte auch einige Kritikpunkte einfielen, ist Kirschsteins Beobachtung eines kaum noch zufriedenzustellenden Menschen richtig. Seine Methode, dagegen anzugehen, kann er seinem Amt gemäß aus dem Effeff: Er erklärt, was in Forchheim alles super läuft.
Man habe den Klimaschutz auf dem Schirm, die Energiewende, die Wärmewenden, man verfüge weitgehend über sanierte Schulen, baue Kindertagesstätten („eine nach der anderen“), verdichte den Busverkehr, etabliere Nahwärmenetze, stelle Wohnungen fertig, ertüchtige Brücken, gestalte Radwege (noch) sicherer, man freue sich über UNESCO-geadelte Wässerwiesen. Selbst die Dauerbaustellen könnten ein Ende finden, so verschwinden bald wohl zumindest die Gerüste am Historischen Rathaus.
Was Forchheim alles noch bevorsteht
Eine Bilanz zum Niederknien. Dass dies nicht alle geladenen Gäste im Saal so sehen, lassen sich die meisten nicht anmerken. Und doch ist eine gewisse Spannung greifbar. Eine Spannung, die sich nährt aus einer bald stattfindenden Bundestagswahl, dem bereits begonnenen Wahlkampf für die Kommunalwahlen 2026 und einer finanziell ungewissen Zukunft, welche die Stadt Forchheim in dieser Form noch nicht erlebt hat.
Bei Kirschstein selbst klingt das so: „Der Beginn neuer Projekte wird jedoch nur in äußerst begrenztem Maße möglich sein. Das wird sich sicher auch wieder ändern, aber für 2025 bleibt der Fokus zunächst auf der Realisierung der laufenden Arbeiten und Planungen. Den optimistischeren Blick nehmen wir uns fest für 2026 vor.“
Großer Dank an Ehrenamtliche in Kommunalpolitik
Doch Kirschstein gelingt es an diesem Abend, nicht nur seine Freunde im Saal abzuholen. Einfach, aber effektiv: Über eine Dankesrede. Sei es den Mitarbeitenden seiner Verwaltung, den vielen Vereinen und Ehrenamtlichen in der Stadt und – ganz besonders – den Stadtratsmitgliedern. Er dankt ihnen allen. Und bricht eine Lanze: „Man sieht leicht, Kommunalpolitik geht weit über das übliche Maß eines Hobbys hinaus. Demokratie ist alles andere als bequem. Niemand kann sich in einer Demokratie zurücklehnen.“
Kultur-Höhepunkt: Harald Martenstein liest
Geschafft. Nach so viel Politik braucht das Publikum Erheiterung, das ist zu spüren. Kaum einer ist dafür besser geeignet, als der bundesweit bekannte Schriftsteller, Journalist und Kolumnist Harald Martenstein.
In einer ausführlichen Lesung aus seinem kurzweiligen neuen Buch „Es wird Nacht, Señorita“ drückt Martenstein mit spitzer Zunge auf manche Wunde aktueller Debatten-Hysterie und hält den Menschen seine Sicht des Spiegels vor. Prädikat: sehr unterhaltsam, bisweilen ins streitbare driftend. Perfekt für Forchheim in diesen Tagen.
Bei Glühwein, Sekt und Schnittchen mischt sich der zugegeben überschaubare Kreis an illustren Gästen aus Politik, Wirtschaft und Kultur im mäßig beheizten Innenhof der Kaiserpfalz noch ein bisschen unters Restvolk, diskutieren über Politik, ihre Liebe zur Kultur und die lieben Vorsätze, die es tatsächlich bis dahin überlebt haben. So kann das neue Jahr starten.



















