Sßt, sßt, sßt, sßt.
So schnell kommt das Auge gar nicht hinterher. Gut 18.000 Bogen Karton rasen pro Stunde durch eine der beiden gigantischen Druckmaschinen. Immer höher stapeln sich die fertigen Kartonagen auf einer Palette. Darauf zu sehen sind Bilder neuester Playmobil-Sets, von Tafelsalz oder Babyprodukten. Ist die Palette voll, wartet schon der autonom fahrende Hubwagen, um den Stapel zur Stanze zu bringen. Blinkend und surrend macht sich der elektrische Helfer davon. Währenddessen rasen weitere Kartonplatten durch den Drucker.
Sßt, sßt, sßt, sßt.
Schumacher Packaging: Verpackungen für bekannte Produkte
Hendrik Schumacher rückt seine Haube zurecht, in der Nähe der Maschinen muss er etwas lauter sprechen. „Bis zu einer Million Schachteln können unser Werk am Tag verlassen“, sagt der Geschäftsführer der Schumacher Packaging GmbH.
Lebensmittel, Industrieverpackungen, Versandtaschen: Viele der Marken und Produkte, die Schumacher in seinem Forchheimer Werk auf die Kartonagen druckt, sind aus dem Supermarkt bekannt. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass beim Wochenendeinkauf eine oder mehrere dieser Verpackungen im Einkaufswagen landen. Wo die Verpackung herkommt und wie sie überhaupt entsteht, weiß hingegen kaum jemand.
150 Mitarbeiter am Hausener Weg 1
Zu Besuch im Hausener Weg 1 in Forchheim. Hendrik Schumacher führt durch seine heiligen Hallen, schüttelt viele Hände, redet hier, redet da. Und erklärt, wie aus einem bis zu 145 mal 105 Zentimeter großen Bogen Karton einmal eine versandfertige Verpackung beispielsweise für eine Tiefkühlpizza wird. Knapp 150 Menschen arbeiten bei Schumacher Packaging in Forchheim, die meisten davon in der gut 11.000 Quadratmeter großen Produktionshalle. Medientechnologen, Industriemechaniker, Kaufleute – die Jobvielfalt ist groß.
„Es werden immer mehr Komplettlösungen gewünscht“, erklärt Schumacher. Das heißt, sein Team liefert nicht nur das fertige Produkt, sondern unterstützt bei Planung und Design oder übernimmt beides gar. Sind das Design und die Ausgestaltung mit den Kunden geklärt, drucken Schumachers Angestellte die Bögen, stanzen die gewünschte Form der Verpackung maschinell aus und kleben diese am Ende teilweise noch zusammen. Gearbeitet wird in drei Schichten, nur zwischen dem späten Freitag- und dem späten Sonntagabend bleiben die Lichter aus.
Wie wichtig das Thema Nachhaltigkeit ist
Hendrik Schumacher, der sich die Leitung des traditionellen Familienunternehmens mit Sitz in Ebersdorf bei Coburg mit seinem Bruder Björn Schumacher teilt, erzählt stolz von den Errungenschaften der vergangenen 75 Jahre. Wie aus dem Großhändler für Spielwaren und Möbel der heutige Konzern mit europaweit derzeit noch 4200 Mitarbeitenden an 21 Standorten wurde (warum derzeit, wird später im Text erklärt), wie seine Familie immer wieder innovativ voranging und vor allem in puncto Nachhaltigkeit eine Vorreiterrolle einnehmen wollte.
Man muss Hendrik Schumacher gar nicht auf das Thema ansprechen, er fängt ganz von allein an zu erzählen. Er berichtet von der 2024 in Betrieb genommenen PV-Anlage, die theoretisch mehr produziert als die Fabrik verbraucht. Er berichtet von mineralölfreien Farben und dem Wassermanagement der Papierbranche.
Und er redet über die Vorurteile seiner Branche gegenüber, sie befördere die Abholzung des Regenwaldes und trage Mitschuld am Leiden des Waldes. „92 Prozent unserer Produkte sind aus recyceltem Altpapier hergestellt“, sagt er. Bis zu 25-mal könne man die alten Kartons wiederverwenden, erst dann müsse man wieder frische Zellstoffe hinzufügen. Lediglich für bestimmte Lebensmittelverpackungen seien recycelte Stoffe aus hygienischen Gründen nicht erlaubt.
