Während die letzten Bierbänke am Stadel aufgebaut werden, mäht der Chef höchstselbst den Rasen. Es soll alles glänzen und gemütlich sein, schließlich wird man nur einmal 60. Um Georg Rittmayer herum herrscht an diesem hitzerekordverdächtigen Tag reges Treiben, wie immer eigentlich. Der Azubi flitzt mit dem Hubwagen um die Ecke, einer seiner Braumeister kündet von der neuen Malzlieferung, große Lastwagen tauschen leere Kästen gegen volle aus und fahren zurück in alle Welt. Ein ganz normaler Tag in einer der größten Brauereien in der Region.
Rittmayer Hallerndorf: Brauerei, Lohnbrauerei, Lohnabfüller
Es gibt im Landkreis Forchheim und weit darüber hinaus kaum einen, der nicht schon einmal mindestens ein Produkt aus dem Hause Rittmayer getrunken hat. Das liegt zum einen daran, dass der am 3. Juli seinen 60. Geburtstag feiernde Brauereichef in Hallerndorf alleine 19 eigene Biersorten herstellt. Und dass er für sieben Brauereien als Lohnbrauer tätig ist, also deren Bier für sie in seinen Anlagen produziert.
Insgesamt verlassen Rittmayers Brauerei jährlich etwa 30.000 Hektoliter seiner eigenen Biere und zusätzlich noch einmal fast 100.000 Hektoliter aus Lohnbrauerei und Fremdabfüllung. Denn Rittmayer braut nicht nur eigene und fremde Biere, in seiner vor 25 Jahren errichteten Abfüllanlage landen Getränke von 36 weiteren Brauereien aus ganz Deutschland in verschiedenen Kronkorken- und sogar Bügelflaschen. Und seit 2023 werden bei Rittmayer auch Dosen von 0,33 Liter bis zu einem Liter Inhalt befüllt.
Georg Rittmayer: „Innovation und Tradition“
„Innovation und Tradition“, so lautet Rittmayers Credo. Der Betrieb gehört zu den ältesten Familienbrauereien Deutschlands (1422 wurde der Familie Rittmayer das Braurecht vom Markgrafen Friedrich IV. von Kulmbach-Ansbach verliehen), doch vor allem Rittmayer hat in den vergangenen Jahrzehnten viel bewegt. Richtig groß geworden ist das Unternehmen jedoch erst mit dem Einstieg Georg Rittmayers. „Mein Traum war schon als Jugendlicher immer eine große Brauerei“, sagt er rückblickend. Richtig groß war sie damals mit ihren 800 Hektolitern Jahresausstoß Anfang der 1980er-Jahre nicht. Doch dann trat Georg Rittmayer auf den Plan.
Wie sich Rittmayer zum Brauereichef aufgeschwungen hat
Geboren wurde er am 3. Juli 1965 in Bamberg, doch nach eigener Aussage wuchs er „in der Brauerei in Hallerndorf“ auf. Schon als Junge half er mit, wenn sein Großvater braute. „Mein Großvater hatte mir mit 13 Jahren das Brauen beigebracht, mit 15 habe ich dann meinen ersten eigenen Sud gebraut“, erzählt er. Mit 15 Jahren fängt er dann seine Lehre an, acht Jahre später dann seine Meisterprüfung. Ein einschneidendes Erlebnis.
„Ich musste ein Weißbier machen in der Prüfung“, erzählt Rittmayer. „Das wollte ich dann auch in der heimischen Brauerei machen. Das war 1988. Aber weder mein Opa noch mein Vater waren begeistert. Aber ich habe mich durchgesetzt“, sagt er und schmunzelt. Das „Erste Hallerndorfer Hefeweizen“ wurde ein voller Erfolg, der Ausstoß der Brauerei verdreifachte sich in nur einem Jahr. Und sie wächst immer weiter. 1994 wird ein neues Sudhaus gebaut, ein Jahr später landet Rittmayer den nächsten Coup, indem er die Bügelverschlussflasche einführt.
