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Leckeres aus der Fränkischen
Rösterei Röstmal: Zu Besuch bei Gößweinsteins Kaffee-Nerd
Stefan Petzold betreibt seit mehr als einem Jahr die Kaffeerösterei Röstmal in Gößweinstein. Seine Mission: Leidenschaft für Kaffee wecken. Sein Fazit: Es funktioniert.
Stefan Petzold betreibt seit mehr als einem Jahr die Kaffeerösterei Röstmal in Gößweinstein. Seine Mission: Leidenschaft für Kaffee wecken. Sein Fazit: Es funktioniert. // Stephan Großmann
Gastronomie
Gößweinstein – Bei Stefan Petzold wird Kaffee zur Kunst. In seiner Rösterei Röstmal in Gößweinstein führt der 40-Jährige seine Gäste in die Geheimnisse des liebsten Getränks der Deutschen ein.

Das Klackern ist Musik in Stefan Petzolds Ohren. Sechs Kilogramm Kaffeebohnen fallen aus dem Trommelröster auf den Abkühlbehälter. Dort werden sie unter ständigem Rühren kalter Luft ausgesetzt, keinesfalls soll das penibel austarierte Röstaroma durch zu viel Restwärme gestört werden. Stefan Petzold begutachtet die Charge, schnuppert, nickt zufrieden und füllt sie in einen der vielen Edelstahl-Behälter um. Wieder klackert es. Währenddessen ist Petzold bereits im Lager verschwunden und holt den nächsten Sack Kaffeebohnen.

Röstmal Gößweinstein: Wo Stefan Petzolds Leidenschaft wohnt

Stefan Petzold, 40 Jahre, alt, steht an diesem trüben Oktobertag in seiner kleinen Kaffeerösterei Röstmal im Herzen von Gößweinstein und erzählt von seiner großen Leidenschaft. Kaffee und allem, was dazugehört. „Ich möchte den Menschen ein bisschen mehr Verständnis für das beste Getränk der Welt mitgeben“, sagt er, der sich selbst als absoluten Kaffee-Nerd bezeichnen würde. Es gibt wohl kaum eine Anekdote aus der Geschichte des koffeinhaltigen Heißgetränks oder einen spannenden Fakt, mit dem Petzold nicht aufwarten kann.

Das Herzstück seiner kleinen Rösterei, der Trommelröster. Darin kann er bis zu sechs Kilogramm Kaffeebohnen auf einmal verarbeiten.
Das Herzstück seiner kleinen Rösterei, der Trommelröster. Darin kann er bis zu sechs Kilogramm Kaffeebohnen auf einmal verarbeiten. // Stephan Großmann

Seine Augen leuchten, wenn er über das Zusammenspiel von Fruchtsäuren und Röstaromen spricht, die jeden einzelnen Kaffee so einzigartig machen. Oder wenn er erklärt, welche chemischen Verbindungen auf der Zunge verantwortlich dafür sind, ob wir einen Kaffee als säuerlich oder blumig wahrnehmen. Über all dies redet er gerne und viel mit seinen Gästen. Vor allem mit jenen, die das Kaffeetrinken wie er selbst auch als Erfahrung begreifen. Als bewusste Erfahrung und nicht nur als wärmendes und wach machendes Beiwerk einer schnellen Mittagspause.

Wallfahrtstouristen in Gößweinstein und Einheimische für Kaffee begeistern

Seit August 2023 gibt es Petzolds kleine Kaffeerösterei nun schon in Gößweinstein. Die Lage könnte besser nicht sein, direkt gegenüber befindet sich Gößweinsteins Wahrzeichen, die Basilika. Ihrer touristischen Magnetwirkung sei Dank braucht sich Petzold in der Regel auch nicht über fehlende Kundschaft ärgern. „Aber ich möchte meinen Kaffee nicht nur den Touristen kredenzen“, sagt er. „Sondern ganz bewusst auch die Genusswelt der Gößweinsteiner beleben.“

Zu seinen Kunden zählen aber nicht nur Café-Fans aus der Fränkischen Schweiz und dem internationalen Wallfahrtstourismus. Ebenso beliefert der 40-Jährige zahlreiche Gastronomen und Zwischenhändler mit seinen Kaffeerösterei-Kreationen. „Für jeden Zweck gibt es die passende Röstung“, erklärt Petzold. „Je nachdem, ob ich einen kräftigen Espresso oder einen veganen Cappuccino bevorzuge.“ Deshalb versucht er stets, verschiedene Bohnensorten vorrätig zu haben, um alle Wünsche erfüllen zu können.

