Stille. Lediglich Atemgeräusche von fünf Menschen sind leise zu hören. Vier Damen sitzen auf ihren Gummimatten und versuchen so professionell zu atmen wie Dipak. In sehr gebrochenem Deutsch versucht der 50-Jährige seinen Teilnehmerinnen den tieferen Sinn der richtigen Atemtechnik nahezubringen. Dann wieder Stille. Atemgeräusche. Geschafft. „Nun machen wir einige Asanas“, sagt er. Los geht es mit Surya Namaskar, dem Sonnengruß. Er macht vor; und alle machen mit.
Bürgerzentrum-Mehrgenerationenhaus Forchheim-Nord: Yoga seit März
Es ist ein saharastaubgetränkter Samstag, als der 50-jährige Dipak (tatsächlich offiziell sein Vor- und Zuname zugleich) am Bürgerzentrum-Mehrgenerationenhaus in Forchheim-Nord ankommt. Mit dabei hat der Alleinerziehende die Kleinsten seiner insgesamt sieben Kinder. Während die sich im Nebenraum unter Aufsicht seines zehnjährigen Sohnes beschäftigen, richtet Dipak den kleinen Raum her, räumt Tische beiseite, zündet sein Räucherpulver an, rollt seine Matte aus.
Seit März gibt er den „Basis-Yogakurs für alle“, organisiert vom Regionalcaritasverband Bamberg-Forchheim. Jeden Samstag zeigt der Yogaprofi den Kursteilnehmerinnen einfache Yogaübungen, führt mit ihnen Atemübungen durch und gibt Hilfsstellungen bei entspannender Meditation.
Yogakurs: Frauen aus Deutschland und der Ukraine
An diesem Samstag sind vier Frauen gekommen, zwei jungen Damen aus der Ukraine, zwei gebürtige Forchheimerinnen. Manchmal seien es auch mehr, manchmal weniger, sagt Dipak. Wobei die heutige Anzahl in dem doch beengten Raum als vernünftig anmutet. Immer wieder müssen sie kurz unterbrechen, auch eine Teilnehmerin hat ihr Kind dabei. Volle Konzentration auf Yoga sieht wahrscheinlich anders aus. Aber die Frauen freut’s, in „ihrem Viertel“ eine unkomplizierte Möglichkeit zu erhalten, ihren Körper und Geist fit zu halten und zu stärken.
Auch wenn Kommunikation aufgrund der holprigen Deutschkenntnisse Dipaks nicht einfach wirkt, tut das dem Entspannungsfaktor der Stunde augenscheinlich keinen Abbruch.
Kein Wunder, von Yoga versteht der 50-Jährige etwas. Als er sieben Jahre alt war, habe ihm sein Vater die Kunst des Yoga beigebracht, erzählt Dipak. Seither lebe er Yoga, übe jeden Tag. „Yoga ist gut für Körper und Seele“, sagt er. Gezielte Entspannung, kontrolliertes Atmen und Meditation helfe zudem gegen Stress und könne gar Krankheiten vorbeugen.
Vorbeugen müssen sich die Teilnehmerinnen zuvor noch beim Sonnengruß. Manche wirken angestrengt, was Dipak bemerkt. „Sie müssen mit den Händen den Boden nicht berühren können“, sagt er. „Nur so weit, wie es sich noch gut anfühlt.“
Dipaks Biografie, Migration und Flucht
Dipak macht es sichtlich Spaß, sein Wissen über die jahrtausendealte philosophische Lehre aus Indien weiterzugeben. Dipak selbst ist in Indien geboren, mit 17 Jahren aber zog es ihn der Ausbildung wegen nach Europa. Genauer nach Odessa, eine Hafenstadt am Schwarzen Meer im Süden der Ukraine. Als Russlands Präsident am 24. Februar 2022 seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine begonnen hatte, floh Dipak mit seiner Familie wie so viele andere. Er schaffte es, entkam nach Deutschland und baute sich in Forchheim eine neue Heimat auf.
Projekt der Caritas-Integrationslotsinnen für den Landkreis Forchheim
Als Anastasiia Kuzminova, eine von hauptamtlichen Integrationslotsinnen für den Landkreis Forchheim von der Caritas, eines Tages auf ihn zukam und ihm vorschlug, einen Yogakurs anzubieten, habe ihn das wirklich gefreut, erzählt er. Integrationslotsinnen unterstützen Menschen mit Migrationsgeschichte dabei, „Hemmschwellen zu überwinden und bürokratische Hürden zu meistern“, wie selbst sagen. Wie auch Dipak haben viele selbst ihre Wurzeln in einer anderen Kultur.
Im Bürgerzentrum-Mehrgenerationenhaus, dem interkulturellen Begegnungs-, Beratungs-, Bildungs- und Servicezentrum in Forchheims Norden, gibt es einige solcher Angebote, etwa einen orientalischen Tanzkurs, Deutschkurs, Gedächtnistraining und einen Smartphone-Kurs.
Yogakurs bringt mehr als nur Atmen und Asanas
Auch Dipak steht im Kellerraum des Zentrums in der Paul-Keller-Straße eine enge, aber ideale Stätte für sein Angebot zur Verfügung. Denn dieser Kurs vermittelt nicht nur Basisfertigkeiten beim Yoga. Es treffen Menschen, ehrlicherweise hauptsächlich Frauen, allen Altersstufen und aus verschiedensten Herkunftsländern zusammen, um sich gemeinsam fit zu halten. Und das angeleitet von einem gebürtigen Inder mit ukrainischer Fluchterfahrung. Multikulti im besten Sinne, so kann das Gesicht von Integration auch aussehen - und fit halten.
Infos und Anmeldung über Regionalcaritasverband Bamberg-Forchheim
Wer ebenfalls Interesse an diesem oder anderen Caritas-Kursen hat, kann sich Anastasiia Kuzminova melden unter anastasiia.kuzminova@caritas-bamberg-forchheim.de oder telefonisch unter 0173/6628797.















