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„Wieder auf die Beine kommen“
Landrat Ulm spricht erstmals über Krankheit und Zukunftsplan
Hermann Ulm ist seit 2014 Landrat des Landkreises Forchheim. Im Interview spricht er darüber, warum er nächstes Jahr definitiv aufhören wird.
Hermann Ulm ist seit 2014 Landrat des Landkreises Forchheim. Im Interview spricht er darüber, warum er nächstes Jahr definitiv aufhören wird. // Foto: Stephan Großmann
Forchheim – Dass Hermann Ulm ab 2026 nicht mehr Forchheims Landrat sein möchte, hat viele schockiert. Nun spricht der 48-Jährige erstmals offen über seine Krankheitspause und wie es für ihn nun weitergehen soll.

Vor gut vier Monaten hatte Landrat Hermann Ulm angekündigt, bei den Kommunalwahlen 2026 nicht mehr für eine mögliche Wiederwahl zur Verfügung stehen zu wollen. „Letztlich bringen mich gesundheitliche Gründe zu diesem Entschluss, der mir, nach reiflicher Überlegung, nicht leicht gefallen ist“, sagt er damals. 

Was aber bewegt den 48-jährigen Kunreuther mittlerweile, wenn er daran denkt, in gut einem Jahr kein Landrat mehr zu sein? Was sagt seine Familie? Mit fraenkischertag.de hat Ulm nun erstmals ausführlich über dieses Thema gesprochen.

Zur Person: Hermann Ulm
Zur Person: Hermann Ulm // Stephan Großmann

Landrat Hermann Ulm (CSU) im Interview mit fraenkischertag.de

Sehr geehrter Herr Ulm, wie geht es Ihnen?

Hermann Ulm: Gut fränkisch: Bassd scho! Was ich aber schon merke, sind lange Arbeitstage. Früher hat es mir nichts ausgemacht, von früh um 7 Uhr bis abends 22 Uhr unterwegs zu sein. Heute merke ich schon, dass ich dann platt bin. Ich delegiere auch einiges, habe ein sehr gutes Team, mache mehr Pausen. Im normalen Grundrauschen stört das nicht. Aber in eine neue Legislaturperiode möchte ich so nicht starten; auch weil das meinen eigenen Ansprüchen an mich selbst gar nicht gerecht würde.

Vier Monate waren Sie krankgeschrieben, wie schauen Sie heute auf diese Zeit?

Meine akute Krankheit, die Ende 2023 losging, ist weitgehend überstanden. Einige gesundheitliche Folgen sind geblieben, die mich in der Leistungsfähigkeit einschränken.

Diese Folgen merken Sie vor allem an langen Arbeitstagen. Früher war das anders?

Der normale Alltag heißt, früh aus dem Haus zu gehen und erst abends heimzukommen. Das war nicht belastend. Die Taktzahl war nicht das Schlimme.

Sondern?

Vor allem seit der zweiten Wahlperiode ab 2020 musste ich nur noch Katastrophenmanagement betreiben. Die Verantwortung in den Krisen rund um Corona, Ukraine-Krieg und Asyl hat schon weit über das normale Maß angestrengt und ist an die Substanz gegangen. Das ging natürlich vielen so; in meiner Verwaltung, im Krankenhaus und überhaupt allen Menschen.

Während einer Kreistagssitzung am 25. November 2024 haben Sie verkündet, im kommenden Jahr nicht mehr für den Landratsposten kandidieren zu wollen. Wie schwer ist Ihnen das zu fallen?

Ich bin nach wie vor gerne Landrat. Man kann viel gestalten und vielen Menschen helfen. Allerdings wusste ich ja von Beginn an, dass es auf Zeit ist. Und wenn man den Zeitpunkt selbst bestimmen kann, ist das eigentlich gar nicht schlecht. So wie es mich vor anderthalb Jahren zerlegt hat, das brauche ich kein zweites Mal. Zugleich ist es natürlich schade, weil es einige Projekte gibt, die auch eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger noch beschäftigen werden. Aber ich bin im Reinen damit, nach zwei Perioden aufzuhören.

