Gäbe es das Politbarometer auf Landkreisebene, würde Landrat Hermann Ulm wohl an der Spitze stehen. Mindestens aber unter den Top 3. Dass er nun aus gesundheitlichen Gründen nach dieser Amtszeit Schluss machen will, hat viele im Landkreis Forchheim erschüttert. Geahnt hatten es manche vielleicht, erschüttert sind sie dennoch. Mindestens seine Freunde und Weggefährten, darüber hinaus sogar weniger Wohlgesonnene zollen ihm für diesen Schritt nun zu Recht Respekt.
Sein Nein zur erneuten Kandidatur entbindet ihn keinesfalls von den großen Aufgaben, denen er sich als Kreisverwaltungs-Chef in den kommenden knapp anderthalb Jahren bis zur Kommunalwahl 2026 noch stellen muss. Das weiß er und das sagt er auch. Ganz im Gegenteil stehen große Hürden bevor; die klammer werdenden Kassen der Landkreiskommunen auszuhalten, ist nur ein Beispiel.
Hermann Ulm will noch weitermachen bis 2026 – und dann?
Dass Ulm trotz eingeschränkter Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit, wie er selbst zugibt, bis zum Ende der Legislaturperiode weitermachen wolle, spricht für ihn. Dennoch feuert das so emotionale wie ehrliche Statement die Gerüchteküche an, wer seinen Landratssessel im Frühjahr 2026 übernehmen wird. Spätestens.
So viel vorweg, Stand heute sind lediglich Spekulationen möglich. Die Parteichefinnen und -chefs der infrage kommenden Parteien wollen und können sich so früh nach Ulms Ankündigung noch nicht der Frage nach einer Kandidatin oder einem Kandidaten stellen. Michael Hofmann, neben seinem Landtagsmandat auch Kreisvorsitzender der CSU, formuliert das so: „Wir sollten uns jetzt die Zeit nehmen und durchschnaufen, statt Spekulationen über mögliche Kandidaten anzustellen.“ Ähnlich schallt das quer durch die Parteienlandschaft.
Michael Hofmann und Thorsten Glauber mit Ambitionen?
Und doch lohnt sich ein Blick in die Glaskugel. Denn potenzielle Persönlichkeiten gäbe es einige im Landkreis. Da wäre beispielsweise Hofmann selbst.
Er sowie Freie Wähler-Zugpferd und Bayerns Staatsminister für Umwelt und Verbraucherschutz Thorsten Glauber sind nicht nur die bekanntesten Politiker in und um Forchheim. Beide verbindet bereits eine familiengeschichtliche Bande väterlicherseits mit dem Landratsamt. So hatte Reinhardt Glauber (FW) 1996 das Duell gegen Walter Hofmann (CSU-Landtagsabgeordneter von 1982 bis 2003) gewonnen und den 32 Jahre lang amtierenden CSU-Landrat Otto Ammon abgelöst.
Am spannendsten ist die Nachfolge-Frage freilich bei den Christsozialen. Hermann Ulm ist gerade einmal 48 Jahre alt, ein Weiter-so mit ihm hätte der Partei möglicherweise viele Jahre lang internes Personalpoker erspart. Dass Michael Hofmann den Versuch seines Vaters 30 Jahre später wiederholt, gilt als unwahrscheinlich. Seit 2013 holt Hofmann für die CSU wie sein Vater einst kontinuierlich das Direktmandat für den Landtag, arbeitete sich gar bis zum Parlamentarischen Geschäftsführer seiner Fraktion hoch. Ein Umzug vom Maximilianeum an den Streckerplatz?
Glaskugel-Fazit: Sehr unwahrscheinlich
CSU mit großen Chancen auf Landratsposten – viele Möglichkeiten
Doch die CSU kann im Landkreis neben Michael Hofmann auf weitere bekannte und beliebte Gesichter bauen. Da wären die jetzige Stellvertreterin Rosi Kraus, die sich bereits während der mehrmonatigen krankheitsbedingten Auszeit Ulms ihre Sporen als Interimschefin verdient hatte. Da wären zudem einige ambitionierte Bürgermeister wie Heroldsbachs Benedikt Graf von Bentzel sowie Martin Walz aus Neunkirchen. Da wären einige Forchheimer CSU-Granden sowie weitere verdiente Kreistagsmitglieder wie Ulrich Schürr und Bauern-Kreisobmann Hermann Greif. Und und und.
Hätte, könnte, wollte jemand von Ihnen? Kreis-Chef Michael Hofmann schweigt sich aus. Vorerst, denn zuvorderst gelte es noch, die Respektphase abzuwarten, um nicht gleich nach Ulms Entscheidung in den Wahlkampfmodus zu schalten. Und: Im Februar steht die Bundestagswahl an, auf die die CSU (und alle anderen Parteien) ihre Kraft setzen wollen.
