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Ampel-Aus, Trump & Haushalt
IHK-Präsident Waasner: „Brauchen Gerhard-Schröder-Moment“
Michael Waasner ist nicht nur Unternehmer. Der Forchheim sitzt der IHK Oberfranken als Präsident vor. Im Exklusiv-Interview mit fraenkischertag.de spricht er über die aktuellen Herausforderungen der lokalen Wirtschaft.
Michael Waasner ist nicht nur Unternehmer. Der Forchheimer sitzt der IHK Oberfranken als Präsident vor. Im Exklusiv-Interview mit fraenkischertag.de spricht er über die aktuellen Herausforderungen der lokalen Wirtschaft. // Martin Landeck
Forchheim – Michael Waasner ist Forchheimer Unternehmer und Präsident der IHK für Oberfranken. Im Interview spricht er über das Ampel-Aus, die US-Wahl und was die lokale Wirtschaft jetzt am dringendsten braucht.

Die deutsche Wirtschaft kommt aktuell kaum zur Ruhe. Das gilt ebenso für die heimischen Betriebe. Wie die aktuellen Unsicherheiten durch das überraschende schnelle Aus der Regierungskoalition sowie die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten befeuert werden und welche Impulse die Firmen im Landkreis Forchheim dringend brauchen, erklärt der Präsident der IHK für Oberfranken Bayreuth Michael Waasner im Exklusiv-Interview mit unserer Redaktion. 

Michael Waasner, geboren 1971 in Forchheim, verheiratet und Vater zweier Kinder, wurde 2022 zum Präsidenten der Industrie- und Handelskammer (IHK) für Oberfranken Bayreuth gewählt. Seit 2008 leitet der promovierte Physiker das mittelständische Familienunternehmen Gebr. Waasner Elektrotechnische Fabrik in Forchheim. 

Michael Waasner leitet seit 2008 das mittelständische Familienunternehmen Gebr. Waasner Elektrotechnische Fabrik GmbH, das 1946 durch die Brüder Kurt und Bruno Waasner gegründet wurde. 2022 wurde er zum Präsidenten der IHK für Oberfranken gewählt.
Michael Waasner leitet seit 2008 das mittelständische Familienunternehmen Gebr. Waasner Elektrotechnische Fabrik GmbH, das 1946 durch die Brüder Kurt und Bruno Waasner gegründet wurde. 2022 wurde er zum Präsidenten der IHK für Oberfranken gewählt. // Martin Landeck

Michael Waasner, Präsident der IHK Oberfranken Bayreuth, im Interview

Herr Waasner, die Stimmung in der Wirtschaftsregion Forchheim ist derzeit so schlecht wie seit Jahren nicht, das zeigt die aktuelle Herbst-Befragung der IHK. Ist es wirklich so schlimm?

Michael Waasner: Definitiv. Die Geschäftslage spiegelt harte Zahlen wider. 40 Prozent der Befragten ordnen die Lage als schlecht ein, nur 21 Prozent als gut. In ganz Oberfranken geben nur 24 Prozent der Unternehmen die Lage als schlecht an. Da sind wir in Forchheim in einer besonderen Lage.

Was ist passiert?

Das können wir im Einzelnen gar nicht sagen, weil das die aggregierte Lage aus den Unternehmen ist. Was wir aber sehen, ist, dass sich gerade das Auftragsvolumen aus dem Ausland negativ entwickelt hat. Kein Befragter bewertet die Entwicklung mit gut. Forchheim ist stärker abhängig vom Export als viele andere Regionen in Oberfranken. Das Problem am Standort Deutschland liegt an der fehlenden internationalen Wettbewerbsfähigkeit.

Wegen der Automobilwirtschaftskrise oder hängen weitere Faktoren damit zusammen?

Es betrifft generell die Exportwirtschaft. Hinzu kommen die niedrigen Investitionen in Deutschland. Ein Standort, der stark davon abhängt, dass andere investieren, merkt das besonders stark.

Warum investieren unsere Firmen hier so wenig? 

Am Standort Deutschland fehlt die Zuversicht. In die Auslandsstandorte investieren viele Unternehmen, nach Deutschland wenig. Deshalb ist die Nachfrage nach Investitionsgütern geringer, was wiederum unsere lokale Wirtschaft belastet.

