Gute Krimis brauchen nicht unbedingt einen Mörder. Oder eine Leiche.
Manchmal tun es schon mysteriöse Vorgänge in der Wirtschaftswelt oder die Jagd auf ein Phantom. Beziehungsweise wie in diesem Fall ein jagendes Phantom.
1. Kapitel: Die Entdeckung
Wenn sich in Forchheims beschaulichen Wirtschaftsräumen Spannendes ereignet, bleiben das selten lang gehütete Geheimnisse. Schließungen, Öffnungen, Umorientierungen, Chefetagenwechsel – alles Gegenstände früheren oder späteren Stadtgesprächs.
Manchmal sind es Zufälle, die umtriebige Hinterzimmergespräche in die Öffentlichkeit tragen. Zum Beispiel, wenn eine Stellenanzeige auf einschlägigen Job-Portalen auftaucht, die einen Geschäftsführer für eine Brauerei in Forchheim sucht.
Bäm. Paukenschlag. „Führen der Geschäfte, Einkauf und Vertrieb, Überwachen des Geschäftsbetriebes“: Die Aufgaben klingen interessant, das Anforderungsprofil machbar.
Gesucht wird ein ausgebildeter oder studierter Brauer mit Hang zur Zahlenwelt. Erfahrung als Geschäftsführer sei hingegen „nicht zwingend nötig“. Ein neuer Chef könnte also schon bald einen der hiesigen Brauereibetriebe lenken.
Stellt sich natürlich die Frage: Welcher ist gemeint?
2. Kapitel: Zähe Ermittlungen
Forchheim hält als selbst ernannte Bierstadt hohe Stücke auf sich, vier klangvolle Namen künden von der jahrhundertealten Brautradition.
Keiner davon stand vor dem kürzlichen Aufploppen der Stellenanzeige im Anfangsverdacht, sich einen neuen Chef angeln zu wollen. Welches Haus dahinter steckt, wird in der Anzeige nicht verraten. Die Geheimakte „Bier-Chef“ ist geöffnet.
Tintschl Unternehmensgruppe aus Erlangen: „Keine Aussage“
Wie es sich für einen guten Krimi gehört, beginnen nun die Zeugenbefragungen. Zeuge eins ist die Personalvermittlungsfirma aus Erlangen, auf deren Geheiß hin die vakante Stelle in die virtuelle Welt getragen wurde. Die verweigert mit Hinweis auf Kundenschutz die Aussage.
Kein Problem, es gibt genügend Fachkundige in Forchheim, die zur Klärung dieser Frage zu Rate gezogen werden könnten. Doch selbst die einschlägigen Stammtische, seit jeher nicht zwingend als Hort der Diskretion bekannt, eignen sich in diesem Fall kaum als Beweisbringer.
Je nachdem, wo der Tisch aufgestellt ist, wandert ein anderer Name in die Gerüchteküche. Aussagekraft des zweiten Zeugen: gering, durchgefallen.
Vier Brauereien kommen in Forchheim in Frage
Macht nichts, mit den Brauereien Hebendanz, Neder, Greif und Eichhorn muss der Ermittler nicht sehr viele anrufen, die als Forchheimer Bier-Phantom in Frage kämen. Gesagt, getan.
Einen der Brauerei-Chefs nach dem anderen bekommt der Ermittler an die Strippe. Es folgen die Zeugenaussagen drei bis sechs.
Christian Schuster, Brauerei Greif: „Wir sind es nicht.“
David Hertl, Eichhorn-Brauerei: „Wir sind es definitiv nicht.“
Rafael Thiermeyer, Brauerei Neder: „Wir suchen keinen Geschäftsführer.“
Fritz Hebendanz, Brauerei Hebendanz: „Wir suchen keinen.“
Ratlos sinkt der Ermittler nieder. Überzeugt davon, dass einer davon hinter den stellenausschreibenden Machenschaften des Phantoms stecken muss, gehen ihm die Verdächtigen aus.
Aber im Zweifel für die Angeklagten; und warum sollte einer lügen?
3. Kapitel: Das offene Ende
Georg Rittmayer, seines Zeichens Präsident der privaten Brauereien in Bayern, würde sich grundsätzlich gut als Kronzeuge in solchen Rätselrunden eignen. Nicht so in diesem Fall.
„Ich habe wirklich auch keine Ahnung“, sagt er. Warum die Anzeige anonym über eine Recruiting-Firma läuft, kann er ebenfalls nicht erklären. „Aber es ist für größere Betriebe auch im Brauwesen heute nicht mehr unüblich, Führungskräfte von Headhuntern suchen zu lassen.“
Während der einzelnen Zeugengespräche kommt öfter das Stichwort „Externer könnte unter Umständen etwas Neues in Forchheim aufziehen wollen“ zur Sprache.
Zumeist wird diese Idee aber direkt wieder als „unwahrscheinlich“ verworfen. Wieder eine Sackgasse.
Der Ermittler ändert seine Strategie. Denn, so glaubt er, das Phantom ist Forchheimer Abstammung. Vielleicht führt die Öffentlichkeitsfahndung zum Erfolg? Dieser Krimi jedenfalls ist noch nicht zu Ende. Fortsetzung folgt.
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