Überdies gingen die bei der Produktion (etwa Stanzreste) anfallenden Papierabfälle in den eigenen Kreislauf ein und würden in die eigenen oder zuliefernden Kartonagenfabriken rücküberführt. „Wir entnehmen für unsere Produktion nicht mehr Holz als nachwachsen kann.“ Dass dieser Kreislauf zugleich die Kosten senkt, weil Altpapier deutlich billiger ist, freut den CEO umso mehr.
Wie Schumacher Packaging die aktuelle Krise umschiffen will
Weniger Kosten kommt dem Konzern entgegen. Noch immer sind die Probleme höherer Rohstoffpreise und Energiekosten nicht vom Tisch, noch immer blickt auch Schumacher auf die krisenanfällige Konsumwirtschaft in Deutschland. „Wir können nur verpacken, was auch hergestellt wird“, sagt er. Zwar sei speziell in Forchheim kein oder kaum ein Einbruch beim Umsatz zu verzeichnen, so Schumacher. Doch konzernweit rechnen die Geschäftsführer mit Einbußen fürs laufende Jahr von 200 Millionen Euro, immerhin ein Sechstel des Gesamtumsatzes.
Die Schumacher-Brüder reagierten in diesem Jahr mit Kurzarbeit in ihrem Hauptsitz und dem Verkauf ihrer polnischen Papier- und Wellpappenwerke an das spanische Unternehmen Saica. Ist rechtlich alles geklärt, „schrumpft“ die Gruppe um die vier polnischen Standorte und gut 1500 Mitarbeiter. Wie Hendrik Schumacher noch einmal bestätigt, würden auch weiterhin Gespräch mit möglichen Partnern geführt. Dass weitere Teile verkauft oder ausgelagert würden, könne derzeit genauso wenig ausgeschlossen werden, wie die Möglichkeit, dass man sich mit anderen Unternehmen zusammentue.
Wie es im Forchheimer weitergehen soll
„Wir tun das aber nicht, weil wir es müssen“, sagt Hendrik Schumacher. „Sondern, weil wir all unsere Standorte bestmöglich für die Zukunft aufstellen wollen.“ Damit bekräftigt er noch einmal das Versprechen seines Bruders, dass weder Standortschließungen noch Entlassungen geplant seien. Das gelte auch und vor allem für Forchheim. „Hier ist es immer gut gelaufen, auch hatte es hier nie Kurzarbeit gegeben.“
Unser Rundgang endet wieder bei den Druckmaschinen, Schumacher muss erneut etwas lauter sprechen. Er hält inne und lauscht, nickt zufrieden. Hinter ihm rasen tausende Bogen Karton. Sßt, sßt, sßt, sßt.
Kurzer Blick in die Geschichte des Unternehmens
1948: Kurt und Hildegard Schumacher gründen in Ebersdorf bei Coburg ein Großhandelsunternehmen für die örtliche Spielwaren-, Polster- und Kleinmöbelindustrie
1957: Sohn Wulf Schumacher übernimmt die Geschäftsleitung
1959: Bau des ersten eigenen Gebäudes in Ebersdorf
1970: Erstes Wellpappenwerk nimmt Betrieb auf (ebenfalls in Ebersdorf bei Coburg)
1984: Lager und Produktpalette wird ausgebaut
1997: Björn Schumacher startet im Unternehmen
2000: Erstes Schumacher-Werk im Ausland öffnet (Polen)
2003: Hendrik Schumacher steigt ein, übernimmt Leitung des Nürnberger Standorts
2009: Björn und Hendrik Schumacher übernehmen Geschäftsleitung
2011: Nürnberger Werk wird durch Neubau in Forchheim ersetzt, Investitionssumme: 14 Millionen Euro
2023: Schumacher feiert 75-jähriges Firmenjubiläum
Quelle: Schumacher Packaging GmbH
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