Das Klackern ist Musik in ihren Ohren. Im Millisekundentakt rast die beliebte Biersorte Export Hell durch die Abfüllanlage. Es ist ein sonniger, aber kalter Märzdienstag, insgesamt 1000 Kästen werden sich bis zum Ende der Schicht gefüllt haben. Von der Kälte vor den Toren der Brauerei zwischen der Forchheimer Sattlertorstraße und dem Krottental ist drinnen nichts zu spüren. Nicht nur der in Brauereien üblichen hohen Temperaturen wegen.
Martina Hebendanz strahlt. Ihr Mann und verantwortlicher Braumeister Daniel Bayer-Hebendanz strahlt. Die Angestellten strahlen. Aus gutem Grund.
Generationenwechsel bei der Brauerei Hebendanz in Forchheim
Martina Hebendanz ist der Grund. Vielmehr eine Nachricht, die sie zwischen Etikettenstapeln und vollen Kästen an diesem Tag zum ersten Mal offiziell verkündet. Es gibt einen Generationenwechsel in der altehrwürdigen Brauerei: Seit dem 23. Januar hat die 48-Jährige die Geschäftsführung der Brauerei Hebendanz GmbH von ihrem Vater Fritz Hebendanz übernommen. „Ich freue mich riesig“, sagt sie. Lange habe sie darauf gewartet, noch mehr Verantwortung in der familieneigenen Brauerei übernehmen zu können. Nun ist es also so weit.
„Ich bin ab sofort für die Geschäfte der Brauerei verantwortlich“, sagt Hebendanz. Ihr Vater, mittlerweile immerhin 76 Jahre alt, zieht sich somit langsam doch zurück aus dem Geschäft, das seine Urahnen schon seit 1579 in Forchheim ausüben. Er galt nicht nur seines Auftretens wegen als wahres Urgestein in Forchheims Bierkennerszene. Auch hatte er bis zuletzt keine Ambitionen erkennen lassen, aufhören zu wollen. Die Fußstapfen für seine Tochter sind enorm. Doch die 48-jährige Martina tritt die Nachfolge ebenfalls nicht als Unbekannte an.
Martina Hebendanz, 48, Stadträtin, Brauerin, Geschäftsführerin
Die meisten Menschen kennen sie aus ihrem langjährigen Engagement als CSU-Stadträtin und Vorsitzende des CSU-Ortsverbands Kersbach. Doch die Leidenschaft und das Wissen um die Kunst der Bierherstellung hat die gebürtige Forchheimerin bereits als Kind aufgesogen. „Dabei war es gar nicht ausgemacht, dass ich einmal die Braulinie unserer Familie fortführe. Ursprünglich wollte ich Grundschullehrerin werden“, gibt Hebendanz schmunzelnd zu. Doch kurz vor der Immatrikulation habe sich damals doch „noch rechtzeitig ihr Herz gemeldet“, wie sie sagt.
Hebendanz lernt also zwischen 1995 und 1998 das Brauereihandwerk bei der Tucher Privatbrauerei in Nürnberg. Es folgen zwei Jahre als Gesellin, danach studiert sie vier Semester an der Doemens-Akademie in München. Während ihrer Ausbildung lernt sie auch ihren Mann Daniel kennen, der nun schon seit etlichen Jahren als Braumeister der Hebendanz Brauerei arbeitet. Martina Hebendanz wirkte ebenfalls bereits seit Jahren mit, allerdings noch etwas versteckter im Hintergrund. Das ändert sich jetzt.
Wie es nun bei der Brauerei Hebendanz weitergeht
Den „Laden umkrempeln“ wolle die 48-jährige Hebendanz aber nicht. Das sei auch gar nicht nötig, sagt sie. Zwar spüre sie schon, dass sich die Herausforderungen im Biermarkt mehrten. Die Menschen trinken weniger Bier als früher. 88 Liter tranken die Deutschen laut Zahlen des Brauer-Bunds im Jahr 2023 pro Kopf. Zum Vergleich: 2015 waren es noch fast 103 Liter. Hinzu kommt das nach wie vor grassierende Problem, dass Leergut einfach nicht zurückgebracht werde, was viele Brauereien vor große Probleme stellt. Und: „Wir bräuchten dringend helfende Hände“, sagt Hebendanz. Doch der Fachkräftemarkt sei leergefegt, Personal rar. „Wer Lust hat, kann sich gerne melden“, sagt sie augenzwinkernd.