Glaskugel-Fazit: spannend
Wollen es die Freien Wähler wieder einmal versuchen?
Was den Blick auf die weitere Parteienlandschaft Forchheims lenkt. Seit dem Zweiten Weltkrieg hatte es im Landkreis Forchheim fast immer einen CSU-Landrat gegeben. Abgesehen von Reinhardt Glauber (1996 bis 2014). Wie im Falle Hofmann ist ein Ansinnen Thorsten Glaubers, der – im Falle einer Fortführung der schwarz-orangen Koalition in München – als sicherer Mann im Kabinett gilt, ebenso unwahrscheinlich.
Auch ist längst nicht klar, ob die Freien Wähler überhaupt Ambitionen hegen. FW-Kreisvorsitzender Manfred Hümmer wiegelt vorerst ab. Man führe Gespräche und könne noch nichts sagen. Aussichtsreiche, mindestens aber beliebte und fleißige Freie Wähler hätte er einige in petto. Beispielsweise zu nennen wären die Bürgermeisterinnen Christiane Meyer (Ebermannstadt) und Elisabeth Simmerlein (Pinzberg), aber auch Hümmer könnte auf die Idee kommen.
Glaskugel-Fazit: nebulös
Reiner Büttner von der SPD könnte neuen Versuch unternehmen
Dann gibt es noch die Sozialdemokraten. Der SPD-Mann Reiner Büttner hatte es 2020 versucht, Ulm herauszufordern, ist aber krachend gescheitert (mehr als 76 Prozent stimmten für Ulm). Ein neuer Versuch? Er müsse das ausführlich mit seiner Familie beraten und überhaupt entscheide das die Partei, schreibt Büttner auf Anfrage. Wen stattdessen und ob die SPD überhaupt jemanden aufstellen wird, bleibt offen. Co-Kreisvorsitzende Alexandra Prechtel sagt, die Genossinnen und Genossen wollten sich noch nicht in die Karten schauen lassen.
Glaskugel-Fazit: 40:60
Grüne Lisa Badum oder ein gemeinsamer Kandidat?
Ähnlich klingen die anderen Parteien. Beispielsweise für die Grünen sagt Matthias Striebich, Fraktionssprecher im Kreistag, dass man sich intern und mit möglichen Partnern austauschen werde, ob man jemanden ins Rennen schicken möchte. Prominenteste Möglichkeit wäre wohl die Bundestagsabgeordnete Lisa Badum, deren Wiederwahl für Berlin den aktuellen Wahlumfragen zufolge zumindest nicht zementiert ist. Sie ist überdies als Kreisrätin erfahren und kennt die Region. Ob Interesse bestünde? Selbst wenn, würde sie es mit Sicherheit nicht vor der Bundestagswahl verkünden.
Glaskugel-Fazit: möglich, aber wenig wahrscheinlich
FDP hätte nur einen Promi in der Region: Sebastian Körber
Ebenfalls von der Bundestagswahl abhängig wäre - wenn überhaupt - ein Engagement der FDP. Der Kreisvorsitzende Tobias Lukoschek sagt auf Anfrage, man habe sich noch nicht festgelegt, wie man mit der Wahl 2026 umgehen wolle. Einziger möglicher Kandidat mit Promi-Charakter wäre Sebastian Körber. Der könnte immerhin Zeit haben, der folgenreiche Skandal um das Bekanntwerden eines detaillierten FDP-Papiers zum Ausstieg aus der Ampel-Koalition dürfte das Abschneiden der FDP bei der Bundestagswahl 2025 und damit Körbers Chancen auf ein Mandat in Berlin nicht befeuern. Bleibt die Frage, ob er stattdessen probieren könnte, Landrat zu werden.
Glaskugel-Fazit: ebenso möglich, aber ebenso wenig wahrscheinlich
AfD könnte es probieren, blieb aber wohl isoliert
Dass eine der Parteien jemanden ins Solo-Rennen um die Landratswahl schickt, wäre riskant. Nur jemand, der oder die einen Großteil der Parteienlandschaft hinter sich vereint weiß, hat überhaupt eine Chance gegen die in der Region übermächtig wirkende CSU. Zuzutrauen wäre zumindest der Versuch höchstens der AfD, zumal davon auszugehen ist, dass weder jemand ihre Unterstützung in Anspruch nehmen möchte noch jemand einen möglichen AfD-Kandidaten unterstützen wird.
Glaskugel-Fazit: eigener Kandidat beinahe sicher
















