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Neustart oder neue Eigentümer
Wilde Puma-Gerüchte: Wohin springt die fränkische Raubkatze?
Wohin springt die fränkische Raubkatze? Wieder einmal ploppen Gerüchte hoch, der strauchelnde Herzogenauracher Sportartikelkonzern Puma könnte vor einer Übernahme stehen. Was bislang bekannt ist - und was nicht.
Wohin springt die fränkische Raubkatze? Wieder einmal ploppen Gerüchte hoch, der strauchelnde Herzogenauracher Sportartikelkonzern Puma könnte vor einer Übernahme stehen. Was bislang bekannt ist - und was nicht. // Foto: Martin Regner
Herzogenaurach – Steht Puma vor einem Verkauf an internationale Investoren? Über die Gerüchte zur Zukunft des Herzogenauracher Sportartikelherstellers herrscht bislang Schweigen – doch einige Indizien sprächen dafür.

Der Puma im Tierreich ist die viertgrößte Katze der Welt, nach Tiger, Löwe und Jaguar. Puma in der Wirtschaftswelt landet auch auf Platz 4. Der Herzogenauracher Konzern machte 2024 den viertgrößten Umsatz aller weltweiten Sportartikelhersteller, nach Nike, Dauerlokalrivale Adidas und Lululemon aus Kanada. Doch die Holzmedaille ist standesgemäß kein Grund zum Jubeln für die hiesige Aktiengesellschaft mit der springenden Raubkatze.

Gerüchte über Verkauf von Puma gehen um die Welt

Eine Verbesserung indes ist noch nicht in Sichtweite. Aus dem Puma Way 1 in Herzogenaurach dringen seit Monaten nur derlei Nachrichten in die Welt: „harter Sparkurs“, „Verluste steigen“, „Stellenabbau wird erweitert“. Mitten hinein werden wieder einmal Gerüchte laut, der Herzogenauracher Sportartikelkonzern Puma könnte verkauft werden.

Puma
 // Foto: Anna-Lena Reif

Wie das Wirtschaftsmagazin Bloomberg in dieser Woche von „darüber informierten Kreisen“ erfahren haben will, prüfe der chinesische Sportartikelhersteller Anta Sports Products „dem Vernehmen nach eine Übernahme von Puma“. Laut Bloomberg arbeite das in Hongkong börsennotierte Unternehmen mit einem Berater zusammen, um ein Angebot für den deutschen Sportbekleidungskonzern zu bewerten.

Es ist nicht die erste kühne Idee dieser Art, bereits vor einigen Monaten waberte dieses Gerücht durch die Betriebskantinen und Wirtschaftsredaktionen. Gestreut hatten es mal mehr, mal weniger „gut informierte Kreise“. Dass die französische Holding Artémis der Milliardärsfamilie Pinault, die etwa 29 Prozent an Puma-Aktien hält, ihre Beteiligung laut übereinstimmenden Medienberichten als „nicht strategisch“ eingestuft hatte, trieb die Spekulationen über einen Verkauf zusätzlich an.

Wie sich Puma und Anta Sports äußern

Damals wie heute fällt die offizielle Antwort der Puma-Konzernzentrale wenig überraschend aus. Eine Sprecherin schreibt auf Anfrage lediglich: „Wir äußern uns nicht dazu“. Noch schweigsamer verhält sich der am meisten gehandelte chinesische Übernahmekandidat Anta Sports. Seine Antwort auf eine Anfrage unserer Redaktion: bleibt ganz aus.

Bloomberg zitiert seine „informierten Kreise“ darüber hinaus, dass es noch weitere Interessenten gäbe. Der chinesische Wettbewerber Li Ning Co. sowie der japanische Sportartikelhersteller Asics würden sich ebenfalls für Puma interessieren, wie es heißt. Während Li Ning unsere Presseanfrage ebenfalls unbeantwortet lässt, äußert sich immerhin Asics klar: „Es gibt keine Gespräche oder Pläne hinsichtlich einer Übernahme von Puma“, schreibt die Konzernsprecherin.

German Hacker: „Kein Anlass zur Sorge"

Zurück nach Herzogenaurach. Selbst wildeste Gerüchte folgen in der Regel Wahrheiten, und seien sie noch so klein. Doch auch abseits der Chefetage des Konzerns herrscht Stillschweigen. Während der Betriebsrat bis Redaktionsschluss nicht auf ein Gesprächsangebot eingeht, verweist Herzogenaurachs Bürgermeister German Hacker auf seine Rolle als Außenstehender.

