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Noch ein prominenter Austritt
AfD Forchheim verliert Chef: Darum hört Oliver Hammrich auf
Oliver Hammrich ist nicht mehr Vorsitzender des AfD-Kreisverbandes Forchheim. Zugleich trat er ganz aus der Partei aus. Das schürt Spekulationen.
Oliver Hammrich ist nicht mehr Vorsitzender des AfD-Kreisverbandes Forchheim. Zugleich trat er ganz aus der Partei aus. Das schürt Spekulationen. // Hagen Schnauss/Ralph Peters, imago images
Forchheim – Die Forchheimer AfD verliert für viele überraschend ihren Kreisvorsitzenden. Warum Oliver Hammrich der AfD gerade jetzt vor der Bundestagswahl den Rücken kehrt, sorgt für Spekulationen.

Kaum ein innenpolitisches Thema dominiert die deutschen Schlagzeilen derzeit so sehr, wie der Umgang mit der AfD im Vorfeld der Bundestagswahl. Doch nicht nur bundespolitisch macht die in Teilen rechtsextreme Partei Schlagzeilen, sondern auch in der Region Forchheim. Zwar kaum inhaltlicher Natur, aber zumindest was ihre personelle Struktur betrifft.

Oliver Hammrich, AfD: Von allen Parteiämtern zurückgetreten

Der Vorsitzende des AfD-Kreisverbandes Forchheim ist Mitte Januar von all seinen parteiinternen Ämtern zurückgetreten, wie er unserer Redaktion am Telefon bestätigt. „Aus gesundheitlichen Gründen fahre ich mein politisches Engagement weitgehend zurück“, sagt der 57-jährige Forchheimer. Weitere Details nennt er nicht, schließt aber „in absehbarer Zeit“ eine Rückkehr auf die größere lokalpolitische Bühne aus.

Doch damit nicht genug: Hammrich verlässt nicht nur seinen Posten an der Spitze des knapp 80-köpfigen Kreisverbands, sondern verlässt die selbsternannte Alternative für Deutschland gleich komplett. Schnell schiebt er am Telefon hinterher, dass sein Austritt allerdings nichts mit der Partei und ihrer momentanen Ausrichtung zu tun habe. Er könne sich vorstellen, dass dieser Schritt „von außen betrachtet radikal wirken“ könne. Aber er möchte parteiintern nicht das Gefühl vermitteln, eventuell doch für etwaige Ämter zur Verfügung zu stehen. Das sei alles.

Dies als alleinigen Grund anzuerkennen, dass einer mitten im Wahlkampf ohne Druck aus seiner Partei ausscheidet, erscheint dem neutralen politischen Beobachter mindestens fragwürdig. Hammrich aber bleibt bei seiner Erklärung.

Fortan parteilos: Hammrich bleibt im Bezirkstag

Nicht ablegen will Hammrich dagegen sein Mandat im Bezirkstag. Dort saß er bislang als einer von drei Abgeordneten der AfD-Fraktion und wird fortan als Parteiloser gelistet. „Ich möchte mich dem Wählerwillen gemäß weiterhin im Bezirkstag einbringen“, sagt er.

Für die Zusammensetzung des Gremiums bedeutet das, dass nunmehr die Freien Wähler zur zweitstärksten Kraft hinter der CSU aufrücken. Auch Vertreter der anderen Parteien wollen noch weitere Gründe für den Parteiaustritt Hammrichs nicht ausschließen.

Über mögliche interne Querelen wabern derzeit allenfalls vage Gerüchte durch den Landkreis. Hammrich selbst weist das zurück. „Ich kann den Kreisverband guten Gewissens an das weitere Vorstandsteam übergeben“ [Stefan Porzelt und Frauke Peuker-Hollmann, Anm. d. Red.], sagt Hammrich. So wird Porzelt den Kreisverband kommissarisch leiten, bis ein neuer Vorsitzender gewählt worden ist.

Stefan Porzelt (Mitte), hier mit den AfD-Bundestagsabgeordneten Peter Felser und Michael Weiß (rechts)
Stefan Porzelt (Mitte), hier mit den AfD-Bundestagsabgeordneten Peter Felser und Michael Weiß (rechts) // Screenshot FT

Quelle: Screenshot eines Facebook-Posts von MdB Peter Felser (externer Link)

AfD-Kreisverband Forchheim: Austritte und kaum Gremienarbeit

Und doch reiht sich der Austritt des 57-jährigen Physikers ein in eine eher unrühmliche lokalpolitische Historie seit der Kreisverbands-Gründung im Jahr 2014. Bei den Kommunalwahlen 2020 hat die AfD zwar drei Sitze in den hiesigen Gremien gewinnen können. In den Kreistag eingezogen sind damals Alexander Bär und Dominik Pflaum. Doch erster ist längst aus der Partei ausgetreten, Pflaum besucht nach wie vor allenfalls sporadisch die Kreistagssitzungen. Das letzte Mal wohl vor fast einem Jahr, wie aus den Protokollen hervorgeht.

Auch der bislang einzige Stadtrat Matthias Machts fällt in der stadtratspolitischen Arbeit kaum auf, immerhin nimmt er regelmäßig an den Sitzungen teil. Allerdings kehrt auch Machts im Frühjahr 2024 der Partei den Rücken und agiert seither parteilos. Bis heute schweigen er und die AfD sich über die Gründe aus. Am 20. Januar wurde bekannt, dass Machts zu den Republikanern gewechselt ist. Auch hierzu will er nichts erklären. Auf Anfrage schreibt er lediglich: „Da Parteiaustritte oder -eintritte tagtäglich vorkommen in Deutschland, gibt es zu meinem Austritt aus der AfD nichts anzumerken“.

Platz für spekulative Einordnungen der – mindestens als unruhig – anzusehenden Verhältnisse im AfD-Kreisverband Forchheim bleibt massig. Dabei steht für sie einiges auf dem Spiel, sollte sie bei den Kommunalwahlen 2026 wie angekündigt tatsächlich um den Oberbürgermeister-Sessel buhlen wollen. Ob und wie sich die Partei bis dahin lokalpolitisch neu aufstellen will, bleibt abzuwarten. 

 

 

 

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