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Gegen den Trend
19-Jährige eröffnet Bäckerei in Forchheim
Früh morgens, wenn andere gerade aufstehen, bestückt die Jungunternehmerin Celina Oligschläger ihren Laden selbst.Forchheim & Fränkische Schweiz
Früh morgens, wenn andere gerade aufstehen, bestückt die Jungunternehmerin Celina Oligschläger ihren Laden selbst. // Ronald Rinklef
Signet des Fränkischen Tags von Alika Reiner
Forchheim – Es gibt immer weniger Betriebe, die in Handarbeit Backwaren fertigen. Die Forchheimerin Celina Oligschläger will das so nicht hinnehmen – und eröffnet kurzerhand ihre eigene Bäckerei.

Handwerksbäckereien sind vom Aussterben bedroht, es gibt immer weniger Familienbetriebe, die in Handarbeit jeden Tag im Morgengrauen in der Backstube die so heiß geblieben Frühstücksbrötchen und all das andere duftende Gebäck zubereiten. Die 19-jährige Celina Oligschläger wollte dies nicht länger hinnehmen.

Ihre Familie führt seit 1990 eine Bäckerei, die bisher allerdings nur nach Bestellung Hotels und Metzgereien beliefert hat. Die Jungunternehmerin hatte nach der Mittelschule erst einmal eine Ausbildung als Kinderpflegerin absolviert, dann aber schnell gemerkt, dass sie das nicht erfüllt. Sie ist in der Backstube groß geworden, ihr Herz gehört diesem traditionellen Handwerk.

Der Vater ist Bäckermeister

Auch ohne eine Ausbildung als Bäckerin, die die gebürtige Forchheimerin bei ihrem Vater und Bäckermeister Markus Schubert jederzeit beginnen kann, weiß sie genau um alle Handgriffe und Rezepte. „Unsere Backwaren könnte jede Hausfrau zu Hause nachbacken, wenn sie den richtigen Ofen hätte“, sagt Oligschläger. „Wir verwenden nur das, was wirklich rein muss. Keine Zusatzstoffe, keine Backmischungen, das macht uns aus“, verrät sie.

So entstand die Idee zur Erweiterung der Backstube um einen Laden. Celinas Vater (56) unterstützt zusammen mit Celinas Mutter Susanne Oligschläger (45) den Traum ihrer Tochter. Nach vielen Diskussionen entschloss sich die ganze Familie, dieses Projekt anzupacken. Die Suche nach der richtigen Location begann.

Laden im Herzen Forchheims

Das Potenzial entdeckten sie dann in der Bamberger Straße 4 c im Herzen von Forchheim. Da die Räume erst umgebaut werden mussten, konnte der Umzug erst wenige Tage vor der Eröffnung der Bäckerei „Brotkörbchen“, deren Inhaberin nun die 19-Jährige ist, abschlossen werden.

„Ich wusste, dass es viel Arbeit wird. Der Plan war es, den Laden neben dem bestehenden Lieferdienst zu führen. Jetzt ist es genau andersherum“, erzählt die Jungunternehmerin.

Allein die Semmeln, die jeden Tag für den Laden frisch gebacken werden, werden rund drei-mal angefasst und von Hand geformt. „Es entsteht wirklich noch alles in Handarbeit. Die Rezepte sind über 40 Jahre alt“, berichtet die junge Inhaberin nicht ohne Stolz.

Das Zeegendorfer Bauernbrot

Dazu kommt das immer wieder wechselnde Gebäck wie Croissants, Nussecken, Eierlikör- oder Marmorkuchen – und das Zeegendorfer Bauernbrot. „Das Rezept für diese Spezialität gibt es seit 1968. Mein Vater hat es 1990 von dem Vorgänger übernommen. Das Brot wird seither unverändert nach dem Rezept gebacken“, verrät Celina Oligschläger.

Die Nachfrage seit der Eröffnung war riesig. Die Familie ist überwältigt, wie die Bäckerei mit dem kleinen Café angenommen wurde. „Es kommen aber auch immer wieder Kunden, die sich heftig beschweren, weil wir schon fast nichts mehr zum Verkauf anbieten können“, erzählt die Mutter von Celina, die im Laden mithilft. „Die Backstube ist so klein, dadurch heizt der Raum sehr schnell auf.

Bei rund 28 Grad Raumtemperatur können wir nicht mehr herstellen. Der Teig würde zu schnell gehen. So viel Kapazität hat unser Ofen nicht, da kämen wir mit dem Backen nicht hinterher und der Teig würde verderben. Deswegen können wir nur kleine Mengen fertigen“, erklärt die leidenschaftliche Jungunternehmerin.

Arbeitstag beginnt um 1 Uhr

Als familiengeführte Bäckerei in Forchheim ist es eine Herausforderung, die Nachfrage zu decken. „Mein Vater und ich stehen ab nachts um 1 Uhr in der Backstube, es gibt keine Angestellten“, berichtet die 19-Jährige. Die großen Ketten seien für sie keine Konkurrenz, sie strebe ja nicht diese „Massenproduktion“ an.

Es ist ihr wichtig, dass die Handwerkskunst gepaart mit Nachhaltigkeit im Vordergrund steht. „Lieber schicken wir einen Kunden wieder weg, weil wir keine Brötchen mehr haben, als dass wir am Abend welche wegwerfen“, unterstreicht sie ihre Vision von der kleinen Familienbäckerei.

Hier stehe mit jedem einzelnen Backwerk die Qualität im Vordergrund, und die habe ihren Preis. In diesem Fall, dass eben nicht den ganzen Tag die ganze Palette an ofenfrischem Gebäck erhältlich ist.

Im Moment hat die Bäckerei von 7 bis 15 Uhr geöffnet. Aber die Familie denkt darüber nach, an ein bis zwei Tagen etwas früher zu schließen. Das Telefon wird in den nächsten Tagen freigeschaltet, dann ist die Bäckerei für Vorbestellungen unter 09191/796979 zu erreichen.

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