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„Demokratische Alternative“
Aufstieg der jungen Linken in Forchheim – mit großen Zielen
Im Landkreis Forchheim gibt es seit Oktober 2024 einen Ortsverband der Linken. Zwei der drei Vorstände Niklas Ott und Lara Igl sprechen über die Beweggründe und die Kommunalwahlen 2026.
Im Landkreis Forchheim gibt es seit Oktober 2024 einen Ortsverband der Linken. Zwei der drei Vorstände Niklas Ott und Lara Igl sprechen über die Beweggründe und die Kommunalwahlen 2026. // Foto: Stephan Großmann
Forchheim – Soziale Gerechtigkeit, Wohnen, Klimaschutz: Mit einem eigenen Ortsverband will Die Linke frischen Wind in Forchheims Kommunalpolitik bringen. Reichen ihre Ambitionen bis ins Oberbürgermeisterbüro?

Rebellisch. Laut. Extrem.

All das sind Lara Igl und Niklas Ott nicht. Weitgehend entspannt nippen sie an diesem frühlingshaften Apriltag an ihrem Kaffee, während sie über die für sie aktuell wichtigsten politischen Themen sprechen. Über die Zukunft der Welt, des Landes, der Region.

Wohnen. Gerechtigkeit. Soziale Teilhabe. Klimaschutz. Linke Politik.

Die Linke Forchheim: Leise Töne statt Lärmerei

Um zu erklären, warum ihnen diese Themen so wichtig sind, müssen Igl und Ott gar nicht rebellisch, laut und extrem auftreten. So stark und positiv konnotiert waren die Linken selten in ihrer wechselvollen Geschichte. Trotz oder vielleicht wegen der verhältnismäßig leisen Töne, die sie derzeit bundesweit anschlagen.

Ähnlich wie Ott und Igl. Die beiden jungen Leute gehören dem Vorstandstrio an, das im Oktober 2024 den ersten Linken-Ortsverband in der Landkreisgeschichte gegründet hat. Und von sich selbst sagt, die „einzige Alternative zu sein, die man als Demokrat wählen kann“.

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Haustürwahlkampf war und ist das entscheidende Mittel für die Forchheimer Linke. // Die Linke Bamberg-Forchheim

Abspaltung BSW als Initialzündung für Eintritt

Wer mit Lara Igl und Niklas Ott spricht, merkt schnell, dass sie es ernst meinen mit ihren politischen Zielen und der Agenda ihrer Partei überzeugt folgen. Wie einen Befreiungsschlag beschreiben sie die vorübergehend parteizerstörerisch anmutende Abspaltung des Bündnisses Sahra Wagenknecht (BSW) im Januar 2024. Es kam anders, die Linke erlebte einen Aufwind wie selten zu vor. Beide, so erzählen Ott und Igl, seien hiernach endgültig motiviert gewesen, der Linken beizutreten und zu versuchen, linke Politik vor Ort voranzutreiben.

Es ist der 13. Oktober 2024, ein Sonntag, als sich 13 Menschen aus Forchheim und den umliegenden Gemeinden treffen, um den Forchheimer Landkreisverband der Linken zu gründen. Und zwar nicht aus dem Grund, wie Igl und Ott betonen, um aus dem Schatten des landkreisübergreifenden Kreisverbands Bamberg-Forchheim zu treten. Ganz im Gegenteil, sagt Jan Jaegers, Co-Sprecher des gut 300 Mitglieder starken Kreisverbands. „Wir haben die Gründung in Forchheim forciert, weil es wichtig ist, dass wir dort vor Ort agieren können.“

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Gründungsversammlung am Sonntag in Forchheim // Die Linke

Die Strukturen in Bamberg und Forchheim seien doch sehr unterschiedlich, sagt Jaegers. Unterschiedlich genug jedenfalls, dass ein eigener Ortsverband in Forchheim nötig geworden sei. Und wer weiß, so Jaegers, wenn sich der Verband in Forchheim weiterhin derart positiv entwickle, könne man gar über einen komplett eigenständigen Kreisverband nachdenken. Doch das sei Zukunftsmusik, jetzt müssten die Verbandsstrukturen erst einmal wachsen. Und den Weg freimachen für die themenbezogene Arbeit.

