Es scheint ein äußerst beliebtes Domizil zu sein. Vor rund 25 Jahren hatten sich auf dem sogenannten Rot-Kreuz-Kolonnenhaus an der Hornschuch-Allee – heute Sitz der Volkshochschule – zum ersten Mal Störche niedergelassen. „Seitdem ist jedes Jahr Betrieb“, erzählt Gunter Brokt. Der 84-Jährige kennt sich aus mit Forchheims Störchen. Er war es, der 1996 dort einen Storchenhorst errichtet hat. „Mit Unterstützung der Feuerwehr und deren Leiter stieg ich aufs Dach“, erinnert er sich.
Männchen ist zuerst da
Auch heuer sind die Störche wieder da. Seit ungefähr drei Wochen schon sieht man sie ihre Kreise ziehen. „Mitte Februar war ungefähr immer die Ankunftszeit“, sagt Brokt.
Bei den Störchen dürfte es sich dabei um alte Bekannte handeln. „Störche besetzen immer ihren alten Horst. Wenn sie kommen, und er ist schon besetzt, dann gibt es einen Kampf“, erklärt der Storchenexperte. „Es kommt daher immer zuerst das Männchen. Das Weibchen lässt sich einige Zeit später nieder.“ Dabei kommt es durchaus vor, dass die Störche miteinander eine jahrelange Brut-Partnerschaft eingehen.
Grundlage ist Metall
Der Horst auf dem Kolonnenhaus ist der einzige in Forchheim. Ältere Forchheimer dürften sich vermutlich noch an frühere Standorte erinnern. „Der erste Horst war auf der Landwirtschaftsschule, danach auf dem alten Landratsamt. Zuletzt war er auf dem alten Brauereigebäude des Brauhauses Forchheim gewesen“, erzählt Brokt.
Als Brokt, der bis vor kurzem noch 2. Vorsitzender der Forchheimer Kreisgruppe des Landesbundes für Vogelschutz war, damals im Alter von über 60 Jahren auf das Kolonnendach stieg, hatte er zuvor aus einem Metallgestell einen Korb angefertigt. „Der wurde auf den Kamin draufgesetzt, dazu ein bisschen Stroh und Heu. Den weiteren Ausbau übernahm dann der Storch“, berichtet Brokt.
Im ersten Jahr tat sich nichts, im zweiten auch nicht. Dann kam der Storch und setzte sich in den neuen Horst auf den Kamin. Der Kamin ist nicht mehr in Betrieb. „Ich wollte auch mal aufs Dach des Krankenhauses einen Horst bauen. Aber das hat sich zerschlagen, weil da ab und zu ein Hubschrauber kommt“, erzählt Brokt.
Viel Nahrung in der Zweng
Über die Zeit hat der 84-Jährige viele Storchenpaare und deren Nachwuchs in Forchheim beobachtet. Das Wichtigste: „Alle Jahre sind die Störche durchgekommen“, berichtet Brokt. „Wir hatten vor fünf oder sechs Jahren sogar einmal die meisten Jungstörche in Bayern“, erzählt er stolz. Es seien damals sechs Tiere gewesen.
Was den Störchen an Forchheim so gut gefällt, ist das Nahrungsgebiet von Trubach und Wiesent. Es reicht von den Feuchtwiesen südlich des Klinikums bis nach Ebermannstadt. „Zweng“ wird dieses Wasserschutzgebiet südöstlich von Forchheim zwischen Reuth, Gosberg und der Bahntrasse genannt. Es ist Teil des europäischen ökologischen Verbundnetzes Natura 2000. Der Name „Zweng“ kommt von „zu wenig“ und spielt damit auf die geringe Bodengüte und Wuchsleistung dortiger Pflanzen an.
Hunde stellen Störchen nach
„Das Schlimme“, sagt Brokt, „ist nur, dass in diesem von der Stadt ausgewiesenen Erholungsgebiet inzwischen zahlreiche Passanten mit Hunden unterwegs sind.“ Die Hunde würden dabei regelmäßig den Störchen nachstellen. Zwar seien Schilder angebracht, dass Hunde an der Leine zu führen sind. Aber es halte sich keiner dran. „Ich war schon bei Oberbürgermeister Kirschstein und habe ihm das Problem vorgetragen, aber er interessiert sich nicht dafür“, sagt Brokt.
Zuletzt drei Brutpaare im Landkreis
Laut Landesbund für Vogelschutz gab es im vergangenen Jahr im Landkreis Forchheim nur drei Brutpaare, eines davon auf dem Kolonnenhaus in der Stadt. Auch in Ebermannstadt und Hausen ist Meister Adebar regelmäßig zu Gast.
Dennoch ist im benachbarten Kreis Erlangen-Höchstadt inzwischen deutlich mehr los. Hier nisten die Störche auch im Eigenbau-Heim, also auf Bäumen oder Strommasten, wo der Mensch keine Hand angelegt hat.
Die großen Wiesen im Aischgrund bieten ausreichend Nahrung. „In Adelsdorf hatten wir in diesem Winter ein Pärchen, das hier überwintert hat“, berichtet Brokt. Vor einigen Jahren schon sei am Heiligen Abend bei Pinzberg ein Storch auf dem Acker gesehen worden.
Was damals noch für Erstaunen sorgte, ist inzwischen normal geworden. „Das Zugverhalten des Storches ist anders geworden“, sagt Brokt. Bis ins tiefe Afrika fliege er meist sowieso nicht mehr. Eher beziehe er in Spanien an der Mittelmeergrenze Winterquartier, oft in der Nähe von Müllkippen oder Kompostierungsanlagen.
Genug Futter im Winter
Auch bei Schnee und Eis müsse man sich um hier überwinternde Weißstörche keine Sorgen machen, heißt es beim Landesbund für Vogelschutz. Dem Verband mit Sitz in Hilpoltstein sind etwa 300 Störche in Bayern bekannt, die nicht mehr im Herbst gen Süden fliegen. Diese finden demnach auch bei winterlichen Verhältnissen genug Futter, zum Beispiel Mäuse und kleine Fische.
Ähnlich wie Graureiher stünden die Störche dabei oft stundenlang regungslos vor Mäuselöchern, um ihre Nahrung zu erbeuten. Sie müssten auch nicht wie kleine Singvögel jeden Tag fressen. Durch das Aufplustern ihres Gefieders seien sie zudem bestens vor Kälte geschützt.
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