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Forchheimer Wetterexperte
Was ist dran am Siebenschläfertag? Experte klärt auf
Auch wenn sich viele einen Badewetter-Sommer wünschen, zu viel Sonne und Hitze gehen zulasten von Landwirtschaftsflächen und Ertragsaussichten.Forchheim & Fränkische Schweiz
Auch wenn sich viele einen Badewetter-Sommer wünschen, zu viel Sonne und Hitze gehen zulasten von Landwirtschaftsflächen und Ertragsaussichten. // Christian König
LKR Forchheim – Zwischen Tradition und moderner Wetterforschung mit KI schlägt das Pendel munter aus. Und es stellt sich die Frage, ob der 27. Juni wirklich Rückschlüsse auf den Hochsommer in der Region zulässt.

Um keinen anderen Kalendertag ranken sich so viele Erwartungen und Prophezeiungen wie um den 27. Juni – besser bekannt als Siebenschläfertag. Die Legende besagt, dass im dritten Jahrhundert sieben Christenverfolgte in einer Berghöhle nahe Ephesos entdeckt und eingemauert wurden. Sie wachten aber nach 195 Jahren an einem 27. Juni durch die Bezeugung ihres Glaubens wie durch ein Wunder wieder auf.

Siebenschläfertag: Was bedeutet er für das Wetter?

Viele Wetterinteressierte richten ihr Augenmerk ganz speziell auf den 27. Juni – in der Annahme, daraus vermeintlich den kompletten Hochsommer und seine Qualitäten ableiten zu können. Vermeintlich deshalb, weil dieser einzige Tag keine glaubhafte Prognose über die kommenden sieben Wochen liefern kann. So reicht der im Kalender markierte Termin bis vor die gregorianische Kalenderreform im Jahre 1582 zurück. Würde man es also genau nehmen, müsste man erst um den 8. Juli besonders genau auf den Wetterverlauf achten. Es ergibt aber Sinn, diese gesamte Phase ab dem Siebenschläfertag genauer unter die Lupe zu nehmen, um den eigentlichen Hochsommer in der Region bis etwa Mitte August einzuschätzen.

Auf hochsommerliche Konstellation ausgerichtet

Den Zeitraum von Ende Juni bis ins erste Juli-Drittel für die weiteren Sommertendenzen heranzuziehen, ist begründet: Die Verteilung von Hochs und Tiefs sowie die großräumigen Wetterströmungen haben sich häufig bis spätestens Mitte Juli auf eine hochsommerliche Konstellation ausgerichtet. Hat sich zwischenzeitlich eine ausgedehnte Hitzeglocke von Nordafrika über dem Mittelmeerraum etabliert, greift sie spätestens im Laufe der ersten Juli-Hälfte wiederholt auch über die Alpen bis zu uns aus. Es entsteht eine Blockade, gegen die schwächer werdenden Tiefs über dem Atlantik kaum noch ankommen. Sie weichen in der Regel über Großbritannien auf die Nordhälfte Europas aus, so dass wir zumindest zeitweise in ausgeprägte Hitzewellen geraten können.

Fortschreitender Klimawandel mit höheren Wassertemperaturen der umgebenden Meere wirkt sich dabei zusätzlich wie eine Art Hitze-Turbo für die Südhälfte Europas aus. Die Effekte sind den Urlaubern rund ums Mittelmeer inzwischen leidlich vertraut, weil sie sich besonders im Landesinneren durch unerträgliche Hitze bis über 40 Grad bemerkbar machen.

Wetterpendel in beide Richtungen

Im Gegensatz zu anderen häufiger wiederkehrenden typischen Witterungsphasen wie Eisheilige, Schafskälte oder Weihnachtstauwetter kann aber das Wetterpendel zwischen dem 27. Juni und 8. Juli wiederholt sowohl in die heiße als auch eher durchwachsene Richtung ausschlagen. Wetterinteressierte Leser sind gerne aufgefordert, eine Art Mini-Wettertagebuch führen, das möglichst bis zum 10. Juli reichen sollte. Manche offizielle Quellen deuten aktuell einen heißen Juli-Start mit Potenzial zu einer längeren Verweildauer bei uns an – andere sehen eher einzelne schweißtreibende Episoden auf uns zukommen.

Trotz des aktuellen Hypes um Möglichkeiten künstlicher Intelligenz sollte jedem klar sein, dass sich unser Wetter im bildlichen Sinne gesprochen nicht in die Suppe spucken lässt und spätestens nach circa fünf Tagen macht, was es will. Aber genau das macht ja das zeitlose Phänomen Wetter über alle Errungenschaften hinweg fast ebenso spannend wie in jenen Zeiten, als man sich auf Erfahrungen, mündliche Überlieferungen und einen gewissen Aberglauben verlassen musste, um der Zukunft ihre Geheimnisse zu entlocken.

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