Montag, 9.30 Uhr, am Bamberger Bahnhof. Unzählige Pendler, teils mit Koffern und Gepäckstücken, tummeln sich auf dem Vorplatz. Als der sehnlichst erwartete Bus mit der Kennzeichnung als Schienenersatzverkehr endlich einfährt, stürmen alle nach vorne, bevor das Fahrzeug überhaupt komplett zum Stehen kommt. Während die Fahrgäste aus Forchheim versuchen, sich einen Weg hinaus zu bahnen, quetschen sich die Wartenden möglichst schnell in den Bus. Wer einen der begehrten Sitzplätze ergattert, atmet erleichtert auf.
Doch der Strom an Menschen reißt nicht ab, der ganze Gang steht voll. Doch nur für einen kurzen Moment, denn dann müssen auf Geheiß des Busfahrers alle Passagiere wieder aussteigen, die keinen Sitzplatz haben. Auf die verzweifelten Fragen der Betroffenen, wann der nächste Bus komme, hat der Fahrer keine Antwort.
Großer Andrang bei Ersatzverkehr zwischen Bamberg und Forchheim
Einige Fahrgäste versuchen zu diskutieren, aus Sorge, erneut auf unbestimmte Zeit am Bahnhof zu stranden. Eine junge Frau steigt wieder aus, bietet einem besonders aufgebrachten Gast ihren Sitzplatz an. Schließlich rollt der Bus los in Richtung Forchheim – zehn Minuten vor der in der DB-App angekündigten Abfahrtszeit. Ob danach noch ein weiterer folgt, bleibt offen.
Am nächsten Morgen, 8. Juli, ist der Bus rund 15 Minuten vor angekündigter Abfahrtszeit schon voll besetzt. Diesmal scheinen stehende Fahrgäste für den Fahrer aber kein Problem darzustellen. Unsicher blicken sich einige Passagiere um, reihen sich dann aber doch im Gang auf. Spätestens nachdem einige der bereits im Bus sitzenden Fahrgäste sich darüber beklagen, dass der Bus endlich losfahren solle, weil sie schon über eine Stunde warten würden, will niemand der Stehenden mehr aussteigen.
Bahnstrecke Bamberg Forchheim wegen Vandalismus gesperrt
Die Strecke zwischen Bamberg und Forchheim ist seit Freitag, 4. Juli, gesperrt. Grund dafür ist ein Brand in einer Unterführung in Hirschaid. „Die Kriminalpolizei ermittelt wegen des Verdachts auf Brandstiftung. Eine Überprüfung durch Gutachter hat ergeben, dass durch das Feuer massive Schäden am Bauwerk entstanden sind. Daher können die Gleise oberhalb der Unterführung nicht befahren werden“, erklärte eine Sprecherin der Bahn.
Die Regionalzüge beginnen und enden in Bamberg. Die Züge der S-Bahnlinie S1 aus Richtung Nürnberg Hbf enden vorzeitig in Forchheim. Zwischen Forchheim und Bamberg hat die Bahn direkt am Freitag einen Ersatzverkehr (SEV) mit Bussen eingerichtet.
Wer regelmäßig auf der Bahnstrecke unterwegs ist, kennt das Spiel bereits. Wegen des Bahnausbaus hatte es in den vergangenen Jahren immer wieder Sperrungen gegeben, bei denen Pendler ebenfalls auf Busse ausweichen mussten. Bei diesem kurzfristig eingerichteten Schienenersatzverkehr scheinen die Probleme jedoch teils verschärft.
Fahren normalerweise mehrere Regionalbahnen und S-Bahnen pro Stunde zwischen Bamberg und Forchheim, wird in der Bahn-App teils nur ein Bus pro Stunde angezeigt. Auch die angegebenen Zeiten stimmen nicht so richtig damit überein, wann in der Realität ein Bus am Bahnhof auftaucht. In der Störungsmeldung über die Bahn-App wird auf eine erhebliche Verlängerung der Fahrzeit zwischen Bamberg und Nürnberg und eine hohe Auslastung des Ersatzverkehrs hingewiesen.
Das sagt die Bahn zum überlasteten SEV
„Wir haben alle verfügbaren Busse und Fahrer:innen im Einsatz. Leider sind die kurzfristig verfügbaren Busse und Busfahrer:innen sehr begrenzt“, erklärt eine Sprecherin der Bahn auf Nachfrage. Daher könnten nicht alle ausfallenden Züge durch mehrere Busse ersetzt werden. „Dafür bitten wir um Entschuldigung. Wir versuchen mit Hochdruck, die Situation für die Fahrgäste zu verbessern“, schreibt die Sprecherin weiter.
Zusätzlich zu den Direktbussen zwischen Bamberg und Forchheim fahren Großraumtaxis die Zwischenhalte der S-Bahn auf der Strecke an. „Darüber hinaus wird das Angebot zwischen Nürnberg Hauptbahnhof und Forchheim (Oberfranken) am 8. Juli und am 9. Juli durch einen Regionalexpress-Pendelzug ergänzt“, so die Sprecherin der Bahn. Reisende, die direkt von Bamberg nach Nürnberg fahren wollen, würden außerdem gebeten, die Züge über Würzburg und Bayreuth zu nehmen.
Ende der Sperrung noch nicht final bestätigt
Laut Störungsmeldung soll die Strecke bis voraussichtlich Montagmorgen, 14. Juli, gesperrt sein. Wann genau wieder Züge fahren können, lässt auch die Bahnsprecherin noch offen. Die DB plane den Einbau von sogenannten Hilfsbrücken, um den Zugverkehr schnellstmöglich wieder aufnehmen zu können.















