Dass in Deutschland, dem Land des Bieres, die Nachfrage nach eben diesem immer weiter abnimmt, ist spätestens seit der Corona-Pandemie kein Geheimnis mehr. Immer mehr Brauereien reagieren auf die Entwicklung, indem sie alkoholfreie Biere in ihre Sortimente aufnehmen. Auch in Erlangen-Höchstadt ist seit Kurzem ein neues alkoholfreies Helles auf dem Markt, nämlich von der Privatbrauerei Zum Löwenbräu in Neuhaus bei Adelsdorf.
Neu in Adelsdorf: Traditionsbrauerei braut alkoholfrei
In großen Buchstaben steht das Wort Null auf einem hellgrünen Etikett. „Wir hatten schon lange vor, das zu machen, aber haben es immer wieder rausgeschoben, weil ich es wenn dann im Fass haben wollte“, erklärt Hans-Günter Wirth. „Die Nachfrage wird auch auf dem Keller immer größer, vor allem nach alkoholfreiem Radler. So viele Flaschen auszuschenken, ist unhandlich. Außerdem ist Bier aus dem Fass auch im Geschmack viel besser.“ Das jedoch sei bei einem alkoholfreien Bier gar nicht so einfach, erklärt der Braumeister.
Brauerei Zum Löwenbräu verkauft jetzt alkoholfreies Bier
Denn viele kleinere Brauereien würden alkoholfreies Bier herstellen, indem sie den Gärungsprozess stoppen, sagt Wirth. Würde man ein solches Bier ins Fass abfüllen, könnte es unter gewissen Umständen nachträglich weiter gären und so die 0,5-Prozent-Marke übersteigen. In seiner Brauerei werde dem Bier nun stattdessen der Alkohol im Nachhinein entzogen.
Das habe auch den Vorteil, dass weniger Restzucker bleibt, erklärt Wirth. „Viele alkoholfreie Biere sind sehr süß. Unseres ist ein sehr schlankes Helles, ein bisschen herber, mit einer schönen Hopfennote.“ Auch der Geschmack sei bei einem alkoholfreien Bier gar nicht so einfach. „Alkohol ist Geschmacksträger“, sagt Wirth. „Wenn der Alkohol fehlt, fehlt erstmal Geschmack. Das ist, wie wenn man eine Schweinebratensoße ohne Fett macht.“
Neues Bier aus Neuhaus bei Adelsdorf wird gut angenommen
„Wir haben im Frühjahr mit den ersten Versuchen im kleinen Format angefangen. Da hat unser Braumeister im Thermomix zu Hause probiert“, erzählt Wirth schmunzelnd. Im Juni folgte dann der erste Sud in der großen Anlage, doch mit dem Brauen ist es nicht getan. „Das Brauen an sich ist eigentlich schnell gemacht“, so Wirth. „Aber das Rundherum dauert. Man braucht ein neues Design, einen neuen Namen, Etiketten müssen entworfen und gedruckt werden, eventuell Plakate“, zählt Wirth auf. Seit September ist das Bier nun im Verkauf – und die Rückmeldungen sind durchaus positiv, wie Wirth verrät.
„Klar gibt es Leute, denen es nicht schmeckt, es ist eben immer Geschmackssache“, sagt er. „Aber an sich wird es sehr gut angenommen. Die meisten Leute, die einen Kasten bei uns kaufen, kommen wieder und kaufen noch einen. Das ist ein gutes Zeichen. Auch bei uns im Restaurant bestellen die meisten Leute noch ein zweites oder drittes.“
Bierabsatz geht in Deutschland immer weiter zurück
Ein weiteres alkoholfreies Bier, beispielsweise ein Weizen, ist derzeit trotzdem nicht in Planung. „Wir haben drei Hauptsorten, dazu Spezialbiere. Das muss alles gelistet werden, gebraut werden, es muss irgendwo im Markt stehen. Das Sortiment ist irgendwann so aufgebläht, das wollen wir nicht“, führt Wirth aus.
Mit seinem neuen Bier dürfte Zum Löwenbräu die erste Brauerei im Landkreis sein, die ein eigenes Alkoholfreies auf den Markt bringt. Im Nachbarlandkreis Forchheim hingegen gibt es schon ein paar alkoholfreie Alternativen zum beliebten Getränk. Und ein Blick auf die Zahlen lässt vermuten, dass weitere folgen werden: Stellten die deutschen Brauereien 2000 noch 110 Millionen Hektoliter Bier her, waren es 2024 laut Angaben von Private Brauereien Bayern e.V. nur noch 87 Millionen Hektoliter. Der Marktanteil von alkoholfreiem Bier dagegen steige immer weiter, derzeit seien es rund sieben Prozent.
Mehr alkoholfreies gibt es in der Folge von „Lokale Lokale“:















