Tausende Autos schieben sich tagtäglich durch Forchheim. Manche dieser Fahrten sind alternativlos, andere wiederum ließen sich unter Umständen auch mit anderen Verkehrsmitteln erledigen. Zu Fuß etwa und mit dem Fahrrad. Oder mit dem Bus. Ab August soll das fleißig diskutierte und von einigen lang ersehnte neue Stadtbuskonzept mit dem Ziel greifen, mehr Menschen zum ÖPNV zu bewegen. Macht die Haushaltskrise der Stadt nun einen Strich durch die Rechnung?
„Die zentralen Aspekte des neu entwickelten Konzeptes sind die Beschleunigung der Linien, die Erschließung bisher nicht angebundener Gebiete mittels Kleinbusse sowie die Einführung eines 15-Minuten-Taktes“, hieß es noch vor knapp zwei Jahren, als das Konzept im Mai einstimmig im Stadtrat beschlossen worden ist.
Neues Stadtbuskonzept in Forchheim ab 1. August
So sollen ab August unter anderem vor allem bislang schlechter angebundene Gebiete wie Burk und Buckenhofen oder der Forchheimer Norden angefahren werden, vor allem für den Pendlerverkehr sind viele Verbesserungen anvisiert worden. Konkret hieß es im Beschluss: „Für ein Oberzentrum wie die Stadt Forchheim erscheint die Einführung eines 15-Minuten-Taktes wichtig und richtig“. Dadurch könne man mehr Fahrgäste zu einem Umstieg auf die öffentlichen Verkehrsmittel bewegen, „um einen Beitrag zur Entlastung der Straßen sowie zum Bus und Zug am Bahnhof Forchheim“ zu leisten.
Was vor zwei Jahren noch keinen der Entscheidungstragenden überzeugend abschreckte, ist der damit verbundene Kostenanstieg für die Stadt. Denn um den ÖPNV-Boost wie geplant umzusetzen, hatte sich die Stadt bereit erklärt, die Hälfte der Kosten des als „Linienbündel 1“ deklarierten Stadtverkehrs in Forchheim zu übernehmen.
Vertragsnehmer mit den Busgesellschaften ist eigentlich der Landkreis, bislang hatte sich Forchheim pauschal mit etwa 25 Prozent an den Kosten beteiligt. Diese liegen ab August nach derzeitigen Schätzungen (abzüglich Förderungen und Einnahmen) bei rund 3,2 Millionen Euro. Heißt für Forchheims geplagten Stadtsäckel, dass es jährlich knapp 1,6 Millionen Euro zu Buche schlagen würden.
Haushaltsloch zwingt Forchheim zum Sparen – auch beim ÖPNV
Im Sinne einer gelingenden Verkehrswende war man in der Königsstadt (mehr oder weniger) gerne bereit, dieses finanzielle Opfer zu bringen. Doch dann kam der Gewerbesteuer-GAU. Mit ihm Haushaltssperre und der wohl größte Sparzwang in Forchheims jüngerer Geschichte. Davon betroffen ist auch das Stadtbuskonzept. Daher hatten die Fraktionen von CSU, Jungen Bürgern und Freien Wählern in einem gemeinsamen Antrag gefordert, die Kosten für den stadtmitfinanzierten ÖPNV zu senken – über eine Reduzierung der Leistung.
Gemeinsam mit der Firma Schmetterlingreisen und der Nahverkehrsberatung Südwest hat das Landratsamt zwischenzeitlich ein umfangreiches Paket erarbeitet, das Kosten einsparen soll. Ein Drahtseilakt, sollen auf der einen Seite (auch für den Landkreis) die Kosten bestmöglich sinken, das Ziel eines verbesserten ÖPNV in und um Forchheim aber dennoch erreicht werden.
Experten schlagen konkrete Einsparmaßnahmen vor
Herausgekommen ist ein 14-seitiges Dokument, das bis zu zwölf konkrete Änderungen vorsehen könnte. Wobei einschränkend gesagt werden muss, dass das Expertenteam lediglich acht davon empfiehlt. Weitere zwei Punkte sind im Landkreisausschuss für Mobilität hinzugekommen, somit würden zusammenaddiert fast 95.000 Euro eingespart; für die Stadt Forchheim also rund 47.500 Euro. Pro Jahr. Und die negativen Konsequenzen für den Busverkehr lägen im Rahmen, darüber sind sich Forchheims Stadtratsmitglieder im Planungsausschuss am Dienstagabend weitgehend einig.