Bezahlbares Wohnen, soziale Teilhabe, Klimaschutz

Denn Themen gibt es genug. Bezahlbares Wohnen, mehr soziale Teilhabe vor allem für Kinder, Ältere und sonstige Benachteiligte, sozialverträglicher Klimaschutz. Themen gäbe es darüber hinaus noch viele, doch wollen sich die Linke vorerst auf diese – ihrer Meinung nach drängendsten Fragen – konzentrieren. Eine Haltung, die bei vielen Menschen anzukommen scheint. Vor allem bei jenen, die von den „etablierten Parteien“, wie Ott sie nennt, gerne übersehen werden: Menschen in beklemmenden finanziellen Situationen beispielsweise. „Einer muss sich diesen Menschen doch annehmen“, sagt er. Und meint „seine“ Linke.  

Deutschlandweit hat die Partei, die 2007 durch Verschmelzung der SPD-Abspaltung WASG und der Linkspartei PDS entstanden ist, lange nicht mehr einen derart starken Mitgliederzuwachs erlebt. Bayernweit hat sich die Parteistärke laut Landesgeschäftsführer Maximilian Steiniger mehr als verdreifacht, aktuell sind im Freistaat mehr als 8000 Menschen dabei. Noch stärker gewachsen ist die Partei in Bamberg-Forchheim, wo sie ihre Mitgliederzahlen im vergangenen Jahr laut Jan Jaegers auf knapp 300 vervierfachen konnten.

Starker Mitgliederzuwachs vor allem in Bamberg und Forchheim

Und seit sechs Monaten also auch mit dem ersten ausgegliederten Ortsverband. Für die Königsstadt und die 28 anderen Gemeinden des Landkreises haben Lara Igl, Niklas Ott und Hannes Weiß große Ambitionen. Die drei sind von den Gründungsmitgliedern in den Vorstand gewählt worden. Mittlerweile zählt der Ortsverband bereits mehr als 40 Namen auf der Mitgliederliste. Dabei seien Menschen jeden Alters, von der Schülerin bis zum Rentner. „Statt des Alters und der Herkunft eint uns eher die Sicht auf die Welt und der Wert der sozialen Gerechtigkeit“, sagen Igl und Ott.

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Das sind die neuen Vorsitzenden: Hannes Weiß, Niklas Ott, sowie Lara Igl // Die Linke

Ott, 24 Jahre alt, ist der älteste im Parteivorstand. Der Ebermannstadter studiert Energie- und Wasserstofftechnik, sympathisiert seit jeher mit den Linken und fasste nach Wagenknechts Austritt den Mut, sich offiziell zu engagieren. Co-Vorständin Lara Igl ist 19 Jahre alt, hat soeben ein Studium der Politikwissenschaften und Geschichte begonnen und vertritt die Partei zudem bereits im Vorstand des Kreisverbands. Sie stammt aus Eggolsheim genau wie der Dritte im Bunde, der 18-jährige Schüler Hannes Weiß.

Große Ziele - bis ins Forchheimer Oberbürgermeisteramt?

Für die kommenden Monate haben sie alle sich viel vorgenommen. Nach den für viele sehr überraschend sehr guten Ergebnissen bei der Bundestagswahl (4,8 Prozent der Zweitstimmen im Wahlkreis Bamberg, 4,4 Prozent im Wahlkreis Bayreuth) machen sie sich berechtigte Hoffnungen, den Aufschwung bis den Kommunalwahlen im kommenden Jahr mitnehmen zu können. Mindestens in den Stadt- und Gemeinderäten wollen sie vertreten sein, eventuell gar im Kreistag. Oder gar mehr? Niklas Ott lacht: „Wieso nicht auch eine Kandidatin oder einen Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl aufstellen?!“, sagt er.

Ortsverband muss Strukturen erst aufbauen

Doch bis dahin dauere es noch. „Unser Verband hat sich erst gegründet, für Wahllisten ist es noch zu früh“, sagt Lara Igl. Als Nächstes wollen sie zuerst feste Strukturen für ihre Mitglieder etablieren, regelmäßige Treffen verstetigen, ein Parteibüro finden, die Webpräsenz anpassen, weitere Menschen von den linken Idealen überzeugen. Sie wollen wieder präsent sein vor Ort, vor allem der Haustürwahlkampf in großen Wohngebieten wie Forchheim-Nord habe gezogen, sagen Ott und Igl unisono.

Dass sie sich etablieren werden, davon gehen sie ganz optimistisch aus. Dem aktuellen Höhenflug ihrer Partei folgend bleibt ihnen auch gar nichts anderes übrig. „Selbst im konservativen Bayern ist Potenzial für linke Politik gegeben“, meint Niklas Ott. Dass dieses Potenzial in kommunalpolitische Mitsprache münzt, sei daher nur eine Frage der Zeit. Und die Zeit sei reif dafür. Ganz ohne Rebellen. Lautsprecher. Extreme.  

 

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