Für die meisten Menschen beginnt ein gelungener Sonntag mit einem üppigen Frühstück, bestenfalls mit der Familie und frischen Backwaren. Werden die auch noch bequem an die Haustür geliefert, ist für viele das Glück perfekt. Die Geschäftsidee ist nicht neu, doch nun will sich ein neuer Lieferservice im Landkreis Forchheim etablieren. Dessen Versprechen: flexibel frühstücken.
Brötchen liefern: Semmelprinz alias Dominik Kriegel
Dominik Kriegel hat derzeit alle Hände voll zu tun. Vor zwei Jahren hatte es sich der 31-jährige Fürther noch nicht träumen lassen, dass er einmal so seine Brötchen verdienen wird. Kriegel hat den Brötchenlieferdienst Semmelprinz.de (externer Link) 2022 gegründet und seither stetig expandiert. Zuletzt hatte er sein Gebiet etwa auf Hirschaid und Strullendorf ausgeweitet. Seit ein paar Tagen liefern seine Beschäftigten (vorerst nur samstags und sonntags) auch frische Backwaren nach Forchheim, Eggolsheim und Hallerndorf. Weitere Gemeinden wie etwa Hausen sollen folgen.
„Vor allem an Sonntagen haben die Leute oft keine Lust, zu einer wenigen geöffneten Bäckereien zu fahren“, erklärt Kriegel. „Da kommen wir ins Spiel.“ Das Prinzip ist einfach: Die Kunden registrieren sich einmalig über die Internetseite Semmelprinz.de und stellen im Online-Shop aus dem Sortiment ihre Bestellung zusammen. Am genannten Tag werden die Backwaren dann nach Hause geliefert. Das Sortiment umfasst klassische Backwaren wie Brot und Brötchen, hinzu kommen Gebäckstücke und Snacks.
Landkreis Forchheim: Produkte kommen von Bäckerei Burkard
Kriegel ist es wichtig, regionale Anbieter ins Boot zu holen. Aktuell arbeitet er für sein stetig wachsendes Liefergebiet mit drei Bäckereien zusammen. Hier in der Region können Kunden auf die Produkte der Bäckerei Burkard aus Pommersfelden zurückgreifen. Nach Bestellschluss plant Kriegel die Touren, druckt Etiketten und beschriftet die Tüten. Etwa vier Uhr nachts holen seine Fahrer die bestellte Menge bei der Bäckerei ab, dann verpacken sie die Einzelbestellungen und liefern sie aus. „Bis spätestens 8.30 Uhr haben unsere Kunden ihre Brötchen dann zu Hause“, so Kriegel.
Was die Brötchen beim Lieferservice kosten
Aufschläge oder Ähnliches müssen die Kunden indes nicht bezahlen. Die Brote und Brötchen kosten exakt so viel wie in der Auslage der Bäckerei. Einzig eine Liefergebühr (1,99 Euro an Wochenenden) fällt an sowie möglicherweise Trinkgeld für die Fahrer. Bezahlt werden kann via PayPal, Überweisung oder Lastschrift. „Wir verdienen unser Geld damit, dass wir von den Bäckereien Rabatte beim Einkauf der Waren erhalten“, erklärt Kriegel. „Mit den Liefergebühren bezahlen wir im Großen und Ganzen unser Fahrpersonal.“
Das Geschäft brummt, seit Start hat Semmelprinz bereits mehr als eine Million Brötchen verkauft. Das freut nicht nur die Partnerbäckereien wie Gabriele Burkard. „Wir befruchten uns gegenseitig“, sagt sie. „Wir können dadurch unsere Absätze vergrößern, weil wir nun auch Regionen kennenlernen, wo wir gar keine Filiale haben.“ Semmelprinz-Chef Dominik Kriegel hat wegen des beinahe unerwartet raschen Wachstums seiner Firma nun sogar seinen Job als Elektro-Ingenieur bei einem großen Automobilzulieferer an den Nagel gehängt.
Vom Elektro-Ingenieur zum Brötchenlieferanten
Wie so oft bei Firmengeschichten fängt es auch beim Semmelprinzen mit einem Zufall an. Als Kriegel mit seiner Familie 2020 aus der Stadt in den Landkreis Fürth zieht, muss er plötzlich auf eine wohnortnahe Bäckerei verzichten. Schnell reifen der Gedanke, das so nicht hinnehmen zu wollen, und die Idee, einen Lieferservice zu etablieren.
Weil die ersten Versuche in Fürth sofort fruchten und Anfragen aus anderen Städten und Gemeinden folgen, beliefert er heute nicht mehr nur große Städte wie Nürnberg und Fürth, sondern erobert auch ländlichere Gegenden wie nun eben den westlichen Landkreis Forchheim. Fuhr er anfangs noch selbst, beschäftigt er mittlerweile mindestens ein Dutzend Angestellte.
Semmelprinz, Morgengold und andere teilen sich den Markt
„Natürlich schauen wir, dass wir in Zukunft noch weiter wachsen. Aber es soll gesund vonstattengehen, sodass wir die Anforderungen weiterhin als inhabergeführtes Unternehmen schaffen können“, sagt Kriegel. Wie bereits angesprochen, gibt es bereits andere Anbieter auf dem Brötchenliefer-Markt. Seit mehr als 30 Jahren etabliert ist etwa die Stuttgarter Franchise-Marke Morgengold, die eigenen Angaben zufolge etwa 150.000 Haushalte in ganz Deutschland und Österreich versorgt.
„Das ist nicht unser Ziel“, sagt Kriegel. Auch sei das Bestellkonzept „der Großen“ ein ganz anderes. Während es bei Morgengold etwa ein Abo-Modell und einen monatlichen Mindestbestellwert gibt, will Kriegel gänzlich auf Flexibilität setzen. So gebe es weder Abo- noch Vertragsverpflichtungen, sagt er. „Ob Sie nun jeden Sonntag ein paar Brötchen oder nur einmal an Weihnachten für die gesamte Familie bestellen wollen, ist völlig egal.“
Lieferangebot schreckt Bäckereien nicht sehr auf
Lieferdienste generell und vor allem für Brötchen stoßen gerade in ländlichen Regionen in Zeiten, in denen die Versorgung mit frischen Backwaren zusehends schwieriger wird. Immer wieder hören etablierte Betriebe auf, etwa weil ein Nachfolger oder die Kundschaft fehlt.
Für die Handwerksbäcker erkennt der hiesige Obermeister, der Bamberger Bäcker Alfred Seel, Lieferdienste wie den Kriegels allerdings nicht als Konkurrenz. Vor allem sonntags hätten die meisten kleinen Betriebe ohnehin nicht geöffnet, als schlimmer empfindet er die vielen Backautomaten in den Supermärkten. „Und die meisten treuen Bäckerkunden kommen weiterhin gerne selbst in den Laden“, so Seel.
Kriegel erlebt sogar das Gegenteil, nicht selten erreichten ihn Anfragen von weiteren Bäckereien, die gerne mitmachen würden. Doch aktuell passe sein Lieferanten-Konzept. Einzige weitere Fahrer könne er stets gebrauchen. Die Zahl der belieferten Gebiete wächst. Und der nächste Sonntag steht bereits vor der Tür.

















