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Bildungsgerechtigkeit stärken
Startchancen: Wofür Forchheims Schulen Millionen bekommen
Michael Doppernas lehrt an der Staatlichen Berufsschule Forchheim. Ab dem nächsten Schuljahr kann sich seine Einrichtung über Millionengelder freuen - durch das Startchancen-Programm.
Michael Doppernas lehrt an der Staatlichen Berufsschule Forchheim. Ab dem nächsten Schuljahr kann sich seine Einrichtung über Millionengelder freuen - durch das Startchancen-Programm. // Foto: Stephan Großmann
Forchheim – Bildungsoffensive mit Millionenetat in Forchheim wird ausgeweitet. Das Startchancen-Programm zielt auf bessere Lernumgebungen und mehr gerechtere Bedingungen ab. Doch ist alles Gold, was glänzt?

Michael Doppernas läuft halbwegs entspannt über den Schulhof des Staatlichen Berufsschulzentrums Forchheim (BSZ). Er weiß schon einige seiner Schülerinnen und Schüler für den kommenden Herbst in einer Ausbildung untergebracht. Das ist nicht selbstverständlich, er unterrichtet Jugendliche aus dem gesamten Landkreis, die aus verschiedenen Gründen keinen Schulabschluss absolviert oder in jungen Jahren bereits eine Ausbildung abgebrochen haben. In der Berufsvorbereitungsklasse von Doppernas erhalten sie eine zweite Chance.

Chancen geben, Chancen bekommen. Darum gehe es im Kern, sagt Elisabeth Bräunig, Leiterin des BSZ. Dass ihre Schule nun für das Startchancen-Programm ausgewählt worden ist, freut sie daher besonders. „Wir müssen nun gut und realistisch mit den finanziellen Zuwendungen planen. Das Gute an dem Programm ist, dass wir uns selbst überlegen können, was wir damit anfangen“, sagt Bräunig. Immerhin könnten insgesamt mehr als zwei Millionen für ihre Schule herausspringen.

Elisabeth Bräunig, Schulleiterin Berufliches Schulzentrum Forchheim
Elisabeth Bräunig, Schulleiterin Berufliches Schulzentrum Forchheim // Foto: Stephan Großmann

Startchancen-Programm: Bis zu zwölf Millionen für Forchheims Schulen

„Mit dem Programm wollen Bund und Länder die Bildungs- und Chancengerechtigkeit in Deutschland stärken und den Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg nachhaltig verringern“, so vermeldet es das Bayerische Kultusministerium. Gesamtinvest über einen Zeitraum von zehn Jahren: 20 Milliarden Euro.

Insgesamt 580 Schulen in Bayern (deutschlandweit bis zu 4000) werden ab dem kommenden Schuljahr 2025/26 in das Startchancen-Programm aufgenommen. Aufgeteilt wird das Geld in drei Säulen. „Im Rahmen der Säule I können Schulaufwandsträger Investitionen in eine zeitgemäße und förderliche Lernumgebung tätigen und erhalten dabei eine Bundesförderung von 70 Prozent“, schreibt ein Sprecher des Kultusministeriums auf Anfrage. Die restlichen 30 Prozent muss die jeweilige Kommune beziehungsweise der Landkreis schultern.

580 Schulen sind bayernweit dabei, aus Forchheim: die Adalbert-Stifter-Schule (Grund- und Mittelschule), die Martin-Grundschule, die Ritter-von-Traitteur-Mittelschule und die Staatliche Berufsschule.
580 Schulen sind bayernweit dabei, aus Forchheim: die Adalbert-Stifter-Schule (Grund- und Mittelschule), die Martin-Grundschule, die Ritter-von-Traitteur-Mittelschule und die Staatliche Berufsschule. // Foto: Stephan Großmann

Wie viel Geld genau die einzelnen Schulen erhalten, sei noch nicht final geklärt. „Im Schnitt stehen in der Säule I pro Schule bis zu 830.000 Euro über einen Zeitraum von zehn Jahren zur Verfügung“, heißt es weiter. Die Säule II umfasst Chancenbudgets für bedarfsgerechte Lösungen in der Schul- und Unterrichtsentwicklung und Säule III soll für neues Personal zur Stärkung multiprofessioneller Teams genutzt werden (circa 80.000 Euro pro Säule und Schuljahr).

