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Wenn das Leergut fehlt
Pfanderhöhung: Lösung für fränkische Brauereien?
Brauereichef Georg RittmayerForchheim & Fränkische Schweiz
Brauereichef Georg Rittmayer setzt sich schon länger für höhere Pfandsätze ein. // Matthias Hoch, Archiv
Forchheim – Fehlendes Leergut stellt auch die Brauereien in der Region immer wieder vor Herausforderungen. Könnte höheres Pfand helfen? Das sagen Brauereien aus Forchheim und Umgebung.

Die Kästen verstauben bei Oma im Keller, Flaschen werden als Aschenbecher benutzt oder finden ihren Weg erst nach langer Zeit wieder zurück – eine Herausforderung für die Brauereien, auch hier in der Region. Denn wenn Pfandflaschen gar nicht, beschädigt oder erst nach langer Zeit zurückgegeben werden, fehlen sie im Mehrwegkreislauf und damit auch bei den Brauereien. Dadurch werden leere Bierflaschen gerade in den Sommermonaten oft zu einem knappen Gut.

„Im Sommer, besonders wenn die Urlaubszeit beginnt, stehen die Kisten in den Garagen herum und wir könnten sie brauchen“, bestätigt Georg Rittmayer, Chef der Hallerndorfer Traditionsbrauerei Rittmayer. Neue Flaschen und Kästen seien hingegen teuer für die Brauereien. Eine Leerkiste koste fünf Euro netto, eine Flasche zwischen 16 und 20 Cent im Einkauf. 

Alkoholfreies Bier RittmayerForchheim & Fränkische Schweiz
Bierkästen und Flaschen brauchen oft lange, bis sie wieder ihren Weg zurück zur Brauerei finden. // Katharina Steinhäuser

Fränkische Brauereien fordern höheres Pfand

Die Lösung für dieses Problem liegt für Rittmayer auf der Hand: Das Pfand müsste erhöht werden. Das Nachbarland Österreich hat es vor Kurzem vorgemacht. Seit Februar wurde das Flaschenpfand von neun auf 20 Cent erhöht. In Deutschland liegt der Pfandbetrag bei einer herkömmlichen Bierflasche bei acht Cent. Dieser Wert wurde seit Jahrzehnten nicht verändert.

Auf einem Bierkasten sind in Österreich seit Februar drei Euro Pfand, doppelt so viel wie in Deutschland. Ziel der Erhöhung ist es, die Kunden dazu zu bewegen, Pfand häufiger und schneller zurückzubringen.

Rittmayer kämpft seit acht Jahren für höhere Pfandsätze. Wenn es nach dem Brauereichef ginge, sollte das Pfand für eine Kiste auf sechs Euro angehoben werden, der Pfandsatz bei den Flaschen solle zunächst gleich bleiben. Dass höheres Pfand die Kunden verschrecken würde, darüber macht er sich keine Sorgen. Die Verbraucher würden eine Erhöhung aus seiner Sicht akzeptieren.

Pfanderhöhung: Österreich macht es vor

Vor allem für die mittelständischen Brauereien brauche es eine passende Lösung, betont Rittmayer. Einfach das Pfand hochzusetzen, sei nämlich keine gute Idee. Die Brauereien müssten sonst schlagartig hohe Rückstellungen für Pfandrückzahlungen bilden, was sich stark negativ auf die Bücher der Unternehmen auswirken würde. Stattdessen seien entsprechende Absprachen und Schonfristen nötig – ähnlich wie in Österreich.

Auch Barbara Friedmann-Merkel, Geschäftsführerin der Brauerei Friedmann in Gräfenberg, hat zum Thema Pfand eine klare Meinung: „Der Pfandsatz ist viel zu niedrig.“ Mit jedem Kasten, der nicht zurückkomme, zahle die Brauerei drauf. Aus ihrer Sicht müsse der Pfandsatz für einen Kasten Bier mit Flaschen mindestens zehn Euro betragen. Das sei ein Ansporn, die Kästen schneller zurückzubringen. „Auf Einwegplastik sind 25 Cent, auf Bierflaschen nur acht, das ist unverständlich“, erklärt Friedmann-Merkel. Eine Bierflasche könne oft 20 oder 30 Jahre wiederverwendet werden, „aber die Flasche muss halt wieder zurück.“ 

Malz gehört zu den Grundzutaten für Barbara Friedmanns Bier.
Barbara Friedmann-Merkel, Braumeisterin bei der Brauerei Friedmann in Gräfenberg. // Moritz Sonntag (BR, megaherz gmbh)

Beschädigte Kästen und Flaschen als Problem

Doch nicht nur fehlendes Leergut ist ein Problem für die Brauerei. Teilweise kämen Kästen und Flaschen zwar zurück, seien aus verschiedenen Gründen aber unbrauchbar. „Wir hatten schon mal eine Flasche, die als Aschenbecher benutzt wurde, die war bis zu Hälfte voll“, erzählt Friedmann-Merkel. Manchmal würden auch die Kronkorken in die Flasche hineingedrückt. Diese würden sich bei der Reinigung nicht entfernen lassen. „Wenn das Pfand höher ist, hätten Leute vielleicht anderes Gefühl“, überlegt die Brauereichefin. 

Österreich habe es vorgemacht, dass eine Umstellung möglich sei. In Deutschland werde hingegen ein riesiges Drama daraus gemacht. Eine Hürde, warum es in Sachen Pfanderhöhung nicht vorangehe, seien die Großbrauereien, da sind sich Rittmayer und Friedmann-Merkel einig. Diese seien eher gegen ein Anheben der Pfandsätze. 

Im Gegensatz zu größeren Brauereien haben kleine und mittelständische Unternehmen noch mit einem anderen Problem in Sachen Leergut zu kämpfen. Oft würden Besucher hier in der Region fränkisches Bier kaufen und die Kästen dann bei sich zu Hause in Köln oder Berlin abgegeben, erklärt Rittmayer. Viele Supermärkte würden die Kästen aus Kulanz annehmen und die Kunden würden ihr Pfand wieder erhalten. Der Kasten finde aber nie wieder seinen Weg zurück zur Brauerei, da kleinere und mittelständische Unternehmen in der Regel kein so weit verbreitetes System für die Rückführung hätten. Stattdessen werde der Kasten geschreddert. 

Leergutmangel: Alternative Lösungsansätze

Wirklich große Hoffnung auf eine baldige Änderung beim Thema Pfand macht sich keiner der beiden Brauereichefs. Stattdessen versucht man, sich mit anderen Lösungen zu helfen. Einzelne kleinere Brauereien, die ihr Bier nur selbst oder über einen einzelnen Markt verkaufen, hätten bereits ein höheres Kastenpfand festgelegt, erzählt Friedmann-Merkel. Für die Brauerei Friedmann sei das allerdings keine Option. „Wir beliefern mehrere Märkte und die würden da nicht mitziehen.“ 

Bei der Brauerei Rittmayer wird gerade an einer Möglichkeit getüftelt, das Kastenpfand selbst festzulegen. Eine Möglichkeit sei, ein anderes Gebinde zu verwenden, erklärt Georg Rittmayer. So könnte beispielsweise eine Kiste mit zehn Flaschen den klassischen 20er-Kasten ablösen. „Dann habe ich die Möglichkeit, dass ich für den leeren Kasten einen höheren Pfandsatz bestimmen kann“, erklärt Rittmayer. Dieser höhere Pfandsatz sei denkbar, weil in diesem Fall ein neues Gebinde in den Markt kommen würde. Im kommenden Jahr will die Brauerei damit einen Versuch starten. 

 

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