Ganz ohne frischen Wind vollzieht sich die Staffelstabübergabe daher nicht. „Nur mit neuen Ideen können wir langfristig bestehen.“ Damit meint sie auf der einen Seite neue Marketingkonzepte. „Um unsere tollen Biere noch besser platzieren zu können.“ Auf der anderen Seite schweben ihr auch ganz neue Produkte vor. Eine neue Sorte etwa? Kommt nach dem „Starken Fritz“ die „Frische Hebendanz“? Die Neu-Chefin lächelt, „das verrate ich jetzt noch nicht“, sagt Hebendanz. Erst einmal können sich die die Hebendanzfans weiterhin auf das altbewährte Sortiment freuen.
Welche Rolle spielt die ominöse Hebendanz Brau AG?
Mit der Übernahme von Martina Hebendanz überholen sich auch die Gerüchte um die vor ein paar Jahren gegründete Hebendanz Brau AG. Um deren Machenschaften rankten sich einige Geheimnisse, die bis heute nicht endgültig gelüftet werden konnten (nachzulesen in den FT-Texten „Krimi um Stellenanzeige: Welche Forchheimer Brauerei sucht einen Geschäftsführer?" und „Brauerei Hebendanz Forchheim: Mirco Hell ist neuer Chef der Hebendanz Brau AG“). Laut Martina Hebendanz habe dieses Projekt nichts mit der Brauerei zu schaffen. Und das bleibe auch so.
Zweitälteste Forchheimer Brauerei mit langer Tradition in Forchheim
An der Grundausrichtung der Brauerei soll sich in absehbarer Zeit nichts ändern. So wird es weiterhin die beliebten Dauerbrenner Pils, Hell, Märzen sowie Bächla Leicht und verschiedene Festbiere wie das Annafestbier geben. „Wir stoßen im Jahr zwischen 4000 und 4500 Hektoliter aus“, erzählt Daniel Bayer-Hebendanz. Damit zähle die nach der Neder Brauerei (direkt nebenan, gegründet 1554) zweitälteste Brauerei der noch aktiven Brauereien Forchheims (1579) zu den eher kleineren Brauereien.
Wie den Ausführungen des Forchheimer Walk of Beer zu entnehmen ist, lässt sich die Geschichte der Brauerei Hebendanz bis ins Jahr 1579 zurückverfolgen. „Die Familie Hebendanz war im Steinernen Haus in der Hauptstraße 28 ansässig, gebraut wurde im Unteren Kommunbrauhaus. Jakob Hebendanz, der als zweitgeborener Sohn die Brauerei des Vaters nicht übernehmen konnte, kaufte somit die heutige Brauerei in der Sattlertorstraße 14“, steht da geschrieben. Nachdem Fritz Hebendanz senior, der Enkel von Jakob Hebendanz, im Jahr 1984 gestorben war, führte sein gleichnamiger Sohn die Brauerei. Bis nun dessen Tochter Martina im Januar 2025 übernahm.
Ob sie große Expansionspläne hege? Hebendanz schüttelt den Kopf. Erstens stoße der heutige Brauort, wo die Familie Hebendanz bereits seit den 1920er Jahren Flaschenbiere herstellt, an seine Kapazitätsgrenzen. Viel mehr Ausstoß wäre aufgrund der beengten innenstädtischen Verhältnisse wohl mittelfristig gar nicht möglich. Zweitens stünden bauliche Veränderungen oder gar ein Umzug aktuell sowieso nicht auf der Agenda.
Hauptsächlich Flaschenbiere, weniger Fassware
Ihr Hauptgeschäft kreiert Familie Hebendanz über den Verkauf von Flaschenware. Die markant knallroten Kästen gibt es nicht nur direkt an der Brauerei zu kaufen, ebenfalls bietet die Brauerei einen Lieferservice an. Darüber hinaus sind die Kästen weit über den Landkreis Forchheim hinaus in vielen Getränkeabteilungen von Supermärkten zu finden, teils bis nach Berlin. Das Bier vom Fass gibt es vor allem in der hauseigenen Brauereigaststätte, quasi im Vorderhaus der Brauerei in der Sattlertorstraße, und in einigen wenigen weiteren Gaststätten im Landkreis.
„Wer probt, der lobt“, so hatte Martina Hebendanz‘ Großvater Fritz senior damals den Leitspruch der Familienbrauerei geprägt. Bis heute ziert dieses Motto die Etiketten, Bierdeckel und Bierlaster. Und dank des nun vollzogenen Generationenwechsels wird es auch noch viele weitere Jahre so bleiben.



















