Ein Paar, beide um die 50 Jahre, beide in Forchheim aufgewachsen, sind mal wieder in der alten Heimat unterwegs. Sie haben Lust auf einen kleinen Imbiss, doch viele Metzgereien und Bäckereien, die sie aus ihrer Jugend kennen, gibt es gar nicht mehr. Aber wen genau gab es denn damals und wo war der Laden noch mal?
Fast gleichzeitig postet der Forchheimer Gerd Stöhr in einer Facebook-Gruppe: „Es wäre doch mal interessant, wenn man einen Stadtplan erstellen würde, in dem alle ehemaligen Metzgereien, Bäckereien, Milchgeschäfte, und Lebensmittelläden eingezeichnet wären. Es gibt ja fast (keine) mehr.“
Wie die Karte entsteht
In der Redaktion löst die Idee gleich Begeisterung aus. Also, Anruf beim Stadtarchiv. Miriam Mulzer, die sich um die alten Forchheimer Akten kümmert, hat auch gleich eine Idee: „Bäckereien und Metzgereien lassen sich leicht in den Adressbüchern recherchieren.“ Für unsere Redaktion holt sie die alten Bände aus dem Magazin.
Die interaktive Karte mit Forchheims Bäckereien und Metzgereien:
Aus den Daten lässt sich auch ablesen, wie sich das Forchheimer Wirtschaftsleben seit dem Zweiten Weltkrieg verändert hat. Im ersten Nachkriegs-Adressbuch von 1955 sind insgesamt 23 Metzgereien verzeichnet, im Jahr 2024 gibt es laut einer Recherche in den Gelben Seiten und bei einer Suchmaschine noch vier Metzgereien. Im Laufe dieses Jahres hat sich diese Zahl nochmal halbiert: Mittlerweile gibt es in Forchheim nur noch zwei Metzgereien.
Zuletzt hatte Erwin Lang im Mai 2025 seine Metzgerei im Forchheimer Norden geschlossen. Und auch die über 80 Jahre lange Ära der Metzgerei Sendner endete Anfang dieses Jahres.
Gegen die Supermarktketten haben die Metzger kaum eine Chance
Die große Konkurrenz für die Handwerksbetriebe sind die Supermarktketten an den Ausfallstraßen, die seit den 1980er Jahren immer weiter expandieren. Metzger Christian Frank versucht lange, sich dem entgegenzustemmen. Erweitert seine Metzgerei um einen Imbiss, wie der Fränkische Tag 2005 berichtet.
Nachdem die Norma 2011 ihre Filiale am Paradeplatz schließt, bietet Frank neben Fleisch auch Nudeln, Milch oder Butter an. Doch 2020 muss auch er schließen, nach über 100 Jahren. Investitionen in neue Waagen, auf die das Finanzamt zugreifen kann, sind ihm zu viel; die Konkurrenz durch billiges Industriefleisch in den Supermärkten am Stadtrand einfach zu groß.
Heute dominieren Großbäcker das Geschäft
Bei den Bäckereien sagt die Zahl allein nicht viel. 1955 verzeichnet das Forchheimer Adressbuch 23 Einträge, 2024 finden sich in den Gelben Seiten und bei Google immerhin noch 21 Einträge. Doch schaut man auf die Namen zeigt sich vor allem eins: Während es 1955 keine einzige Filiale gibt, dominiert heute das Filialgeschäft.
Ein Trend, der in ganz Deutschland zu beobachten ist. Das belegen auch Zahlen des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks. So ist die Zahl der Betriebe zwischen 2016 und 2023 um mehr als 20 Prozent gesunken. Jeder fünfte Bäcker hat also in den vergangenen zehn Jahren geschlossen. Gleichzeitig ist der Gesamtumsatz von 14,3 Milliarden Euro auf 17,55 Milliarden Euro gestiegen.
Die Großbäcker, die in Forchheim aktiv sind, kommen heute aus Erlangen, Bamberg oder Kalchreuth. In den 1990er Jahren treten sie ihren Siegeszug an. Vorher schwankt die Zahl der Betriebe leicht, mal ändert sich ein Vorname, mal übernimmt auch ein Nachfolger mit anderem Namen ein Geschäft. Mal schließt ein Metzger, mal macht ein Bäcker neu auf.
Im Adressbuch 1989 sind fast nur Handwerksbäcker verzeichnet. Im Jahr 1995 werden nur sieben Bäckereien und drei Metzgereien aufgeführt. Aber vermutlich wurden da nicht alle richtig erfasst. So tauchen etliche Metzger aus dem Jahr 1989 im Jahr 2000 wieder in dem Verzeichnis auf.
Ein Forchheimer Bäcker versucht dagegen zu halten
Doch bei den Bäckereien hat sich das Bild im Jahr 2000 drastisch gewandelt. Plötzlich sind die Großbäcker aus Erlangen und Bamberg in der Königsstadt vertreten – beide mit mehreren Filialen. Der Forchheimer Hans Lieb hat nun ebenfalls vier Filialen. Doch 2009 ist davon nur noch das Stammhaus in der Hauptstraße übrig. 2015 muss Lieb ganz schließen, ein Nachfolger fehlt.
Lediglich zwei Forchheimer Bäckereien backen heute noch selbst. Da ist zum einen Werner Schrüfer. Er führt in Burk die Bäckerei von Ludwig Pfister weiter, die mit der Eingemeindung 1971 zum ersten Mal im Adressbuch auftaucht. Etwa ein Jahr lang war Schrüfer der letzte Bäcker in Forchheim.
Wie Forchheimer das alte Handwerk bewahren
Doch vor gut einem Jahr hat er wieder Gesellschaft bekommen. Die 20-jährige Celina Oligschläger steht in der Bamberger Straße jetzt nachts in der Backstube. Ab 7 Uhr verkauft ihre Mutter das Brot in dem kleinen Laden. Die Hinweisschilder sind auch ein Jahr nach der Eröffnung noch ein wenig improvisiert, auch hat das Brotkörbchen noch kein Schild an der Fassade.
Aber das braucht es anscheinend auch gar nicht. Eine Kundin verlässt lächelnd den Laden. In der Hand hält sie ihren Schatz: eins der Brote Oligschlägers. „Das Brot ist immer noch der Hype“, sagt die Verkäuferin. Forchheims neue Bäckerin verzichtet auch auf Zusatzstoffe, bäckt nach Jahrzehnte alten Rezepten. Tradition, weil es schmeckt. Bei vielen Kunden kommt das ganz schön gut an.
Hinweis der Redaktion: Dieser Artikel wurde erstmals am 20. September 2024 veröffentlicht und wird seitdem aktualisiert, sobald es neue Entwicklungen bei den Bäckern oder Metzgern gibt.
Lesen Sie auch:


















