Der Mensch möchte gerne wissen, was die Zukunft bringt. Das ist eine uralte Binsenweisheit und stimmt auch in unserer hochmodernen und technisierten Welt. Doch in den meisten Fällen lässt sich das Schicksal nicht in die Karten schauen. Da ist es nur allzu menschlich, aus allen möglichen Zeichen in der umgebenden Natur herauslesen zu wollen, was die Zukunft bringt.
Das galt in früheren Zeiten noch viel mehr, als die Bevölkerung wesentlich gravierender dem Wohl und Wehe des Witterungsverlaufs ausgeliefert war. Erst recht natürlich in Breitengraden, in denen über die verschiedenen Jahreszeiten immer wieder drastische Schwankungen und sogar lebensbedrohliche Bedingungen herrschen können. Kein Wunder also, dass aus dem Aussehen und Wuchsverhalten von Pflanzen praktische Geheimtipps für die Zukunft entwickelt wurden.
„Wenn Schwalben niedrig fliegen, wird man Regenwetter kriegen.“
Das gilt aber genauso für die Tiere – ob domestiziert auf eigenem Grundstück oder in der freien Wildbahn. Vögel bieten sich da besonders an, denn sie sind überall und für jeden sicht- und erlebbar. So sagt man im Volksmund den Vögeln nach, sie seien wahre Wetterpropheten. Schwalben zum Beispiel.
Die bekannteste Bauern- oder Wetterregel besagt, dass Gewitter oder Regen droht, wenn generell Vögel tief fliegen. So lautet ein Reim: „Fliegen die Schwalben in die Höh’, kommt ein Wetter, das ist schön.“ Oder das Gegenstück dazu: „Wenn Schwalben niedrig fliegen, wird man Regenwetter kriegen.“
Und tatsächlich gibt es einen gewissen Zusammenhang zwischen der Wetterentwicklung und dem Verhalten der Tiere. In welcher Höhe Schwalben fliegen, ist vor allem durch ihren Instinkt für die Nahrungssuche begründet.
Zusammenhang ist tatsächlich vorhanden
Herrscht eine windstille und sonnige Wetterlage – also häufig mitten in einem Hoch –, dann werden vor allem die Insekten als Nahrungsquelle durch aufsteigende Warmluftblasen weiter nach oben in der bodennahen Atmosphäre getragen. Dementsprechend können die Schwalben auch weit über Haushöhe auf die Jagd gehen.
Kommt allerdings ein Tief mit feuchter und kälterer Luft, besteht weniger kleinräumiger Aufwind, durch die in die Insekten nach oben getragen werden. Deshalb fliegen Schwalben im Bereich von Tiefs mehr in Bodennähe, um ausreichend Nahrung im Flug zu ergattern.
Das haben die Menschen schon vor Jahrhunderten erkannt, als es noch längst keine Wetterkarten über die Verteilung von Hochs und Tiefs samt Vorhersage über die nächsten ein, zwei Tage gab. Man musste sich also aus Beobachtungen und Erfahrungen selbst etwas vor Ort zusammenreimen, um Arbeitsabläufe besser planen zu können.
Fehlprognosen möglich
Die Krux bei der Sache ist allerdings, dass wir zwar Wetterlagen haben, die Sonnenschein und wolkenlosen Himmel garantieren. Trotzdem befinden wir uns dann am Rande eines Hochs in einer kräftigen Strömung, zum Beispiel mit trockenem Wind aus Osten.
Das ist gerade in unserer Region wohlbekannt und wird von Einheimischen in der Fränkischen Schweiz gerne als „öberer Wind“ bezeichnet. In diesem Fall wird die Luft auch mächtig durcheinandergewirbelt, ohne dass Schlechtwetter folgt.
Nachdem Schwalben gerne auch spielerisch als Kulturfolger im Bereich von gebauten Siedlungen fliegen, schwirren sie gerne auch in atemberaubender Weise um die Häuserecken und durch die Gärten auf der Suche nach Insekten in der Luft. Dies kann durchaus zu Fehlprognosen führen, dass schlechtes Wetter kommen würde.
Wie man sieht, hilft Schwarz-weiß-Denken auch bei Wetterregeln nur bedingt und kann einen gehörig auf den Holzweg führen. Wie heißt es daher an anderer Stelle so schön: „Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste.“
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