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CSU, Grüne, Freie Wähler
Landratswahl Forchheim: Erste Parteien positionieren sich
Wer hat noch nicht, wer will nochmal? Die Landratswahl 2026 im Landkreis Forchheim verspricht so viel Spannung wie nie. Nun positionieren sich die ersten prominenten Namen.
Wer hat noch nicht, wer will nochmal? Die Landratswahl 2026 im Landkreis Forchheim verspricht so viel Spannung wie nie. Nun positionieren sich die ersten prominenten Namen. // Illustration: Franziska Schäfer
Forchheim – Am 8. März 2026 wird in Forchheim ein neuer Landrat gewählt. Wer wird Hermann Ulms Nachfolger? Minister, Parteigrößen, Newcomer, es kursieren wilde Spekulationen. Und eine grüne Kampfansage.

Sich Zeit nehmen, um eine fundierte Entscheidung zu treffen. Das wollten im Spätherbst 2024 alle Parteien im Landkreis bei der Frage, ob sie jemanden ins Rennen um den auf jeden Fall vakant werdenden Landratssessel schicken wollen. Geschweige denn wen. Nun sind weitere Monate ins Land gegangen, aus dem Bundestagswahlkampf sind Koalitionsgespräche geworden, die „Ausreden“ für Zurückhaltung im politischen Forchheim schwinden. Wer also möchte 2026 Landrätin oder Landrat werden?

Hermann Ulm macht aus gesundheitlichen Gründen 2026 Schluss

Dass Landrat Hermann Ulm (CSU) nicht weitermachen wird und Forchheims 118.000 Köpfe starke Einwohnerschaft überhaupt über einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin diskutieren muss, hatte am 25. November 2024 große Anteilnahme ausgelöst. „Ich bemerke, wie meine Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit seit meiner Erkrankung im vergangenen Jahr spürbar eingeschränkt sind, sodass eine erneute Kandidatur der hohen Verantwortung des Amtes nicht gerecht würde“, verkündete Ulm damals.

Seither entstanden aus den vielen Respektsbekundungen rege Spekulationen über eine mögliche Nachfolge. Bereits kurz nach Ulms Entscheidung, nicht erneut kandidieren zu wollen, hatten wir bei den Kreisverbänden angefragt. Tenor damals: Zum jetzigen Zeitpunkt könne man noch nichts sagen. Und nun, vier Monate später und nicht einmal mehr ein Jahr vor den Wahlen am 8. März 2026?

CSU Forchheim: Wer könnte auf Hermann Ulm folgen wollen?

Allen voran bei den Christsozialen wird es spannend, ist es schließlich ihr amtierender Landrat, der sein Büro ab März 2026 räumen wird. Hielt sich Kreis-Chef Michael Hofmann vor ein paar Monaten noch sehr bedeckt, schließt er mittlerweile zumindest seine eigene Kandidatur weitgehend aus. „Meine Überzeugung ist, dass es für den Landkreis besser ist, wenn wir (Hofmann und FW-Minister Thorsten Glauber, Anm. d. Red.) in München bleiben. Im Landkreis Forchheim gibt es genügend hervorragende Kommunalpolitiker, die das Amt des Landrats übernehmen könnten“, sagte Hofmann am Freitag im Exklusivinterview mit fraenkischertag.de.

Glaskugel der Christsozialen bleibt im Nebel

Wer das seiner Meinung nach sein könnte, darüber kann und will sich Hofmann aktuell aber noch nicht festlegen. Immerhin: Der FT-Glaskugel aus dem November 2024 bescheinigt Hofmann „eine gute Trefferquote“. Darin tauchten Namen wie die stellvertretende Landrätin Rosi Kraus, Bezirksrat Ulrich Schürr sowie die beiden Bürgermeister Benedikt Graf von Bentzel (Heroldsbach) und Martin Walz (Neunkirchen am Brand) auf. „Aber es gibt bestimmt zwei, drei weitere Namen, die in Betracht kämen“, so Hofmann.

Entscheiden würde das aber die Parteibasis gemeinsam, sagt er. Und die sei noch nicht so weit; ganz im Gegensatz beispielsweise zu den Nachbarn im Landkreis Bamberg, die vor einigen Tagen bereits einen Namen für ihren ebenso nicht mehr antretenden Landrat Johann Kalb aus dem Hut zauberten.

Setzen die Freien Wähler auf Umweltminister Thorsten Glauber?

Nicht minder spannend läuft die Entscheidungssuche bei den Freien Wählern im Landkreis. Kreisvorsitzender Manfred Hümmer wiegelt auf erneute Nachfrage zumindest ein bisschen weniger ab als noch im November, ob und wer in Betracht kommen könnte. „Wir führen derzeit aktiv Gespräche“, so Hümmer. „Wir müssen schauen und auch in Betracht ziehen, wie sich die anderen Parteien positionieren. Aber wir werden schon versuchen, einen geeigneten Kandidaten aufzustellen.“

Der aus Sicht der Freien Wähler wohl am besten Geeignete hat jedoch ein großes „Manko". Er hätte gar keine Zeit, Landrat zu sein.

