Das Rennen um die Kommunalwahlen 2026 ist eröffnet. Erste Politiker bringen sich in Stellung. Auf der jüngsten Kreisvorstandssitzung in Breitengüßbach ist Johannes Maciejonczyk einstimmig als Kandidat empfohlen worden, wie die CSU Bamberg-Land am Freitag, 14. März, mitteilte.
Für den Ersten Bürgermeister von Burgebrach votierten auf Vorschlag von MdB Thomas Silberhorn, MdL Holger Dremel, Landrat Johann Kalb und Kreistagsfraktionschef Johannes Krapp alle der rund 40 Stimmberechtigten.
In der in ein bis zwei Monaten stattfindenden Kreisdelegiertenversammlung soll der 42-jährige Diplom-Rechtspfleger offiziell als Nachfolgekandidat für den nicht mehr antretenden Kalb nominiert werden. Über die Aufstellung der Kandidatenliste für den Kreistag zur Kommunalwahl am 8. März 2026 werde voraussichtlich im Herbst entschieden, erklärte Maciejonczyk auf Anfrage des Fränkischen Tag.
Von derlei klaren Verhältnissen kann die Stadt-CSU derzeit nur träumen. Favorisierte und bislang einzige Kandidatin für den Oberbürgermeister-Posten im Rathaus ist Landtagsabgeordnete Melanie Huml. Der ehemaligen Gesundheits- und Europaministerin hat die Stadtratsfraktion jüngst einstimmig das Vertrauen ausgesprochen, um ihre Zweifel an der Unterstützung zu zerstreuen. Doch die 49-Jährige lässt sich weiter nicht in die Karten schauen.
Gebetsmühlenhaft beantwortet sie Fragen danach, ob sie antreten wolle, mit der Formel, darüber werde zu gegebener Zeit in den zuständigen Gremien entschieden. Hinter vorgehaltener Hand ist zu hören, sie wolle so sicher wie möglich gehen, dass ihre Kandidatur von Erfolg gekrönt ist. Das im Stadtrat in zahlreiche Gruppierungen zersplitterte sogenannte bürgerliche Lager solle sich deshalb auf Huml als gemeinsame Kandidatin verständigen.
Kein Plan B, falls Huml doch absagt
Einen Plan B, falls Huml doch absagt für die OB-Kandidatur, gibt es in der Bamberger CSU nach FT-Informationen derzeit nicht.
Ganz anders stellt sich die Lage der Landkreis-CSU dar. Einen Plan B braucht es hier keinesfalls. Was läuft christsozial zwischen Alten- und Zapfendorf besser als in der Regnitzmetropole? „Die Parteikollegen in der Stadt brauchen da keinen Rat von außen. Trotzdem freue ich mich, dass die Kandidatur bei uns so einvernehmlich gelingt“, hält sich Johannes Maciejonczyk da zurück.
Seit 2014 ist Maciejonczyk Rathauschef in Burgebrach und wird auch aus anderen Parteien als „kompetent und sympathisch“ gelobt. „Ich halte ihn für die CSU für einen fähigen Landratskandidaten“, sagt etwa FDP-Kreisrat und Kreisvorsitzender Marco Strube. Die Liberalen im Kreis wollen laut ihm „in den nächsten Monaten das Programm und dann zeitnah die Kandidatenliste basisdemokratisch“ festlegen. Die Liberalen hätten aber „andere Positionen“, wie eine Verwaltung geführt werden müsse und welche Aufgaben sie habe.
Bei der vergangenen Kommunalwahl 2020 war Strube bereits der Landratskandidat der FDP, als damals 19-Jähriger der nach seinen Worten jüngste Landratskandidat Deutschlands. Eine Wiederholung schließt der BWL-Student nicht aus.