Welche Sparmaßnahmen empfohlen werden
- Linie 257 nach Lichteneiche: Montag – Freitag: Fahrt um 21 Uhr ab ZOB entfällt.
- Linie 258 nach Burk: Samstag: Fahrt um 17.45 Uhr ab ZOB entfällt.
- Linie 258 und 259 ZOB - Ernst-Reuter-Platz:
Montag – Freitag: (Linie 258) Fahrt um 21.45 Uhr ab ZOB entfällt. Letzte Fahrtmöglichkeit zum Ernst-Reuter-Platz somit um 21.15 Uhr.
Montag – Freitag: (Linie 259) Die Gegenfahrt um 21.50 Uhr ab Ernst-Reuter-Platz zurück zum ZOB entfällt damit ebenfalls. Letzte Fahrtmöglichkeit zum ZOB somit um 21.20 Uhr. - Linie 260 (Kersbach)
- Montag – Freitag: Fahrt um 20.58 Uhr, Rückfahrt ab Kersbach Bahnhof zum ZOB entfällt.
- Montag – Freitag: Fahrt um 21.28 Uhr, Rückfahrt ab Kersbach Bahnhof zum ZOB entfällt.
- Samstag: Fahrt um 8 Uhr ab ZOB nach Kersbach entfällt.
- Samstag: Die letzte Fahrt um 17.28 Uhr ab Kersbach Bahnhof zum ZOB entfällt.
- Linie 262 (Reuth).
- Montag – Samstag: Leicht geänderte Fahrzeiten zwischen Reuth und ZOB.
- Zudem wird der Laufweg mit den beiden A-Bussen der Linie 261 und 262 (Siemens) wie folgt verbunden:
261 ZOB - Realschule - ZOB
262 ZOB - Reuth
262 Reuth - ZOB - Siemens - ZOB (ab dann wieder Beginn als L.261) - Entfall des Südabschnittes (ZOB – Siemens) auf der Linie 262 montags – freitags nach 20 Uhr
- kompletter Entfall des Südabschnittes (ZOB – Siemens) an Samstagen
Weitere Sparideen vorhanden, aber nicht angeraten
Überdies gäbe es noch weitere Ideen, die auf den ersten Blick noch einmal deutlich mehr Kosten einsparen würden. Noch einmal gut 100.000 Euro könnte es bringen, wenn die Linien 258/259 erst nach Schulbeginn vom Paradeplatz nach Burk beziehungsweise Buckenhofen führen und generell alle Stadtbuslinien den Betrieb ab 20.30/20.45 Uhr einstellen würden.
Aber nicht nur die Mehrheit im Planungsausschuss spricht sich gegen diese härteren Maßnahmen aus. Auch das Landratsamt rät ab. Es schreibt: „Alle weiteren Maßnahmen werden den Status Quo verschlechtern. Sollte der Betriebsschluss generell um 20.30 Uhr beziehungsweise um 20.45 Uhr umgesetzt werden, werden die Zahlen und somit die Kosten für den Landkreis allein für den Aufbau eines Anrufsammeltaxis und Rufbusses im Stadtgebiet Forchheim enorm steigen, zusätzlich werden die Fahrgeldeinnahmen und sonstige Förderungen zurückgehen.“
Letztes Wort haben Kreisräte im Mobilitätsausschuss
Während sich Forchheims Ratsversammlung nun für die seichtere Sparvariante (die Stadt und Landkreis immerhin 25.000 Euro pro Jahr sparen würden) ausgesprochen hat, muss sie ihren Blick auf den kommenden Mittwoch (19. März) richten. Denn letztlich entscheiden werden das die Mitglieder des Kreistags im nichtöffentlichen Teil ihres nächsten Mobilitätsausschuss. Dann zeigt sich, wie viel der allgemeine Sparzwang vom lang ersehnten Bus-Boost in Forchheim übrig lassen wird.