Sie fordern „Planungssicherheit durch eine berechenbare Wirtschaftspolitik“, stattdessen erodiert aktuell die Bundesregierung. Was heißt das Ampel-Aus für die Wirtschaft vor Ort?

Die Wirtschaftsvertreter sind dafür, schnell in Neuwahlen zu gehen, um möglichst schnell wieder eine handlungsfähige Regierung zu haben, die auf einer Mehrheit im Bundestag fußt. 

Egal, welche Mehrheit?

Natürlich eine Mehrheit, die tendenziell wirtschaftsfreundliche Entscheidungen trifft. 

Michael Waasner: „Wir müssen uns wieder stärker um die Wettbewerbsfähigkeit kümmern“.
Michael Waasner: „Wir müssen uns wieder stärker um die Wettbewerbsfähigkeit kümmern“. // Martin Landeck

Welche Impulse braucht es aus Berlin?

Wir müssen uns wieder stärker um die Wettbewerbsfähigkeit kümmern. Hebel sind die Themen Energiekosten und Bürokratie, weil die alle Unternehmen betreffen. Hinzu kommt, dass wir sowohl bei der Verkehrsinfrastruktur als auch der digitalen Infrastruktur weit zurückgefallen sind. 

Klingt nach einem unrealistischen Wunschzettel… 

Ich denke, das Problem ist von vielen erkannt. Und es sind keine unberechtigten Wünsche. Das brauchen wir, damit die Wirtschaft wieder erstarken kann. Und: Der Sozialstaat kann nur durch eine starke Wirtschaft finanziert werden. Ist deren Ergebnis rückläufig, müssen auch andere Ausgaben inklusive der Sozialausgaben rückläufig sein. Das könnte uns dann tatsächlich in Schwierigkeiten bringen.

Es kommt noch dicker: Nach Einschätzung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) werden die Pläne der neuen US-Regierung unter Donald Trump das Wachstum in Deutschland schwerwiegend schwächen, etwa die geplanten Einfuhrzölle. Wie sorgenvoll schauen Sie aktuell nach Washington?

Die Unsicherheit, die unter einem Präsidenten Trump zu erwarten sein wird, treibt viele um. Trump wirbt damit, dass er schwer einschätzbar ist. 77 Prozent der oberfränkischen Firmen mit Kontakten in die USA gehen davon aus, dass sich ihre Geschäftsbeziehungen unter Trump verschlechtern werden. Das gründet sich auf die Ankündigungen auf Zölle und Handelshemmnisse. 

Zudem müssen wir nun erwarten, dass es in der großen geopolitischen Rivalität mit China deutlich mehr Druck auf Deutschland geben wird. Also Druck, sich von China unabhängiger zu machen. Das wird für die Wirtschaft ein unlösbares Problem darstellen. 

Jedes dritte Unternehmen in der Region rechnet mit einer Abnahme seiner Beschäftigtenzahl. Müssen wir uns nun auch noch um unsere Arbeitsplätze sorgen?

Lange Zeit hat man über das Thema nicht geredet, weil der Fachkräftemangel im Vordergrund stand. Umso länger die schlechte wirtschaftliche Entwicklung andauert, desto stärker rückt das Thema in den Vordergrund. Null Prozent gehen laut der IHK-Umfrage von einer besseren Beschäftigtenentwicklung aus, 29 Prozent von einer schlechteren.

Das ist für eine Rezession zwar nicht ungewöhnlich. Aber man ist vorher davon ausgegangen, durch den Fachkräftemangel kein Personal abzubauen. Doch jene Unternehmen, die tatsächlich weniger Umsatz machen, müssen ihre Kapazitäten anpassen. Und das heißt dann, dass die Beschäftigtenzahlen zurückgehen. Das wird uns noch eine Weile begleiten.

Das macht wenig Mut…

Ich glaube, dass unsere Industrie eine gute Position hat. Die Politik darf uns durch ihre Maßnahmen und Auflagen keine Beine mehr stellen und Bleigewichte um den Hals hängen, sondern wirtschaftsfreundliche politische Entscheidungen endlich in den Vordergrund rücken.

Wie ließen sich denn Beschäftigungszahlen in der Region langfristig sichern? 