Bürgerblock schließt Unterstützung von Maciejonczyk aus
Auch für den Bürgerblock (BBL) erklärt Fraktionsvorsitzende Sigrid Reinfelder: „Ich erlebe Maciejonczyk als sehr kompetent und engagiert. Er ist kollegial und sehr bürgernah“, so die Erste Bürgermeisterin von Breitengüßbach und befindet: „Aus den Reihen der CSU sehr gut gewählt.“
So weit sei der Bürgerblock bei der Frage Landratskandidatur noch nicht. Doch die Kandidatenliste für den Kreistag werde bereits erarbeitet. „Dabei soll der Bürgerblock aus möglichst allen Gemeinden präsentiert werden.“ Auf die Frage, ob der BBL einen möglichen Kandidaten Maciejonczyk unterstützen würde antwortet Reinfelder: „Wir sind komplett unabhängig und das wollen wir auch bleiben. Daher gehen wir keine Listenverbindung mit anderen Parteien ein und unterstützen keine Kandidaten von Mitbewerbern.“
Grüne Bamberg-Land: „ganz klar“ mit eigenem Kandidaten oder -kandidatin
Auch Bündnis 90/Die Grünen im Landkreis wollen als zweitstärkste Kraft im Kreistag „ganz klar“ einen oder eine Landratskandidatin ins Rennen schicken. Doch das habe noch Zeit, erklärt Sprecher Tim-Luca Rosenheimer. „Wir haben noch ein ganzes Jahr Arbeit in den Kommunalparlamenten vor uns, diese Arbeit muss konstruktiv weitergehen, ohne dass jetzt schon ein Jahr im Voraus auf Wahlkampfmodus geschaltet wird. Aus diesem Grund wird unsere Nominierungsveranstaltung zu einem späteren Zeitpunkt in diesem Jahr stattfinden.“
Kreisvorstand und Kreistagsfraktion würden den Prozess vorbereiten. „In unserer basisdemokratischen Partei entscheiden aber die Mitglieder ohne Vorfestlegung.“ Sollte Maciejonczyk bestätigt werden, gratulieren die Grünen „schonmal im Vorhinein“ und freuen sich „auf einen fairen, inhaltlichen Wahlkampf“.
Für die Freien Wähler (FW) im Kreistag erklärt Fraktionsvize Georg Kestler, Fraktion und Kreisverband befänden sich in ersten Gesprächen für die Kandidaten- und Listenaufstellung. Als Landratskandidat komme für die Freien Wähler „ein Kreis von etwa vier Personen“ infrage. Vermutlich werde es zwei Nominierungsversammlungen geben: eine für den oder die Spitzenkandidatin und eine danach – im Herbst – zur Aufstellung der Kandidatenliste für den Kreistag, so Kestler.
SPD steht auch in Kontakt mit „Menschen aus der Wirtschaft“ als Landratskandidat
SPD-Kreistagsfraktionsvorsitzender Jonas Merzbacher schließt eine Kandidatur als Landrat von Bamberg im März 2026 für sich „definitiv“ aus, wie er dem Fränkischen Tag sagt. Die sich abzeichnende Nominierung von Maciejonczyk für die CSU komme nicht überraschend. „Das verändert unseren Zeitplan nicht“, betont der Bürgermeister von Gundelsheim. Bis zur Sommerpause werde die Kreisvorstandschaft der SPD einen Vorschlag für den Gegenkandidaten oder die Gegenkandidatin machen.
Das Rennen sei „absolut offen“. Als geeignete Kandidaten nennt Merzbacher unter anderem den Oberhaider Rathauschef Carsten Joneitis oder MdB Andreas Schwarz. Auch spreche man mit „Menschen aus der Wirtschaft“ über eine mögliche Landratskandidatur für die SPD, „damit es zu einem Politikwechsel und zu einem neuen Politikstil“ komme.
Kalb war 2014 in der Nachfolge von Günther Denzler (CSU) zum Landrat gewählt worden. 2026 tritt der 65-Jährige nicht mehr an. Maciejonczyk ist seit 2014 Rathauschef in Burgebrach und seit 2020 weiterer stellvertretender Landrat. Zudem führt er als Kreisvorsitzender den rund 2000 Mitglieder starken CSU Kreisverband Bamberg-Land.
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