Der Ausstoß ist mittlerweile auf einen fünfstelligen Betrag angewachsen, außerdem beginnt Rittmayer mit der Lohnfüllerei. „Dann war schnell klar, dass wir im Ortskern keinen Platz mehr haben. Zwar wurde die Füllerei 1999 noch am alten Standort umgebaut, nicht einmal ein Jahr später aber, am 23. März 2000, ging die neue Abfüllanlage am heutigen Standort in Betrieb.
Im Laufe der Jahre kommen noch weitere Innovationen hinzu, vor allem in Richtung einer umweltfreundlichen Produktion (Stickstoffgewinnungsanlage, Wasserkraftanlage, eigene Kläranlage, PV-Anlage). Und: Seit dem Umzug 2013 zur Abfüllanlage an die Mark hat Rittmayer sein kleines Bier-Imperium wieder an einem Ort vereint.
Brauerei Rittmayer: Innovationen gehen weiter
Heute beschäftigt er 52 Mitarbeitende und alleine acht Braumeister. „Ich selbst komme leider kaum noch zum Brauen“, sagt er. „Aber ich höre noch immer, selbst vom Büro aus, wenn etwas an einer Maschine nicht stimmt.“ Er lacht. Auch weil er sich das Experimentieren und Kreieren von neuen Sorten niemals nehmen lassen würde. „Aktuell habe ich schon wieder drei neue in der Schublade.“
Alkoholfreie Biere für alle dank neuer Anlage
Die neueste Idee: den wachsenden Durst nach antialkoholischen Bieren stillen. Im vergangenen Jahr war schon jeder fünfte seiner Liter alkoholfrei, Tendenz steigend. Seit vier Jahren braut er daher schon sein alkoholfreies Kellerbild, vor zwei Monaten kam noch ein Helles hinzu. „Die Brauerszene hat es nicht leicht im Moment“, so Rittmayer. Steigende Kosten, sinkender Bierabsatz, dazu würden die großen Industriebrauereien auch aus Franken den Markt mit Dumping-Preisen fluten. „Wir müssen uns daher stets neu erfinden.“
Rittmayer, zugleich seit 2018 Präsident des Vereins Private Brauereien in Bayern, will da mit bestem Beispiel vorangehen.
So experimentiert er gerade dem alkoholabgewandten Trend folgend mit einer Entalkoholisierungsanlage. Das ist eine technische Vorrichtung, die Alkohol aus alkoholhaltigen Getränken entfernt. Um den Alkohol bei weitgehend gleichbleibenden sensorischen Eigenschaften zu reduzieren, wird das Getränk entweder im Vakuum erwärmt. Oder es wird durch eine sogenannte semipermeable Membran geleitet, die Alkohol durchlässt, andere Bestandteile des Getränks aber zurückhält.
Auf diese Weise soll es ihm künftig möglich sein, auch für die kleinen und mittleren Brauereien in der Gegend alkoholfreies Bier herzustellen. Für ihn, dem laut eigener Aussage „Bier statt Blut in den Adern fließt“, anfangs noch eine bittere Erkenntnis. „Aber wir schaffen es immer besser, dass der biereigene Geschmack erhalten bleibt, auch ohne den Alkohol.“
Zukunft der Familienbrauerei gesichert
Nun, mit 60, denkt er indes längst nicht ans Aufhören. Die Zukunft des mehr als 600 Jahren alten Betriebs ist zwar gesichert. 2014 ist Rittmayers Neffe Simon Friedrich als Mitinhaber und Prokurist eingestiegen, auch Rittmayers Kinder bereiten sich mit ihren Berufsausbildungen bereits vor beziehungsweise helfen schon tatkräftig mit. So er wie er selbst damals würden auch sein Sohn und seine Tochter früh ins Business eintauchen.
Aber jetzt wird erst einmal gefeiert. Gemeinsam mit seiner Belegschaft, seiner Familie und seinen Freunden soll es hoch hergehen, sowohl mit klassischem Bier als auch dem alkoholfreiem. Und wo? „Selbstverständlich hier bei uns an der Brauerei.“




















