Sie blickt mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf Samstag, den 22. April. Michaela Thaler wird nach mehr als drei Jahrzehnten zum letzten Mal die Türen zur Bäckerei in der Andreas-Knauer-Straße öffnen.
Dann gibt es fortan keine Backwaren mehr im Eggolsheimer Ortsteil Kauernhofen zu erwerben.
Gesundheitliche und wirtschaftliche Gründe für Aus
„Das weinende Auge überwiegt aber“, sagt sie. Aber es sei nicht anders gegangen, Gründe für das relativ überraschende Betriebsende gebe es viele.
„Nachdem vor kurzem mit dem Aus der Eggolsheimer Metzgerei Bauer unser größter Kunde weggebrochen ist, mussten wir uns schnell etwas überlegen.“
Überdies habe Bäckermeister Ludwig Thaler kürzlich eine schwere Diagnose erhalten, braucht seine Kraft für die Genesung. Beides zusammen habe ein Weitermachen für den Familienbetrieb unmöglich gemacht.
22. April ist der letzte Tag bei der Bäckerei Thaler in Kauernhofen
Am 22. April, dem letzten Thaler-Samstag, sei ganz normal geöffnet, sagt die Bäckersfrau. Zwischen 5.30 Uhr und 12 Uhr können sich die Kauernhofener noch einmal fürs Wochenende eindecken und sich von ihrer Bäckerfiliale verabschieden.
Viele Stammkunden bildeten wie in so vielen Traditionsbäckern das Gros der Kundschaft, die meisten aus dem Ortsteil.
Familie Thaler ist nicht die erste im Landkreis, die für ihren Betrieb in den vergangenen Monaten die Reißlinie ziehen muss.
Fachkräftemangel in Kauernhofen nicht das Hauptproblem
Anders als bei anderen ist diesmal nicht der Fachkräftemangel das Hauptproblem, auch weil Michaela Thaler selbst im Verkauf mitarbeitete. Schlimmer: die stetig anwachsende Konkurrenz in den Discountern und Märkten, schwindender Umsatz, steigende Auflagen.
Diese Sorgen hinter sich lassen zu können, meint Michaela Thaler mit dem lachenden Auge. Und doch überwiegt Wehmut: „Es hängt unser gesamtes Leben dran.“
Wenngleich die Bäckerei-Versorgung in Eggolsheim insgesamt ausreichen mag, weil es andere Anlaufstellen im Marktgemeindegebiet gibt, wird sich die Lage insbesondere für die Kauernhofener verschlechtern.
Wie geht es im Leerstand weiter?
Dass in absehbarer Zeit wieder duftende Backwaren in der bald ehemaligen Thaler-Filiale verkauft werden könnten, ist unwahrscheinlich.
„Wir schauen aktuell gar nicht einem möglichen Pächter“, verrät Michaela Thaler. Der Umsatz sei zu gering, um florierende Geschäftsmodelle anzulocken. Nun wolle sich Familie Thaler erst einmal Zeit für sich nehmen, danach Zukunftspläne schmieden.
Eine der beiden angestellten Verkäuferinnen geht wohl in den Ruhestand, die zweite hat eine neue Anstellung in Aussicht.
Und Michaela Thaler selbst? „Ich suche mir nun auch etwas Neues. Wieder in einer Bäckerei werde ich aber nicht stehen.“
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