Die Wohnungen nehmen Gestalt an. Aktuell setzen die Arbeiter das Obergeschoss Stück für Stück zusammen, bald ist das Dach an der Reihe. Dann steht zumindest der Rohbau. Sobald das markante Bauprojekt in der Bammersdorfer Straße 16 aller Voraussicht nach im Herbst fertig ist, sollen dort einmal geflüchtete Menschen ein Heim finden.
Nach dem Abbruch einer Doppelhaushälfte hat Bauherr Zekeriyya Kolu 2024 allesamt Firmen aus der Region mit dem Bau eines dreigeschossigen Neubaus an gleicher Stelle sowie einem länglichen Bau mit Flachdach direkt daneben beauftragt. Dieser wird zwei Geschosse umfassen und insgesamt Platz für 16 kleine Wohnungen bieten. In dem dreigeschossigen Neubau sollen weitere acht Wohneinheiten entstehen.
Bammersdorfer Straße: Wohnungen für Geflüchtete
„Das Haus ist für die Unterbringung von Geflohenen konzipiert“, sagt Kolu. Diese solle aber ohne große Gemeinschaftsquartiere auskommen. So werden jeweils einzelne Wohnungen entstehen, sagt er. Diese seien zwischen 18 und 42 Quadratmeter groß, alle sollen über eine Küche, Bad und WC verfügen. Darüber hinaus sind im Keller ein großer Waschraum sowie ein behaglicher Außenbereich als Begegnungsstätte gedacht. Das Haus und die Wohnungen selbst sollen auf dem neuesten Stand der Technik entstehen. Denn, so Kolu, vielleicht könnten die Wohnungen eines Tages auch anderweitig genutzt werden; etwa fürs Seniorenwohnen oder Ähnliches.
Doch der gebürtige Forchheimer will sich mit seinem modernen Neubau erstmal auf Geflüchtete konzentrieren. Allerdings nicht allein auf die Unterbringung der Menschen. Stichwort Integrationshilfe: „Viele haben es nicht leicht, die bürokratischen Hürden zu überwinden. Oft hindert sie auch die Sprachbarriere daran, sich schnell zu integrieren“, so Kolu. Dort wolle er direkt vor Ort ansetzen.
Mehr als nur Wohnen, auch Integrationshilfe
Noch sei das alles nicht in trockenen Tüchern, doch seinen Plänen zufolge wolle er in einem eigenen Büro regelmäßig Dolmetscher zur Verfügung stellen, die den Geflüchteten sprachlich beistehen. Auch arbeite er derzeit an einer Kooperation mit dem Jobcenter, sagt Kolu, um die Integration auf den Arbeitsmarkt zu beschleunigen.
Solche Angebote sind dringend nötig, laut Zahlen der Regierung von Oberfranken leben derzeit 3057 Geflüchtete im Landkreis Forchheim (darunter 1797 Menschen aus der Ukraine). Mehr als in allen anderen oberfränkischen Landkreisen (abgesehen von der Stadt Bamberg, wo sich das Ankerzentrum befindet). Zwar stünden im Landkreis Forchheim den Geflüchteten neben dem regulären Wohnungsmarkt landkreisweit 127 Unterkünfte zur Verfügung, wie Caritas-Geschäftsführer Peter Ehmann sagt. „Aber die Wohnsituation ist und bleibt oft prekär.“
Zu oft seien die Unterkünfte überbelegt, was mitunter zu vermeidbaren Konflikten führe. Die Caritas übernimmt für den gesamten Landkreis die Flüchtlings- und Integrationsberatung, doch die Beraterinnen kommen kaum hinterher. „Die meisten sind bereit, sich zu integrieren. Auch wollen viele schnell arbeiten“, sagt Ehmann. Doch in der Praxis scheitere das oft, weil Deutschkurse ausgebucht seien und bürokratische Hürden im Weg stünden.
Vorhaben stößt in Forchheim-Nord auf Kritik
Für die Unterbringung der Geflüchteten ist die Landkreisverwaltung zuständig, die Verteilung auf die Ortschaften und die Anmietung der Wohnungen laufen über das Landratsamt. So auch bei Kolu, der bereits weitere solcher Asylunterkünfte an das Landratsamt vermietet. Den Vorwurf, dass Leute wie er die prekäre Lage ausnutzen würden, um sich zu bereichern, winkt er ab. „Ich investiere viel Geld und muss beispielsweise die Kosten für Möbel und so weiter selbst tragen. Natürlich muss sich das Invest am Ende des Tages rentieren. Aber wir bauen schöne Wohnungen und wollen den Menschen eine gute Unterkunft bieten“, sagt er. Und fügt hinzu: „Wenn es nur ums schnelle Geldverdienen ginge, könnte es ja jeder machen.“
Nachdem das Vorhaben im Januar 2024 der Forchheimer Öffentlichkeit im Bauausschuss vorgestellt worden war (dort wurde das Vorhaben knapp mit 8:6 der Stimmen durchgewunken), reagierten die Anwohner rund um Bammersdorfer und Dechant-Reuder-Straße aufgebracht. Sie fürchteten um „ihr“ Viertel, damals noch 61 geplante Bewohner erschienen ihnen viel zu viel. Manche sahen sich bereits um Umsätze gebracht oder warnten davor, dass „die die Straße inklusive der Kreuzung bevölkern“ könnten. Ganz verflogen sind die Vorbehalte heute, gut ein Jahr später, noch nicht. Zum Teil auch aus Resignation, wie einer sagt. „Man könnte ja eh nichts dagegen machen.“
Mittlerweile mehr Akzeptanz bei den Anwohnern
Aber der Ton insgesamt ist versöhnlicher geworden. Das liege einem Gewerbetreibenden in unmittelbarer Nähe zufolge auch an der offenen und direkten Art Kolus, mit den Anwohnern zu kommunizieren. „Von Beginn an“, lobt er. So konnten zumindest einige der einstigen Vorbehalte entkräftet werden. Ein Hauptargument zur Beschwichtigung aber dürfte das Versprechen des Bauherrn gewesen sein, dass weniger als die anfangs gedachten 61 Menschen dort einziehen werden.
„Darüber hinaus werden wir nach Eröffnung ein 24-Stunden-Telefon für die Nachbarschaft einrichten, wo sie sich im Beschwerdefall hinwenden könnten. Außerdem werden sowohl ich als auch ein Hausmeister täglich vor Ort sein“, so Kolu, der selbst nur ein paar Meter daneben aufgewachsen ist. Bislang habe er in keiner seiner anderen Einrichtungen Beschwerden erlebt, auch habe es noch keine gewalttätigen Auseinandersetzungen gegeben, sagt er. „Ich verspreche auch für die Bammersdorfer Straße ein harmonisches Miteinander.“
Bis die ersten Menschen einziehen werden, dauert aber noch. Laut Bauplan soll es im Herbst so weit sein. Dann will Kolu alle Nachbarn einladen, ihnen die neu eröffnete Anlage zeigen. „Wenn alles klappt, soll es dann jedes Jahr ein Nachbarschaftstreffen geben“, sagt er. Das würde Kolu, den gebürtigen Nordler, am allermeisten freuen.















