Der eine gibt etwas mehr hinzu, die andere weniger. Beim einen landet der Hopfen schon beim Sieden im Bottich, beim anderen erst später. Eins aber eint (die allermeisten) Brauer zumindest in Deutschland: Ohne Hopfen geht es nicht. Nach mageren Erntejahren ist davon mittlerweile genügend vorhanden. Zu viel sogar. Hat das Auswirkungen auf die Brauereien in unserer Region?
Oberfranken und in der Welt – weniger Brauereien, weniger Bier
Oberfranken gilt weltweit als das Bier-Mekka schlechthin, allein im Landkreis Forchheim gibt es etliche Brauereien, in Forchheim selbst schon drei. Allerdings erlebt die Branche seit Jahren Dämpfer. So stark, dass in den vergangenen fünf Jahren fast 100 Betriebe deutschlandweit aufgeben mussten, wie der Deutsche Brauer-Bund (DBB) mitteilt. 50 allein in Bayern. Damit habe sich ein langjähriger Trend von Neugründungen umgekehrt, der vor allem durch den weltweiten Hype um Craftbier entstanden ist.
Energiepreise und Rohstoffpreise steigen seit Jahren
Die Problemlagen sind vielfältig, etwa die gestiegenen Energiepreise spätestens seit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. „Zudem geht der Bierkonsum insgesamt stark zurück“, sagt Braumeister Rafael Thiermeyer. Das spüre er auch in der Forchheimer Nederbrauerei. Darüber beschäftigen die Brauer seit Jahren steigende Preise für Etiketten, Kronkorken, Neuglas sowie Rohstoffe wie Malz und Hopfen.
Immerhin Letzterer scheint sich – aus Sicht der Brauereien – aktuell mindestens eingependelt zu haben, sinkt sogar. Laut Verband Deutscher Hopfenpflanzer seien die Preise teils drastisch gesunken und sinken weiter. Das liegt daran, dass derzeit zu viel Hopfen auf dem Markt ist. Das wiederum führt dazu, dass nicht wenige der Landwirte bereits große Flächen roden, um die Preise nicht existenzgefährdend weiter sinken zu lassen.
Zu viel billiger Hopfen am Markt: Was heißt das für die Brauereien?
Billiger Hopfen im Überfluss – was aber heißt das für die hiesigen Brauereien? „Für uns Brauer ist das im Prinzip eine gute Nachricht“, sagt David Hertl von der Braumanufaktur Hertl aus Schlüsselfeld. Der experimentierfreudige Jungbrauer braucht generell viel Hopfen, sicher mehr als manch alteingesessene Kollegen mit eher klassischem Biersortiment. „So viel Hopfen können aber selbst wir aktuell gar nicht verbrauen“, sagt er.
Großes Hopfen-Angebot, geringere Hopfen-Nachfrage: Nicht nur Forchheims Bierkonsumenten fragen sich nun, ob das Bier jetzt durch die aktuellen Entwicklungen billiger werden könnte. Diese Erwartungen müssen dem Vernehmen nach gedämpft werden.
Rittmayer Hallerndorf: „Brauereien haben oft langjährige Verträge“
Die meisten Brauereien haben mit den Hopfenbauern langjährige Verträge geschlossen. Das heißt, die aktuellen Preissenkungen auf dem freien Hopfenmarkt nützen vielen Braumeistern gar nichts. Wie sich das entwickelt, sobald die Verträge auslaufen und man neu verhandeln oder sich auf dem freien Markt bedienen müsse, sei schwer abzuschätzen, sagt Georg Rittmayer, Braumeister aus Hallerndorf und Präsident des Verbands Private Brauereien Bayern. „Wer weiß, vielleicht wird es nach dem jetzigen Tief sogar bald wieder teurer?“
Hopfenbauern und Brauereien müssen einen gemeinsamen Weg finden, sagt Martina Hebendanz, Geschäftsführerin der gleichnamigen Forchheimer Brauerei. Dass die Hopfenbauern nun reagieren und roden, könne sie nachvollziehen. Dass (eventuell) langfristig fallende Hopfenpreise die aktuell schwierigen Bedingungen wegen der sonstigen Preissteigerungen abfedern können, glaube sie nicht. Beispiel Energiekosten: Der Brauerbund rechnet damit, dass die bei kleineren und mittelständischen Betrieben 20 Prozent und mehr der Herstellungskosten ausmachen. Vor allem das Brauen, das
Abkühlen und die Reinigung der Mehrwegflaschen würden zu Buche schlagen.
Bier: Hopfen nur kleiner Teil der Rohstoffliste
Noch etwas spricht gegen kurzfristig fallende Bierpreise: Laut dem Geschäftsführer des Verbands Deutscher Hopfenpflanzer Erich Lehmair mache der Hopfen lediglich ein Prozent des Bierpreises aus. Denn Hopfen mag der geschmacklich entscheidende Rohstoff sein, Brauer David Hertl nennt ihn als das „Salz in der Suppe“.
Aber mitnichten, was die Menge betrifft. Bier besteht circa zu 90 Prozent aus Wasser, den Rest teilen sich dem Reinheitsgebiet zufolge Hopfen, Malz und Hefe. David Hertl erzählt, für seine IPA pro Hektoliter (100 Liter) etwa 500 Gramm Hopfen zu verbrauchen. Für herkömmliche Sorten sind es nur 20 bis 40 Gramm.
Diese Menge dürfte auch bei den anderen Brauereien in der Region in den Sud kommen. Der Trinktrend tendiert eher zu weniger gehopften Biersorten, etwa Helles oder alkoholfreies Bier. Laut Brauerbund sei schon lange jedes vierte in Bayern getrunkene Bier ein Helles, gefolgt von Pils und Weißbier.
Für Bierkäufer, die statt auf Billigangebote von Industriebieren internationaler Großkonzerne auf handwerkliche Produkte aus der Region setzen, lautet das Fazit: Wohl wird weder das Bier durch die Hopfen-Überproduktion billiger, noch gerät die heimische Bierproduktion durch das deutschlandweite Roden von Hopfen in Gefahr.