Café und professionelle Kaffeetastings

Darüber hinaus will der vielseitige Vierzigjährige seine Passion und sein Wissen über Kaffee an die Menschen weitergeben. Und zwar nicht nur, während sein Café geöffnet hat. Während einstündiger sogenannter Cuppings(professionellen Verkostungen) erklärt er seinen Gästen, wie guter Kaffee gemacht wird, beantwortet alle weiteren Fragen rund um Kaffee und lässt sie selbstverständlich verschiedene Kaffees verkosten.

Ein ausgebildeter Sommelier oder Barista ist Petzold zwar nicht. „Aber ich beschäftigte mich seit mehr als 20 Jahren professionell mit Kaffee“, erklärt er. „Mit einem Zertifikat würde der Kaffee auch nicht besser schmecken.“ Er lacht. Und erzählt, wie er im Lauf der Jahre von einem leidenschaftlichen Kaffee-Fan zum Vollblut-Profi geworden ist.

Zur Rösterei gehört auch ein kleines Café - mit direktem Blick auf Gößweinsteins Basilika.
Zur Rösterei gehört auch ein kleines Café - mit direktem Blick auf Gößweinsteins Basilika. // Stephan Großmann

Wie Stefan Petzold zum Kaffee-Nerd wurde

Schon sein Großvater habe sich sehr für Kaffee interessiert und Petzolds Interesse an dem Heißgetränk früh geweckt. Schnell las er sich ein, probierte sich aus und trank sich durch die Röstereien Mitteldeutschlands. „Meinen Freunden musste ich dann immer Kaffee kochen, weil er ihnen so gut schmeckte“, sagt er und lacht wieder. „Dann eröffnete ein Freund eine Rösterei. Ein paar Jahre später stieg ich ein und lernte dort ausführlich alles übers Rösten.“

Dann führte eins zum anderen, Petzold und seine Freundin kauften das historische Anwesen in der Balthasar-Neumann-Straße 3 in Gößweinstein und gestalteten gemeinsam die ehemalige Bäckerei zur heutigen Kaffeerösterei um. Monatelange Schufterei später konnte Petzold sein Geschäft im August 2023 dann endlich eröffnen.

Dass der ehemals gut bezahlte Industriemechaniker das Abenteuer Selbstständigkeit nicht in einer größeren Stadt wagen wollte, ist kein Zufall. „Wir wollen auf dem Land leben und mir gefällt es, einen kleinen Ort wie Gößweinstein mit Kaffeekunst zu verwöhnen.“ Die meiste Zeit arbeitet er allein in der Rösterei, doch ganz ohne Hilfe seiner Freundin gehe es nicht. „Immer wenn sie kann, unterstützt sie mich“, sagt er.

4,70 Kilogramm Kaffee verbraucht jeder Deutsche im Jahr

Die Statistik ist ebenfalls auf Petzolds Seite. Kaffee ist nach wie vor das mit Abstand liebste Getränk der Deutschen, knapp 4,8 Kilogramm verbraucht jeder durchschnittlich im Jahr.  Petzold persönlich kommt da sogar auf 30 Kilogramm. „Aber ich trinke auch hauptsächlich meine eigenen Röstungen“, sagt er und lacht zwinkernd. „Die sind verträglicher als viele herkömmliche Supermarkt-Kaffees.“

Gut ein Jahr lang bietet Petzold seine Kaffeespezialitäten in Gößweinstein nun schon seinen Gästen an, zehn Plätze gibt es innen, fünf draußen. Sein erstes Zwischenfazit ist positiv und er hat noch einiges vor. Entlang der Fensterfront soll einmal eine neue Theke her und auch im weiteren Haus stehen weitere Umbauten an. Doch das alles habe Zeit, sagt er. Jetzt bereitet er sich erst einmal auf seine nächste Kaffee-Experience am 19. Oktober vor.

Bis dahin hat er noch einige Säcke ungerösteter Kaffeebohnen vor sich. Dann klackert es wieder in Stefan Petzolds Kaffeerösterei. Und das Klackern bleibt Musik in seinen Ohren.

 

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