Die CSU wagt sich nach vorne. Zumindest ein kleines bisschen. Als erste Partei lüften die Christsozialen ihren Teil des aktuell im Landkreis Forchheim wohl am besten gehüteten Geheimnisses. Und zwar, wer dem amtierenden und 2026 auf eigenen Wunsch ausscheidenden Landrat Hermann Ulm nachfolgen könnte.
CSU im Kreis Forchheim nominiert drei Männer
Für viele unerwartet, selbst für die drei in Frage kommenden Herren, zieht CSU-Kreischef Michael Hofmann nach langem Zögern am vergangenen Freitagnachmittag (27. Juni) den Vorhang beiseite und präsentiert der staunenden Forchheimer Öffentlichkeit drei Namen: Torsten Gunselmann, Sebastian Götz und Oliver Flake. Viel ist gerätselt worden in den vergangenen Monaten, viele Namen leuchteten seither in Glaskugeln auf oder waberten durch das Stimmengewirr der Bierzelte. Diese drei standen wohl nicht ganz oben.
Wie eine kleine (anonyme) Umfrage ergibt, regen sich selbst innerhalb der Kreis-CSU in den Tagen danach noch Fragezeichen ob der Personalien, die der Basis da offenbart worden ist. Weil Hofmann seine CSU als „Mitmachpartei“ begreift, sollen die Delegierten (aus Ortsverbänden, Parteivorstand, Mandatsträgern und so weiter) am 19. Juli in der Lindelberghalle in Igensdorf schlussendlich über ihren Landratskandidaten entscheiden.
Bis dahin gelte es, so klingt es parteiintern aus einigen Ecken nach außen, erst einmal selbst die Kandidaten überhaupt beziehungsweise besser kennenzulernen.
Wer sind die drei CSU-Kandidaten?
Auch ambitionierte politische Beobachter tun sich anfangs schwer mit der Einordnung des Trios. Zwar lässt sich objektiv betrachtet keinem der drei eine potenzielle Eignung absprechen. Torsten Gunselmann (46) war sechs Jahre lang Bürgermeister in Hallerndorf und führt den dortigen CSU-Ortsverband. Der 38-jährige Sebastian Götz ist seit zwölf Jahren Stadtrat in Ebermannstadt, war bis 2020 Zweiter Bürgermeister und steht dem Kreisverband der Jungen Bürger vor. Weniger durch politische Erfahrung denn durch flächendeckende Vernetzung und Führungsstärke brilliert bislang Kreisbrandrat Oliver Flake (52).
„Es ist unser Anspruch, dass wir den Menschen eine Persönlichkeit präsentieren, die Vertrauen genießt, alle Teile der Bevölkerung anspricht und aufgrund der Lebenserfahrung in der Lage ist, ein großes Amt wie das Landratsamt zu führen. Das bringen die vorgestellten Kandidaten mit“, schreibt Michael Hofmann über die drei Herren. Und doch hätte es sicherlich noch andere Namen im Landkreis gegeben, die das ebenfalls erfüllen. Und ein Fünkchen mehr Popularität in der Breite mitbringen.
CSU will Amt nach dann zwölf Jahren behalten
Für die CSU steht viel auf dem Spiel. Seit Otto Ammon das Amt 1996 an Reinhardt Glauber von den Freien Wählern abgeben musste, hat es fast 20 Jahre lang keinen originären CSU-Mann mehr an der Spitze des Landratsamtes gegeben. Selbst Hermann Ulm, der seit 2014 für die CSU im Amt ist, hat sein Parteibuch erst seit der 14er-Wahl, vorher war er parteilos. Im Laufe der Jahre wurde Ulm für die CSU dann zur sicheren Bank; der sympathische Kunreuther funktionierte stets geräuschlos und skandalfrei.
Amtsinhaber Hermann Ulm wird nicht wieder antreten
Dann der Paukenschlag: Ulm kündigt im Herbst 2024 an, nicht wieder kandidieren zu wollen. Nun haben es die Christsozialen in den vergangenen Jahren verpasst, einen neuen Landrat (oder gar eine neue Landrätin) als Nachfolger aufzubauen und zu formen. Einfach, weil sie es eigentlich nicht mussten, Ulm hätte mit seinen aktuell 48 Jahren noch lange weitermachen können. Und sollen. Stünde er im März 2026 auf dem Wahlzettel, wären seine Chancen sehr hoch, wieder zu gewinnen.
Auch verhältnismäßig großen Politnamen wie Heroldsbachs Bürgermeister Benedikt Graf von Bentzel oder Neunkirchens Bürgermeister Martin Walz räumen Beobachter gute Chancen ein, Ulms Erbe fortzuführen. Respektive hätte sie ihnen eingeräumt. Ob Walz und Bentzel nicht wollten oder sollten, dringt nicht an die Öffentlichkeit.
Aber die Vermutung liegt nahe, dass beide ihrer ersten (durchaus erfolgreichen) Amtszeit in ihren jeweiligen Rathäusern lieber eine zweite anhängen wollen, als im schlimmsten Fall einen Landratswahlkampf zu verlieren. Selbiges gilt für Forchheims CSU-Chef Michael Hofmann, der erst vor einem Jahr zum Parlamentarischen Geschäftsführer seiner Fraktion im Bayerischen Landtag aufgestiegen ist.
Strategie kann schiefgehen - oder genau aufgehen
Nun sollen es stattdessen also ein ehemaliger Bürgermeister, ein ehemaliger Zweiter Bürgermeister und ein Polit-Neuling richten. Diese Strategie kann schiefgehen und der CSU ihren über Jahre als sichere Bank geglaubten Schlüssel fürs Chefzimmer im Landratsamt kosten. Dass keine einzige Frau unter den Finalisten ist, könnte überdies wenigstens außerhalb der Kernklientel der CSU einigen sauer aufstoßen und deren Wahlentscheidung zu Ungunsten der CSU beeinflussen.
Aber die Underdog-Strategie könnte gutgehen: Auch Ulm hatten 2014 außerhalb von Kunreuth nur die wenigsten auf dem Zettel. Plötzlich war er da. Hinzu kommt: Zwar verspricht die Wahl im kommenden Frühjahr so viele Kandidaten wie noch nie, aber auch die mitwerbenden Parteien und Gruppierungen tun sich schwer mit dem Benennen ihrer Leuchtfiguren. Die einen sondieren und sondieren, die anderen wagen sich noch nicht aus der Deckung. Statt ein „Jetzt packen wir es an“ tragen sie auf diese Weise mit jedem weiteren Tag nur das Signal ansteigender Ratlosigkeit in die Wählerschaft.
Freie Wähler hätten gute Chancen, theoretisch
Dabei hätten vor allem die Freien Wähler noch mit einigen hochkarätigen Personalien wie Umweltminister Thorsten Glauber oder Ebermannstadts Bürgermeisterin Christiane Meyer reelle Chancen. Dass einer dieser Namen auf dem Zettel landen wird, glauben indes die wenigsten. Auch Kreis-Vorsitzender Manfred Hümmer ist raus, er will Forchheims neuer OB werden. Und sonst? Fragezeichen.
So verspricht das Rennen um den Landratsposten zwar mehr Dynamik als noch 2020. Ein Popularitätswettkampf steht indes nicht zu erwarten. Dies wiederum könnte der CSU mit ihrer aktuellen Strategie zupasskommen; immerhin muss sie in diesem Fall dank ihres Amtsinhaber-Bonus nur so hoch springen wie notwendig.















