Wirklich verrückt wird es am Abend. Müde und gestresste Lasterfahren suchen dann entlang der mehr als 2500 bayerischen Autobahnkilometer nach einem Stellplatz für die Nacht, weil sie in der Regel ab 22 Uhr nicht mehr fahren dürfen. Ebenso tagsüber tummeln sich auf den Parkplätzen und Rastanlagen Hunderttausende Wagenlenker. Vor allem Lkw-Fahrer finden dort oft keine Plätze mehr, was teils zu chaotischen Zuständen führt. Das gilt auch für die A73. Seit Jahren existiert daher die Idee, die „Parkplätze mit WC“ Regnitztal Ost und West zur Tank- und Rastanlage umzubauen. Passiert ist seither aber noch nichts. Bis jetzt?
Es ist ein heißer Sommertag, Claus Schwarzmann steigt aus seinem E-Auto und schaut sich um. In dieser Sekunde ist der Regnitztal-Parkplatz auf der Ostseite der A73 in Richtung Bamberg vergleichsweise leer. Schwarzmann, Bürgermeister der umliegenden Gemeinde Eggolsheim, kennt das auch anders. „Dass die beiden Parkplätze vor allem für die große Zahl an Lastkraftwagen zu klein ist, bestreitet niemand“, sagt er. „Es gibt Handlungsbedarf."
A73: Zu wenige Stellplätze für Lkw-Fahrer
Laut der Autobahn GmbH, die sich für den Bund um Planung, Bau, Betrieb und Erhaltung der Autobahnen kümmert, gibt es in Nordbayern inklusive der Autohöfe aktuell 8593 Stellplätze für Lastwagen, zusätzlich sind 5783 für Pkw im Bestand. Das Problem: Obwohl seit dem Jahr 2000 insgesamt fast 400 neue Lkw-Plätze im Wert von 56 Millionen Euro geschaffen worden seien, würden nach wie vor etwa 2400 Stellflächen für Laster fehlen. Zum Vergleich: Der Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL) schätzt, dass bundesweit etwa 40.000 Brummi-Stellplätze fehlen.
Rastanlage Regnitztal: Planungen sehen große Erweiterung vor
Weil das auch an den Rastanlagen Regnitztal so ist, brütet der Bund seit vielen Jahren über eine Verlagerung und Erweiterung. Erste konkrete Ausmaße erfahren die Eggolsheimer vor vier Jahren. Der jetzige Parkplatz auf der Westseite in Richtung Nürnberg soll den Plänen zufolge aufgegeben werden und in größeren Ausmaßen ein Stück nach Norden ziehen. 118 Stellflächen für Lkw sollen kommen, 110 für Pkw. Zusätzlich soll eine Tankanlage kommen und ein sogenanntes Überführungsbauwerk über die Autobahn den Zugang zur dann modernisierten Ostseite erlauben (weitere 10 Lkw-Flächen und 23 für Pkw in Fahrtrichtung Bamberg).
Fast 24 Millionen Euro waren für das Projekt einmal eingeplant, die Zahl stammt jedoch aus dem Jahr 2019. Demnach dürfte der Kostenrahmen mittlerweile um ein Vielfaches höher liegen. Wie hoch? Behält die Autobahn GmbH aktuell für sich.
IG „Lebenswertes Regnitztal“ stemmt sich gegen das Projekt
Von Beginn an regt sich Widerstand gegen die Riesenrastanlage mit einer Gesamtfläche von 12,5 Hektar. Beispiel Interessensgemeinschaft „Lebenswertes Regnitztal“: Sie wollten verhindern, dass fast sechs Hektar Fläche neu versiegelt werden sollen, dass es wieder lauter wird an der Autobahn und dass noch mehr Verkehr herrscht, sagt einer der Sprecher Johannes Maier.
Und damit ist die IG nicht allein, auch weite Teile des Eggolsheimer Gemeinderats und Bürgermeister Claus Schwarzmann wehren sich dagegen. Zumal es in Buttenheim einen Autohof gebe und bei Coburg eine große Anlage in Planung sei. Wenngleich selbst lokale Entscheidungsträger in diesem Fall nur zum Zuschauen verdammt seien, so Schwarzmann: „Wir können nichts machen, die Planungen übernehmen übergeordnete Behörden“, sagt er.
Sehenswert passiert ist in den vergangenen Jahren indes nichts. Daher hat sich Aufregung auch gelegt in den vergangenen Jahren.
Zukunft der Rastanlage – gute und schlechte Nachricht
Für die breite Gegnerschaft der geplanten Rastanlage gibt es nun eine gute und eine schlechte Nachricht. Zuerst die gute: Es wird weiterhin nichts Sehenswertes geschehen. Man wolle für die „Planfeststellung den Flächenbedarf der Anlage auf Grundlage des Ende 2020 genehmigten Vorentwurfs weiter optimieren“, schreibt ein Sprecher der Autobahn GmbH auf Anfrage von fraenkischertag.de „Um das Planfeststellungsverfahren auf eine rechtssichere Basis zu stellen, sind umfangreiche ökologische Erhebungen erforderlich, die aktuell vorbereitet werden“, heißt es weiter.
Von möglichen Alternativstandorten, wie vom Markt Eggolsheim vorgeschlagen, hält die Autobahn GmbH nichts. Schon 2022 schreibt eine Sprecherin: Es habe sich auf einem 24 Kilometer langen Streckenabschnitt zwischen Autobahnkreuz Bamberg und der Anschlussstelle Forchheim-Nord gezeigt, „dass der Standort südlich von Eggolsheim als geeignetster zu verfolgen ist.“
Auch die „kleine Lösung“, welche die Eggolsheimer von Bund und Freistaat seit Jahren als Alternative aufsagen, bleibt vom Tisch. „Statt einer riesigen, verbundenen Anlage könnte man die bestehenden Anlagen mit relativ einfachen Mitteln erweitern“, sagt Bürgermeister Claus Schwarzmann. Zwar würde das auch bislang grüne Flächen kosten, aber nicht so viele. „Und wir würden recht schnell eine Lösung für die Lkw-Fahrer schaffen und gleichzeitig nicht so viel von unserer Natur zerstören.“
Baubeginn steht noch nicht annähernd fest
Und jetzt? Das umstrittene Projekt wird zwar weiterhin auf der langen Bank parken. Aber das führt zur schlechten Nachricht aus Gegnersicht: „Das Projekt wird weiterverfolgt“, bestätigt der Autobahn-Sprecher. Dass in den vergangenen Jahren nichts geschehen ist, erklärt er mit den „hohen rechtlichen und materiellen Anforderungen an die Planung (nationales Recht und EU-Recht), Genehmigungsverfahren mit einer Vielzahl von Betroffenen (Private sowie Träger öffentlicher Belange) und Fachkräftemangel“.
Nach dem im März beschlossenen Sondervermögen, mit dem die Bundesregierung 500 Milliarden Euro in die Infrastruktur investieren will, könnte das Projekt wieder an Fahrt aufnehmen. Allerdings sei derzeit „keine belastbare Aussage“ möglich, wann das Planfeststellungsverfahren beantragt werden könne, schreibt der Autobahn-Sprecher. „Geschweige denn, wenn ein Baubeginn möglich wird.“



