Die Rede ist von Thorsten Glauber, seit 2018 Bayerischer Umweltminister. Im Gespräch mit unserer Redaktion sagt der 54-Jährige zwar, dass er grundsätzlich „nichts ausschließen“ wolle. Und doch erscheint eine Landratskandidatur Glaubers zum jetzigen Zeitpunkt unwahrscheinlich. Zumindest so lange die Zweck-Ehe aus CSU und Freien Wählern in der Bayerischen Staatsregierung trotz der aktuellen Querelen weiterhin Bestand hat. Ob Glauber im Fall eines Bruchs der Koalition die Landtagsopposition der realistischen Chance auf den Landratsposten vorziehen würde, muss sich dann erst zeigen.

Thorsten Glauber ist für die Freien Wähler seit 2018 Bayerischer Umweltminister. Würde er sein Münchner Ministerium gegen den Landratssessel in Forchheim eintauschen?
Thorsten Glauber ist für die Freien Wähler seit 2018 Bayerischer Umweltminister. Würde er sein Münchner Ministerium gegen den Landratssessel in Forchheim eintauschen? // Umweltministerium

Grüne Lisa Badum: „Landkreis hat etwas Besseres verdient“

Unabhängig davon, ob und wer sich von CSU und Freien Wählern zur Wahl stellt, verspricht das Votum um den Landratsposten so spannend wie nie zu werden. So wagt sich nun Grünen-Kreissprecherin und Bundestagsabgeordnete Lisa Baum ein Stück weiter aus der Deckung und sagt auf Anfrage, dass die Grünen „definitiv eine eigene Kandidatin oder einen Kandidaten“ ins Rennen schicken wollen.

„Dieser Landkreis hat etwas Besseres verdient“, sagt Badum kämpferisch. Was beziehungsweise wer stünde aber „etwas Besseres“? Sie selbst? Forchheims Kulturbürgermeisterin Annette Prechtel? Landtagskandidat Martin Distler? Badum lächelt; und schweigt.

SPD im Landkreis Forchheim hält sich bedeckt

Gar nicht offener als noch im November kommuniziert die SPD. Nachdem Co-Vorsitzende Alexandra Prechtel vor vier Monaten gesagt hatte, man wolle sich nicht in die Karten schauen lassen, untermauert ihr Vorstandskollege Richard Schmidt nun das Pokerface. „Wir führen Gespräche“, heißt es knapp. Auch Hermann Ulms Herausforderer aus dem Wahlkampf 2020, Forchheims Vorsitzender der SPD-Stadtratsfraktion Reiner Büttner, hält sich weiterhin bedeckt. Seine Antwort, ob es Neues über eine etwaige Kandidatur zu berichten gäbe, lässt allenfalls Interpretationsspielraum: „Nein, leider nicht“.

Junge Bürger, FDP und AfD noch mit Fragezeichen besetzt

Doch es gibt noch weitere Parteifarben, die im Landkreis eine Rolle spielen. Die Jungen Bürger etwa. Wie JB-Schriftführer Sebastian Kramer mitteilt, berate man sich derzeit. Aber: „Zum aktuellen Zeitpunkt steht jedoch noch nicht fest, ob und inwieweit die Jungen Bürger (erstmalig) eine Kandidatin bzw. einen Kandidaten ins Rennen schicken werden. Die entsprechende Entscheidung soll voraussichtlich bis circa zur Jahresmitte 2025 getroffen werden“, schreibt er.

Ebenfalls im Konjunktiv verweilen die Liberalen. Deren Kreisvorsitzender Tobias Lukoschek teilt auf Anfrage lediglich mit, man sei noch unentschieden. „Es könnte aber sein, dass wir jemanden nominieren, sage ich ganz vorsichtig.“ 

Wird die AfD um das Landratsamt Forchheim buhlen?

Spannend bleibt zudem die nach wie vor offene Frage, inwieweit die AfD die Ankündigung ihres ehemaligen Kreisvorsitzenden Oliver Hammrich wahrmachen will, bei den Kommunalwahlen 2026 „nicht nur einen Kandidaten“ aufstellen zu wollen. Ein Werben um das Amt des Oberbürgermeisters in Forchheim gilt als gesetzt. Und um den Landrat? Hammrich ist mittlerweile Partei-Geschichte, die kommissarische Co-Vorsitzende Frauke Peuker-Hollmann schreibt zur Causa Landratswahl, die Partei sei aufgrund des Bundestagswahlkampfs bis an die Grenzen der Leistungsfähigkeit ausgelastet gewesen und könne sich „erst in der nächsten Zeit mit dem Thema Kommunalwahl beschäftigen“.

Es bleibt also spannend.

 

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