Was muss auf jeden Fall noch fertig werden bis zu den Wahlen?

Der Schulanbau in Gräfenberg zum Beispiel, das Ausrollen des neuen ÖPNV-Konzepts, der Anbau am Forchheimer Klinikum sowie Sanierung und Neubau der Pestalozzi-Schule auf den Weg bringen. Es gibt noch einiges zu tun.

Aber es bleibt definitiv bei Ihrem Nein zur Wiederwahl?

Auf jeden Fall.

Die Wahl wird wahrscheinlich so spannend wie nie, gleichzeitig rückt die Gesellschaft weiter nach Rechtsaußen. Hören Sie zur Unzeit auf?

Ich bin mir sicher, dass die demokratischen Parteien aus dem Kreistag solide Kandidatinnen oder Kandidaten aufstellen werden und das Landratsamt weiterhin in guten Händen geführt wird. In die Personalfrage wiederum bin ich absolut nicht eingebunden; ich erfahre es auch nur aus Ihren Berichten (lacht).

Wissen Sie schon, was Sie ab Mai 2026 tun werden?

Ich brauche erst einmal Zeit, um wieder vollständig auf die Beine zu kommen. Die werde ich mir auch nehmen. Dann lasse ich es auf mich zukommen. Ich könnte wieder an die Schule gehen, könnte in der Wissenschaft weitermachen. Oder auch etwas ganz anderes. Aber es wird sicher etwas, das mir Spaß macht und nicht mehr allzu belastend ist.

Und politisch?

Ob ich kommunalpolitisch auf anderer Ebene weitermache, habe ich mir bislang nicht überlegt. Man weiß im Leben nie, was kommt. Aber eher nein. 

Sie sind verheiratet, haben drei Kinder von 9, 14 und 19 Jahren. Wie findet ihre Familie ihre neue Lebensplanung?

Die freuen sich total. Kaum ein Tag, an dem sie nicht sagen: „Ab nächstem Jahr ist der Papa da“.

Landrat Hermann Ulm im Gespräch mit FT-Reporter Stephan Großmann
Landrat Hermann Ulm im Gespräch mit FT-Reporter Stephan Großmann // Foto: Kathrin Schürr

Mahnt sie diese Freude zur rückblickenden Frage, ob ihr Amt die gesundheitlichen Probleme und familiären Entbehrungen wert war?

Man weiß vorher nie, wie es kommt. Zum Glück stand meine Familie immer voll hinter mir. Sie alle kannten es nie anders: Vor dem Landrats-Job war ich morgens Lehrer, nachmittags an der Uni und abends Bürgermeister. Das war zum Teil noch anstrengender. Umso mehr freuen sie sich, dass es ganz anders wird.

Also ist das Jahr 2026 bereits mit Urlaubswochen verplant?

Urlaub konnte ich dank meiner sehr guten Stellvertreterin Rosi Kraus zum Glück schon immer wahrnehmen. Klar gab es immer wieder Termine, die ich wahrnehmen musste. In den Sommerferien haben wir eigentlich immer einen Slot gefunden. Für 2026 ist noch nichts geplant.

Bleibt noch der Privatmann Hermann Ulm. Planen Sie für sich selbst künftig auch etwas mehr Zeit ein?

Ich habe ganz viele Hobbys, die ich in den vergangenen Jahren sehr zurückfahren musste. Ich bin leidenschaftlicher Musiker, spiele die Orgel in der Kirche, bin im Posaunenchor, singe im Ensemble. Außerdem betreibe ich etwas Hobby-Landwirtschaft, eine kleine Hühnerschar, Kamerunschafe, ein Stückchen Wald, und werde auf jeden Fall wieder damit beginnen, Fossilien zu suchen.

Mit all dem Wissen von heute: Würde Sie 2014 noch einmal als Landratskandidat antreten?

2014 war eine andere Zeit; da lag der Schwerpunkt noch mehr in der wirklichen Kommunalpolitik und nicht so sehr im Krisen- und Katastrophenmanagement. Aber trotzdem würde ich es noch einmal machen.

 

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