Es ist ruhiger als man denkt. Überall surren Gabelstapler und elektrisch betriebene Hubwagen durch die breiten Gänge der gigantischen Halle, zwischendurch huschen Mitarbeitende ins Bild. Von den Hochregallagern und den Lastwagen vor der Tür abgesehen, erinnert fast nichts in der gut 50.000 Quadratmeter großen Halle der Firma Simon Hegele an das oft als hektisch beschriebene Bild der internationalen Speditions-Branche. Das ist kein Zufall, schließlich betreibt Simon Hegele am Rittigfeld, eingerahmt zwischen A73 und Kersbach, auch kein klassisches Speditionsgeschäft. Es geht um viel mehr.
Auch wenn die gut 500 Meter lange Halle mit den vielen Ladebrücken von der Autobahn aus gesehen das vermuten lässt, werden dort nicht wie so oft von ähnlichen Lagerhallen aus Discounter beliefert oder Paketlaster bestückt. „Von Forchheim bieten wir unseren Kunden aus der Medizintechnik-Branche eine komplette Dienstleistung an“, erklärt Maximilian Streit, Mitglied der Sektorleitung Healthcare bei Simon Hegele. Vor allem die enge Zusammenarbeit mit den Spezialisten von Siemens Healthineers ist im Rittigfeld in allen Ecken zu spüren.
Enge Zusammenarbeit mit Siemens Healthineers
Zwar arbeiteten die knapp 850 Menschen in Forchheim auch Aufträge für andere Firmen ab, aber Siemens Healthineers ist und bleibt der Hauptkunde. Während der Medizintechniker in gerade einmal 800 Metern Luftlinie hoch spezialisierte Computertomographen fertigt, kümmert sich Simon Hegele um das Vorher und Nachher. Heißt: In den Hallen Simon Hegeles sortieren sie unter anderem den Wareneingang für Siemens Healthineers vor, stellen versandfertige „Bausätze“ der fertiggestellten Einzelkomponenten zusammen, transportieren die durch ganz Europa und bauen sie sogar vor Ort zusammen.
„Ich kenne keinen komplexeren Healthcare-Dienstleister“, sagt Peter Mohrmann, Bereichsleiter Vertrieb & Key Account Management im Sektor Healthcare. Auch deshalb betonen er und seine Kollegen im Healthcare-Management Maximilian Streit sowie Norbert Theyer (Bereichsleiter Logistik), dass sich die Übernahme der Simon Hegele Gruppe durch die japanische Nippon Express Holdings nicht negativ auf den Forchheimer Standort auswirken wird.
Übernahme durch NX Group – Wachstum für Forchheim
„Ganz im Gegenteil, wir planen sogar, dass wir dadurch weiterwachsen werden“, sagt Mohrmann. Und zwar nicht nur bei Umsatz, auch bei den Beschäftigtenzahlen könnte sich die Übernahme positiv auch auf Forchheim auswirken. Wie konkret, könne man aktuell freilich noch nicht sagen, erklärt das Forchheimer Management-Trio. Bevor das Closing nicht geschultert und die Kartellbehörden nicht endgültig grünes Licht gegeben hätten, äußere man sich noch nicht über konkrete Zahlen. Dies könne noch einige Monate dauern.
Bald noch ein bisschen internationaler tätig
Um zu verstehen, wie die Forchheim Healthcare-Sparte der 1920 in Karlsruhe gegründeten Simon Hegele Gruppe mit ihren 2800 Mitarbeitenden in 50 Standorten auf der ganzen Welt profitieren will, lohnt sich ein Blick ins Herzstück im Rittigfeld, die große Halle.
„Wir hier sind echte Spezialisten für den Transport durch ganz Europa“, erklärt Norbert Theyer. Beispielsweise kann Simon Hegele seine Transportmaterialien mittlerweile einfach selbst und auf einzelne Produkte passgenau zugeschnitten herstellen. Möglich macht das unter anderem die Beteiligung an zwei Baiersdorfer Firmen: Kilian Metallbau und dem Holzverpackungsspezialisten Georg Schrepfer.
Simon Hegele bietet „Rundumservice“ für Medizintechnik-Produkte
Verkauft Siemens Healthineers beispielsweise einen Computertomographen an ein italienisches Krankenhaus, wird die Sendung mit den fertigen Einzelbauteilen bei Simon Hegele zusammengestellt und mit dem Lastwagen ausgeliefert. Dabei kümmert sich Simon Hegele zusätzlich sowohl um die Montage als auch die Einrichtung vor Ort. Sollte ein Gerät irgendwann einmal defekt sein, kümmert sich Simon Hegele auch darum. Die Geräte werden zurückgeholt, überholt, notfalls in Teilen ersetzt und danach unter Umständen wieder woanders eingesetzt. „Rundumservice“, nennt das Norbert Theyer.
Doch das reicht Simon Hegele nicht. Theyer, Streit und Mohrmann wiederholen unisono sinngemäß das, wie Hegele-CEO Stefan Ulrich die Übernahme vor einigen Tagen kommentierte: „Für uns war klar, dass wir einen zu uns passenden strategischen Partner finden möchten, der über ein komplementäres Leistungsportfolio und eine starke internationale Präsenz verfügt, der unsere Eigenständigkeit und Agilität schätzt und zugleich gemeinsam mit uns dafür brennt, passgenaue Lösungen für unsere international tätigen Kunden auf globaler Ebene weiterzuentwickeln“.
NX Group: Zugang zu asiatischen Märkten sichern
Wer sich wie Simon Hegele laut eigener Aussage nicht auf seinen Umsatzlorbeeren ausruhen möchte (2023: 300 Millionen Euro), muss sich auf neuen Märkten umsehen. Unter dem Dach der japanischen NX Group erhofft sich Simon Hegele große Synergien. Sie selbst wollen ihre komplexe Healthcare-Dienstleistung gewinnbringend einsetzen, im Gegenzug wolle man von dem Know-how etwa bei der Luft- und Seefracht sowie endlich einem Zugang zu den asiatischen Märkten profitieren.
Für die Hegele-Beschäftigten und die auf Gewerbesteuern angewiesene Kämmerei in Forchheim sind dies gute Nachrichten. Der Name Simon Hegele: soll bleiben. Der Standort Forchheim: soll bleiben. Die Beschäftigten an den Standorten: sollen (mindestens) bleiben. Auch und vor allem wegen des letzten Punktes ist und bleibt es in Simon Hegeles Hallen ruhiger, als man angesichts einer derart weitreichenden Übernahme denken könnte. Denn die Gabelstapler surren weiter.
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