Herzogenaurachs Bürgermeister German Hacker (SPD) hat die Geschichte der Dassler-Brüder schon oft für Medien erzählt.
Herzogenaurachs Bürgermeister German Hacker (SPD) hat die Geschichte der Dassler-Brüder schon oft für Medien erzählt. // Foto: FT-Archiv

„Unsere großen Unternehmen arbeiten schon immer global“, sagt er. Genaue Besitzverhältnisse könne und wolle man als Stadtverwaltung weder streng beobachten noch kommentieren. „Solche Gerüchte gibt es häufig. Ich sehe die Lage entspannt.“ Bislang stünden die großen Firmen stabil am Markt und Hacker sehe keinen Anlass, den Standort Herzogenaurach in Gefahr zu wähnen, wie er sagt.

Warum einige Signale für eine Übernahme sprechen könnten

Die schweigsame Stille allerorten verwundert nicht. Doch somit könnten allenfalls Indizien dabei helfen, den Gerüchtenebel etwas zu durchdringen. Zwar gibt es in den jüngsten Verlautbarungen des Puma-Konzerns keine konkreten Aussagen, die mögliche Verkaufsabsichten belegen. Aber einige Signale ließen sich zumindest so deuten.

Auf den ersten Blick hätte ein Deal für beide Seiten Vorteile. Anta Sports zum Beispiel bekäme endlich seinen Zugang zum europäischen Markt, Puma wiederum könnte seinen Vertrieb in China stärken.

Ende Oktober hatte Puma seine Zahlen für das abgelaufene Quartal vorgestellt und einen weiteren Abwärtstrend verkünden müssen (fraenkischertag.de berichtete). So ging der Umsatz bis September um 8,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr weiter zurück (auf 5,97 Milliarden Euro). Ganz im Gegenteil zum Rivalen Adidas, der im gleichen Zeitraum zulegen konnte. Gleichzeitig steigt die Nettoverschuldung von Puma auf mehr als 1,2 Milliarden Euro und der neue CEO Arthur Höld muss ein negatives Konzernergebnis von fast -309 Millionen Euro verkünden.

Puma
 // Foto: Anna-Lena Reif

Strategie für die Zukunft oder aufhübschen für Verkauf?

Puma-Verantwortliche versuchen diese Zahlen gar nicht schönzureden, stempeln 2025 als ein „Jahr des strategischen Resets“ ab. Dieser Neustart solle dem strauchelnden Unternehmen zurück an die Spitze verhelfen. Das kommende Jahr bezeichnen sie als Übergangsjahr, ab 2027 will das Unternehmen wieder Gewinne verbuchen. Klingt nach einer starken Vision für eine eigenständige Zukunft. Oder: Zwischen den Zeilen ließe sich ebenso ein Unternehmen herauslesen, das sich für eine Übernahme hübsch machen möchte.

Puma will seine Bilanz aufräumen, Strukturen vereinfachen, Kosten senken – und gleichzeitig die eigene Stärke der Marke noch mehr betonen. Theoretisch perfekte Bedingungen, um sich für den Übernahmemarkt herauszuputzen. Für potenzielle Käufer kann ein bereinigter, aber pessimistischer Status Quo attraktiv wirken, denn sie könnten es dann sein, die mögliche Erholungspotenziale in der Zukunft heben.

Auch Stellenabbau könnte potenziellem Käufer in die Hände spielen

Ein weiteres Beispiel: Puma will sich fortan auf die Bereiche Fußball, Training, Running und Sportmode konzentrieren. Diese schlankere, ganz klar profit- und kernmarkenorientierte Struktur macht es anderen Konzernen einfacher, sie an das eigene Markenportfolio anzugliedern. Und: Dass Puma nun noch mehr Stellen als ursprünglich angedacht abbauen will, würde ebenfalls einem potenziellen Käufer in die Karten spielen.

Druck auf Puma-Management steigt

Das wäre nämlich genau die Geschichte, mit der man strategischen Käufern signalisieren könnte: Mit Puma liegt eine attraktive Marke auf dem Warenband, deren operative Probleme theoretisch lösbar sind. Gleichzeitig erhöhen die deutlich höhere Nettoverschuldung sowie der stark negative Cashflow (Geldfluss innerhalb eines Geschäftsjahres) den Druck auf das Puma-Management, die Kurve wieder nach oben zeigen lassen zu müssen. Dieser Druck wiederum könnte auch die Eigentümer offener werden lassen für strategische Optionen. Bis hin zu Veräußerungen.

Solange die Beteiligten – Puma, Anta Sports, die Familie Pinault – weiterhin Stillschweigen bewahren, bleibt das Verkaufsgerücht nur eins: wilde Spekulation. Denn all die zusammengetragenen Indizien beweisen mitnichten, dass die Puma SE in Herzogenaurach vor einer Übernahme durch einen anderen Großkonzern steht. Das Gerücht entkräften können sie allerdings noch weniger.

 

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