Georg Kugler schließt kurz die Augen und genießt das Rauschen des einschießenden Wasser, welches das geschrotete Malz in den Maischebottich befördert. Augen auf, mit seligem Blick lugt er in den großen Kessel. Denn endlich läuft sie wieder, die Anlage. Endlich, zwei Jahre nach dem verheerenden Brand, kann der 47-jährige Thuisbrunner in seiner Elch-Bräu wieder loslegen. Der erste Sud an diesem verregneten Maimittwoch ist auch sogleich etwas Besonderes: das erste Annafest-Elchbier.
28. Mai 2025, ein emotionaler Tag in der Elch-Bräu Thuisbrunn
„Heute ist ein sehr emotionaler Tag für uns“, sagt Kugler. „Weil wir heute das erste Mal wieder selbst unser Bier einbrauen können.“ Gemeinsam mit seinem Brauer Marcel Gath nimmt Kugler die letzten Feineinstellungen vor, denn ab sofort soll die Produktion wieder richtig anlaufen. Bis zu sechs Sude können künftig am Tag entstehen, aus denen er bis 150 Hektoliter Bier kreieren kann. Doch in den ersten Tagen wolle sich Kugler erst einmal wieder langsam rantasten.
Was könnte da besser als Premierenbier fungieren als ein Annafestbier? Vor knapp einer Woche war bekannt geworden, dass Kugler heuer den Schäff Keller bewirten wird. Cocktails wird es geben, gemischt mit den Produkten aus der hauseigenen Brennerei in Thuisbrunn, etwa dem beliebten Gin. Auch einen eigenen Whisky soll es geben. Und, natürlich: ein Festbier.
Erster Sud nach Brand wird das Annafestbier für den Schäff Keller
Aus dem allerersten Sud, den die frisch herausgeputzte und generalüberholte Anlage produziert, sollen 30 Hektoliter Festbier entstehen. „Ein goldgelbes Bier mit schöner Hopfennote“, wie der diplomierte Braumeister Marcel Gath konkretisiert. Nach und nach werden die weiteren Biere aus der Produktpalette folgen, etwa das Dunkle, das Pils, das Weizen und das Kellerbier „Nix Amore“. In knapp vier Wochen soll dann erste, endlich wieder in Thuisbrunn gebraute Bier erhältlich sein, sagt Kugler.
Doch bis dahin müssen die Elch-Fans, wie bisher auch, nicht auf dem Trockenen bleiben. Seit Kugler die Produktion nach dem Brand am 14. Februar 2023 einstellen musste, hatte er seine Rezepte von der Brauerei Rittmayer in Hallerndorf in Bier umsetzen und abfüllen lassen. Damit könne nun Schluss sein, so Kugler, die Brauanlage ist wieder in Betrieb. Bald, so sagt er, wolle er auch wieder kleinere Fässer für Privatleute von der Brauerei aus verkaufen. Einzig die Flaschenabfüllung finde weiterhin in Hallerndorf statt, sagt er.
Brand legte Brauerei für mehr als zwei Jahre lahm
Den 14. Februar 2023 wird der Vollblutgastronom und Brauer nie vergessen. Er selbst hatte das Feuer entdeckt und die Feuerwehr gerufen. Einen Kabelbrand im Schaltraum hatte das Schadensgutachten später als Ursache ergeben, daraufhin war der Dachstuhl ausgebrannt. Die Versicherung sprang glücklicherweise ein, zudem sprangen den Kuglers Freunde und Bekannte zur Seite, aber dennoch bezeichnet er die beiden vergangenen Jahre als schwerste seines Lebens.
Zwar sind die Tanks im Sudhaus (im Erdgeschoss der umgebauten Scheune) damals nicht beschädigt worden, wohl aber die Verkabelung der komplexen Anlage. Diese ist mittlerweile komplett erneuert, auch die Sanierung und der Ausbau des hinteren Teils der Scheune, der hauptsächlich als Lager diente und dienen soll, ist beinahe abgeschlossen. Kugler nutzt die notwendig gewordenen Arbeiten gleich für eine Modernisierung und Erweiterung. So soll auch der komplett wiederaufgebaute Dachstuhl ein 180 Quadratmeter großes Trockenlager werden.
Georg Kugler will Elch-Bräu langfristig erweitern
Und Kugler hat weitere Ambitionen. „Wir wollen noch wachsen“, sagt der 1977 geborene Braumeister, der sein Handwerk einst bei der Brauerei Lindenbräu in Gräfenberg gelernt hatte. Nachdem er 2002 den Gasthof Seitz übernommen und 2007 die Brauerei reaktiviert hatte, modernisierte er 2013 noch die ursprüngliche Brennerei mit einer der größten Brennblasen (1000 Liter) des Landes, wie er sagt. Wenn alles klappt, will Kugler noch in diesem Herbst sein Portfolio mit einer Elch-Geist-Linie erweitern.
Den Namen Elch-Bräu verdankt sein Unternehmen übrigens einem echten Elch, Bruno. Kuglers Patenonkel hatte das Tier 1986 in Kanada geschossen, seither hängt der Elchkopf in der Gaststube des Gasthofs Seitz. Und Bruno stand Pate für das moderne Logo sowie für animierte Elchfiguren auf den Speisekarten und der Website.
Erst 2022 hatte Kugler das Sudhaus in Thuisbrunn erweitert, neben den sechs großen Lagertanks auf dem Hof gibt es noch zwei weitere im Inneren. „Unsere Lagerkapazitäten haben uns nach dem Brand geholfen, über die Runden zu kommen. Vor allem, was die Spirituosen betroffen hat, denn unser Bier mussten wir relativ schnell abverkaufen.“ Nun gehören die großen Tanks zur Zukunftsstrategie, genauso wie die 100 KW starke Photovoltaikanlage auf dem Dach, wovon er 75 Prozent direkt für den Betrieb verbraucht.
Söhne könnten ins Familiengeschäft einsteigen
Kugler selbst hat mit seinen 47 Jahren noch einige Jahrzehnte vor sich; doch auch für die Zeit danach sieht er seine Herzensunternehmung, seine Elch-Bräu gut aufgestellt. Einer seiner drei Söhne will vielleicht Brauer werden, ein anderer Touristiker; gute Voraussetzungen für einen Familienbetrieb am Fünf-Seidla-Steig.
Gibt es die Elch-Bräu-Flaschen aktuell vor allem im Nürnberger und Erlanger Raum sowie in einigen Gaststätten in der Region, will Kugler auch im Landkreis Forchheim in weitere Getränkemärkte und auf Speisekarten einziehen. Ein Anfang ist gemacht, denn ab dem 25. Juli wird es sein Festbier auf dem Forchheimer Annafest geben. Und, so Kugler, wenn alles klappt und es gut angenommen wird, könnte er sich auch vorstellen, häufiger in den Kellerwald zu kommen.

