Durch Investitionen gelangt man zu einer höheren Produktivität. Nur wenn wir innovationsfreudiger werden, können wir wettbewerbsfähiger werden. Abschauen können wir uns da einiges, beispielsweise aus China.

Generell brauchen wir jetzt wieder so eine Art Gerhard-Schröder-Moment in der Politik, der uns für mehr als ein Jahrzehnt lang eine gute wirtschaftliche Entwicklung und hohe internationale Wettbewerbsfähigkeit gebracht hat.

Das müssen Sie erklären.

Es müsste der Mut bestehen, wieder eine wirtschaftsfreundliche Politik zu betreiben. Die Stimmung in den Unternehmen würde steigen, ebenso der Mut, wieder in die deutschen Standorte zu investierten. 

Oberfrankens IHK-Präsident (links) im Gespräch mit FT-Reporter Stephan Großmann.
Oberfrankens IHK-Präsident (links) im Gespräch mit FT-Reporter Stephan Großmann. // Martin Landeck

Schafft eher ein Olaf Scholz oder ein Friedrich Merz einen solchen Schröder-Moment?

Gute Frage, Schröder selber würde es ja nicht mehr schaffen. Losgelöst von den Namen: Wenn wir uns einig sind, dass wir das machen wollen, dann kriegen wir das hin.

Noch etwas muss Forchheim aktuell hinkriegen, und zwar das gigantische Haushaltsloch stopfen, das wegen der Rückzahlung von Gewerbesteuern in Millionenhöhe entstanden ist. „Ich wäre vorsichtig, deren Höhe auf dem jetzigen Level einfach in die Zukunft fortzuschreiben“, sagten Sie bereits vor zwei Jahren in einem FT-Interview. Warum hat die Stadt Ihre Warnung ignoriert?

Die Gewerbesteuer ist eine Größe, die sehr stark schwankt, weil sie von den Gewinnen der Unternehmen abhängt. Man sollte sich nicht darauf verlassen, dass es immer auf dem Niveau bleibt. Das hat sich jetzt deutlich gezeigt. Forchheim hat viele große Investitionsprojekte zu stemmen oder gestemmt in den letzten Jahren. Aber für eine langfristig nachhaltige Finanzierung muss man das anders angehen. Heißt: Bei fixen Kostenpositionen darf man sich nicht auf die Gewerbesteuern verlassen.

Es gäbe noch eine Idee zum Gegensteuern. So fordert beispielsweise die SPD-Fraktion im Forchheimer Stadtrat, die Gewerbesteuerhebesätze von 350 auf 380 Prozentpunkte anzuheben. Wie sehen Sie das?

Steuererhöhungen in eine Rezession hinein sind Gift für die Wirtschaft. Das würden wir ganz negativ sehen. Weil wir schon erwarten, dass man bei dem extrem stark gestiegenen Gesamtaufkommen mit dem bisherigen Hebesatz auskommen sollte. Jetzt für alle die Steuern zu erhöhen, wäre kontraproduktiv. Das würde dieses Thema, dem Standort Deutschland zu misstrauen, deutlich vertiefen, weil man dann auch dem Standort Forchheim misstraut.

Wie können Unternehmen anderweitig ihren Teil dazu beitragen, die finanzielle Zukunft Forchheims zu retten?

Sie müssen selbst erfolgreich sein und ihre Mitarbeitenden daran teilhaben lassen, das sind die wichtigsten Punkte. Ansonsten helfen die Unternehmen und beispielsweise auch die IHK mit, den Standort innovativ und damit wettbewerbsfähig aufzustellen. 

Zu all dem Gesagten kommen gewachsenen Krisen, die ohnehin seit Jahren schwelen: Corona-Nachwehen, Fachkräftemangel und Digitalisierungsstau beispielsweise: Haben Sie zum Abschluss noch eine gute Nachricht?

Eine gute Nachricht ist sicher, dass beispielsweise wir als Firma Waasner im nächsten Jahr wieder investieren werden in eine weitere Produktionslinie für den Bereich Elektromobilität. Darüber hinaus gibt es einige Unternehmen, die an Forchheim glauben und den Standort weiterentwickeln wollen.

Herr Waasner, wir danken Ihnen für das Gespräch.

 

 

 

 

 

 

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