Welche Schulen in Forchheim dabei sind – und warum

Welche Schulen dabei sind, wurde anhand eines bayerischen Sozialindex ermittelt. Darin spielen Indikatoren wie Kinderarmutsquote, Anteil der Beschäftigten über der Beitragsbemessungsgrenze, Anteil der Kinder mit nichtdeutscher Familiensprache und so weiter berücksichtigt. Neben dem BSZ sind noch die Martin-Grundschule, die Ritter-von-Traitteur-Mittelschule sowie die Mittelschule der Adalbert-Stifter-Schule (Ast-Schule) aufgenommen worden. Deren Grundschule ist bereits seit einem Jahr dabei, sie wurde als eine von 100 bayerischen Pilotschulen ausgewählt.

Martin Horns anfängliche Euphorie hatte sich damals schnell gelegt. Er ist der Schulleiter beider Ast-Schulen und den ab Herbst fast 500 Schülerinnen und Schülern. „Der Start verlief holprig, es dauerte lange, bis wir erste Gelder abrufen konnten“, sagt Horn. Mittlerweile, nach fast einem Jahr, laufe es an und er habe bereits erste Gelder abrufen können. Zumindest was die Unterstützung von externen Kräften und die Weiterentwicklung des Schulprofils anbelangt. „Aus der Bausäule I haben wir noch nichts abrufen können; das ist bei uns aber glücklicherweise nicht allzu dringend nötig“, so Horn.

Martin-Grundschule: Warten auf die dringend notwendige Sanierung

Anders in der Forchheimer Altstadt, Wallstraße 17. Die Martin-Grundschule benötigt dringend eine Generalsanierung. Wegen der Haushaltsprobleme der Stadt Forchheim ist die aktuell aber trotz bereits begonnener Planungen nicht absehbar. Nun muss Schulleiterin Kerstin Friedrich genau überlegen, was sie baulich angeht; das im Zweifel dann bei einer Sanierung nicht wieder abgerissen werden muss. „Wir führen bereits gute Gespräche mit der Stadt Forchheim und sind zuversichtlich, eine gute Lösung zu finden“, sagt Friedrich.

Sie ist glücklich, dass ihre Grundschule dabei ist, denn auch die 1,6 Millionen aus den anderen beiden Säulen kann sie gut gebrauchen. Fast 300 Kinder lernen dort, verteilt auf 15 Klassen. „Die Kinder kommen aus unterschiedlichsten Elternhäusern“, so Friedrich. So seien allein schon 15 verschiedene Nationen vertreten.

„Das ist viel Geld für uns. Nun müssen wir sorgfältig planen, was wir damit anstellen“, sagt sie. Ideen gebe es viele, weil es auch viele Bedarfe gibt. Dass sie schnell die Gelder einsetzen könne, glaubt Friedrich indes nicht. „Im ersten Halbjahr werden wir den Ist-Stand erheben, im zweiten Halbjahr können wir dann an die Ziele ran.“

Kirschstein: „Andere (freiwillige) Projekte werden das Nachsehen haben“

Eine gute Nachricht ist die Ausweitung des Startchancen-Programms in Forchheim auch für Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD). „Es zeigt, dass Bedarf da ist und dass dieser erkannt wird“, sagt er.

Dass auf die Stadt damit auch Mehrkosten zukommen könnten, sei ihm und dem Stadtrat bewusst (weil die Sachaufwandsträger 30 Prozent in Säule I übernehmen müssen). „Aber die Schulen hatten bei uns bislang fraktionsübergreifend Priorität; und das wird auch hoffentlich so bleiben.“ Das gelte auch jetzt mit geänderten haushalterischen Vorzeichen. „Zur Wahrheit gehört auch, dass andere (freiwillige) Projekte im Gegenzug das Nachsehen haben werden“, so Kirschstein.

Wie es am BSZ jetzt weitergehen könnte

Auch Elisabeth Bräunig von der Berufsschule und ihr Lehrerkollege Michael Doppernas haben schon viele Ideen für das winkende Geld. Schon allein baulich. „Wir haben zu wenig Räume, zahlreiche Schüler müssen schon in unseren acht Containern unterrichtet werden“, sagt Bräunig. An ihren (Berufs-)Schulen würden die Jugendlichen unterstützt, sich trotz vieler Widrigkeiten in den Arbeitsmarkt zu integrieren. „Endlich eine richtige Chance zu bekommen“. Mit den Geldern aus dem Startchancen-Programm könnte sich die noch einmal erhöhen.

 

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