Hier die Produktionshalle, dort die Büros, die Lagerräume, die Teeküche. Wer mit Armin Leicht dieser Tage am Breitweidig 11 im Forchheimer Süden spazieren geht, wähnt sich bereits in der fertigen Fabrik. Wo Leichts IBL Löttechnik GmbH später einmal gigantische Lötanlagen produzieren soll, zieht es aktuell allerdings noch rein. Die Wände stehen schon größtenteils, nur gibt es noch kein Dach. Aber der Bau biegt auf die Zielgerade ein.
„Wir hoffen, im März 2025 mit der Produktion beginnen zu können“, sagt der IBL-Geschäftsführer Armin Leicht. Ab dann werden sogenannte Dampfphasen-Lötanlagen das neue Forchheimer Werk verlassen. Ihr Ziel: mehr als 70 Länder weltweit. Die spezielle Methode ist besonders gefragt in der Elektrotechnik, aber auch in Bereichen wie der Weltraum-, Flugzeug-, Medizintechnik oder der E-Mobilität.
IBL Löttechnik: Königsbrunn reicht nicht mehr, nun auch Forchheim
Weil die Produktionskapazität im Hauptwerk in Königsbrunn bei Augsburg nicht mehr ausreicht, baut IBL nun ein Werk in Forchheim. Die Idee, sich in Forchheim niederzulassen, hatte bereits Armin Leichts Vater und Firmengründer Helmut Leicht im Jahr 2010. Er kaufte im Gewerbegebiet Breitweidig ein 20.000 Quadratmeter großes Grundstück, auf dem er einen „Technik Campus“ errichten wollte. Schritt eins war die Ansiedlung der Firma Assdev, die mithilfe von IBL-Technik unter anderem IT-Komponenten herstellt.
Dann gingen die Jahre ins Land, die Coronajahre torpedierten schließlich die Planungen für ein neues IBL-Werk. Im April dann der erste Meilenstein: Leicht feierte gemeinsam mit lokalen Spitzen aus Politik und Wirtschaft den Spatenstich. Und es geht voran. Zwar wie bei den meisten Bauprojekten langsamer als gedacht, eigentlich sollte das Werk bereits seit Oktober in Betrieb gegangen sein. „Aber am 1. März 2025 wollen wir endlich starten“, sagt Leicht.
Gewerbegebiet Breitweidig: Hälfte der Halle wird vermietet
Das Objekt misst etwa 6000 Quadratmeter, den Großteil davon nimmt die gut sieben Meter hohe Produktionshalle mit knapp 5500 Quadratmetern ein. Allerdings wird die IBL Löttechnik GmbH lediglich die Hälfte der Fläche einnehmen. „Wir teilen die Halle noch einmal mit Ständerwänden auf. Wir selbst werden auf 3000 Quadratmetern produzieren und vermieten den anderen Teil des Komplexes mindestens für zehn Jahre“, sagt Leicht. Noch gebe es keinen Untermieter, aber Gespräche liefen bereits, so Leicht.
30 neue Arbeitsplätze für Forchheim geplant
An seinem Stammsitz in Königsbrunn sowie einer Dependance im US-amerikanischen Florida beschäftigt Armin Leicht derzeit insgesamt 40 Menschen. In Forchheim sollen noch einmal knapp 30 Arbeitsplätze hinzukommen. Gefragt sind unter anderem CNC-Zerspanungsmechaniker, Mechatroniker und Elektriker, aber auch Büro- und Lagerfachkräfte. „Wir werden unsere freien Stellen wohl noch im November ausschreiben“, erzählt Leicht. Perspektivisch kommt noch die Abteilung Entwicklung hinzu.
Sehr viele Mitarbeitende und Platz braucht Leicht für die Fertigung seiner Lötanlagen nicht, dafür umso mehr Know-how. Das liege laut Leicht daran, dass die Maschinen komplexe Gebilde seien, für die lange Fertigungszeiten nötig sind. „Für ein Tischgerät, etwa für ein Labor, brauchen wir zwei bis drei Wochen. An einer der bis zu sieben Meter langen Maschinen arbeiten wir sogar mehrere Monate.“ Beginnen soll es im März allerdings erst einmal mit den kleinen Produkten; erst Schritt für Schritt wolle er hochfahren.
Neues IBL-Werk mit nachhaltigem Energiekonzept
Das Gebäude werde laut Klaus Damovsky vom Architekturbüro dA Gewerbe Plan aus den eigenen Ressourcen und Sonnenenergie versorgt. Demnach werden große Fensterflächen natürliches Licht in die Fertigung bringen, um Strom für Beleuchtung zu sparen. „Ein intelligentes Heiz- und Kühlkonzept nutzt eigene Ressourcen aus der Produktion und Umwelt und setzt diese zum Heizen und Kühlen des Gebäudes ein“, so Damovsky. Zudem wird es drei große Wärmepumpen geben, die unter anderem die Fußbodenheizung selbst in der Fertigung versorgen. 2025 wird noch eine Photovoltaikanlage ergänzt.
Helmut Leicht hat die IBL-Löttechnik GmbH 1987 gegründet und schnell das Potenzial der Dampfphasen-Technologie erkannt. Der 35-jährige Armin Leicht führt die Firma seit 2017 als Geschäftsführer und wagt mit dem Bau einer zweiten großen Produktionsstätte in Forchheim den nächsten großen Wurf. Immerhin knapp sieben Millionen Euro nimmt er dafür in die Hand. „Potenzial für Wachstum ist da“, sagt er. „Dafür müssen und wollen wir nun diesen Schritt gehen.“
Standort Forchheim nicht zufällig gewählt
Sich in Forchheim und im Gewerbegebiet Breitweidig anzusiedeln, war kein Zufall. Und zwar nicht nur wegen der Nähe zur Autobahn. Gleich neben der Firma Assdev als einem Kunden der ersten Stunde zu bauen und weitere Abnehmer in unmittelbarer Nähe zu wissen, gefällt dem IBL-Chef. Und perspektivisch soll gar der dritte Baustreich folgen. Geplant ist ein etwa 40 Meter hoher Tower, der einmal ein Technologiecenter mit „viel Raum für Innovation, Fertigung und Entwicklung“ beherbergen soll.
Doch Schritt für Schritt. Erst einmal freut er sich darauf, dass er zum Richtfest am 15. November wieder hohe Gäste begrüßen darf. Und dass Mitte 2025 die ersten in Forchheim gebauten Dampfphasenlötanlagen das Werk verlassen können.
















