0
Zwei Filialen dicht
Gräfenberger Metzger wirft das Handtuch
Der Familienbetrieb Metzgerei Förster in Gräfenberg hatte am Wochenende ein letztes Mal geöffnet.Forchheim & Fränkische Schweiz
Der Familienbetrieb Metzgerei Förster in Gräfenberg hatte am Wochenende ein letztes Mal geöffnet. // Petra Malbrich
Signet des Fränkischen Tags von Petra Malbrich
Gräfenberg – Der Familienbetrieb Förster in Gräfenberg ist Geschichte. Auch die Filiale in Igensdorf ist zu. Der Innungsobermeister kennt die Gründe für das Metzgereisterben.

„Wir verabschieden uns und sagen danke.“ Das war bereits Ende März auf der Facebookseite der Metzgerei Förster zu sehen. Am 30. April hatte die Metzgerei in Gräfenberg ihre Ladentüre zum letzten Mal geöffnet. Die Metzgerei Förster, seit 1920 ein Innungsfamilienbetrieb in vierter Generation, ist Geschichte.

Auch die Filiale in Igensdorf gibt es nicht mehr. Bereits zum 1. April haben Försters ihre Metzgerei in Igensdorf an der B 2 geschlossen. Sie hören aus privaten Gründen auf. Nicht nur die Handwerker und Pendler vermissen die Filiale in Igensdorf, konnten sie dort doch bequem an den Seitenparkplätzen halten. Die Försters in Igensdorf waren die Ergänzung des bestehenden Angebots und der beste Ersatz nach dem Aus der örtlichen Metzgerei im Gasthaus „Goldener Stern“ und der Metzgerei Richter in Igensdorf.

Es gab drei Metzgereien

Ein ähnliches Bild bot sich in Gräfenberg. Drei Metzgereien gab es, die Metzgerei Förster, die Metzgerei Hühnlein und die Metzgerei Richter, die Innungsobermeister Hans Derbfuß vor einigen Jahrzehnten übernommen hat. Das Kundenverhalten war unterschiedlich. Manche Kunden hatten ihre Stammmetzgerei, andere wechselten von Woche zu Woche.

„Jede Metzgerei hat eigene Wurst“, bestätigt Hans Derbfuß. Gerade das sei die Identität jedes Betriebes, was nun verloren gehe. „Was bleibt, ist der Einheitsbrei im Supermarkt“, sagt Derbfuß. Obwohl Hans Derbfuß’ Metzgerei gleich um die Ecke ist, bedauert er das Ende der Metzgerei Förster sehr. „Es gab nie ein Konkurrenzdenken. Wir hatten immer ein kollegiales Verhalten“, berichtet Hans Derbfuß. Waren Rohstoffe knapp, half man sich aus.

Für den Innungsobermeister ist das Ende der Metzgerei Förster mit den beiden Geschäften auch aus anderer Sicht bedauerlich. „Es ist schade um jeden, der aufhört“, meint Derbfuß. Doch das Metzgereiensterben sei noch nicht zu Ende. Entweder fehle es an Mitarbeitern oder es werde altersbedingt geschlossen. „Schlimmstenfalls ist beides der Fall und ein Nachfolger nicht in Sicht“, erläutert Derbfuß. „Die Jugend hat keinen Bezug mehr zum Handwerk“, klagt Derbfuß. Die Zahlen der Auszubildenden in den Bereichen spreche eine deutliche Sprache. In allen Gewerken sind nur noch 35 Azubis gezählt worden. Vor 20 Jahren waren es 150, weiß Derbfuß.

Kundenverhalten hat sich geändert

Aber auch das Kundenverhalten habe sich geändert. Familienfeiern zu Hause sind seltener geworden und etliche Kunden langen immer wieder zu den abgepackten Produkten im Supermarkt. Manche, so Derbfuß, glaubten, diese Produkte seien günstiger. Aber dem sei nicht so, beteuert Derbfuß. Platten, die Försters für Familienfeiern belegt hatten, waren ein Augen- und Gaumenschmaus. „Man konnte sich bedienen, worauf man kulinarisch gerade Lust hatte“, sagt Bürgermeister Ralf Kunzmann (FW) über die Menüs, die angeboten wurden: warmes Essen, zum Mitnehmen, täglich ein anderes Gericht. „Sie haben eine schöne Auswahl gehabt“, fasst Kunzmann zusammen, der bereits als Kind bei den Försters eingekauft hat und sich wie viele andere an die Scheibe Gelbwurst erinnert, die jedes Kind bekam. Etlichen Gräfenbergern bleibt nur die Hoffnung, dass die Metzgerei Derbfuß die Ladentür noch lange offen hat.

Lesen Sie auch:

Inhalt teilen
  • kopiert!