Während der Quartalspressekonferenz hat Adidas-CEO Bjørn Gulden am Mittwoch, 29. Oktober, den Ausstieg des Unternehmens aus dem Tarifvertrag verteidigt. Seit September ist der Herzogenauracher Sportartikelhersteller nicht mehr im Tarifvertrag mit der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE).
Die Entscheidung über den Ausstieg hatte die IGBCE zum 8. August zusammen mit scharfer Kritik über das Herzogenauracher Unternehmen publik gemacht. Seitdem hatte die Gewerkschaft Adidas Schritt in der Öffentlichkeit wiederholt scharf kritisiert.
Nun hat sich Adidas Chef Gulden erstmals darüber geäußert, was er von der Kritik der Gewerkschaft hält – und das in ziemlich trockener Manier: „Wir haben die Gewerkschaft gefragt, was sie denn kritisieren und wir warten immer noch auf eine Antwort dazu.“
Uneinigkeit zwischen Adidas und Gewerkschaft über höhere Entgeltgruppen
Was die IGBCE kritisiert, hat diese allerdings von Anfang an transparent kommuniziert: Das Unternehmen wollte den Tarifvertrag nicht auf höhere Entgeltgruppen ausweiten. Weiter beabsichtigt die IGBCE, die Entgelte für Beschäftigte im Flächentarifvertrag der Sportartikel- und Schuhindustrie um 7 Prozent zu erhöhen. Anstatt mitzuziehen, stieg Adidas aus.
„Ihre Arbeitszeit wäre sauber geregelt, Überstunden müssten auch bezahlt werden, Entgeltstrukturen würden transparenter“, so der Vorwurf von Birgit Biermann, der stellvertretenden IGBCE-Vorsitzenden, im August, „Es ist kompletter Unsinn zu behaupten, die von der IGBCE geforderte Ausweitung des Tarifvertrags auf höhere Entgeltgruppen würde den bislang außertariflich Beschäftigten erhebliche Nachteile bringen.“
Die Gewerkschaft will den Ausstieg von Adidas nicht als endgültige Sache sehen. Erst vergangene Woche hatte die Gewerkschaft Arbeitskampfmaßnahmen angekündigt, um Adidas zur Rückkehr in den Tarif zu bewegen.
Adidas-CEO Bjørn Gulden: Wir zahlen mehr als Tarif
Von all dem will der CEO in Herzogenaurach nichts wissen. „Ich bin mir nicht sicher, worüber sich die Gewerkschaft beschwert. Sie sollten wahrscheinlich bei Ihnen fragen“, lautete die lapidare Antwort Guldens auf die Frage eines Journalisten während der Pressekonferenz zu den Quartalszahlen.
Eines stelle Gulden allerdings klar: „Wir zahlen mehr als den Tarif.“ So hatte Adidas den Schritt aus dem Tarifvertrag damit begründet, in einem wettbewerbsintensiven Umfeld seine Flexibilität behalten zu wollen, wenn es um die Anwerbung von Mitarbeitern geht. Eine Tarifausweitung auf höhere Entgeltgruppen stünde dem im Wege.
IGBCE: Adidas-Mitarbeiter sind von Willkür abhängig
Bei der IGBCE kann man die Ausführungen des Adidas-CEO nicht nachvollziehen. „Es ist eine sehr durchschaubare Strategie, Tarifflucht über solche Entgeltschritte herunterzuspielen. Hier sollen Beruhigungspillen verteilt werden“, äußert sich eine Gewerkschaftssprecherin, „Der Schritt zeigt nur, dass die Beschäftigten bei der Entwicklung ihrer Löhne und Arbeitsbedingungen fortan der Willkür ihres Managements ausgesetzt sind. Und die kann schnell in die entgegengesetzte Richtung gehen, wenn sich beispielsweise die Geschäftszahlen verschlechtern.“
Die Gewerkschaft sieht weiterhin die Zukunft für Adidas-Mitarbeiter in Gefahr: „Zur Wahrheit gehört übrigens auch, dass Adidas die in den Tarifverhandlungen vereinbarte Einführung einer zusätzlichen Entgeltgruppe nicht umgesetzt hat. Das allein zeigt schon, dass das Management sich bereits jetzt aussucht, was es seinen Beschäftigten gewährt und was nicht.“
Wie viele betroffene Mitarbeiter? Unterschiedliche Zahlen von Adidas und Gewerkschaft
Wie viele Beschäftigte bei Adidas tatsächlich vom Tarifausstieg betroffen sind, darüber scheinen die beiden Parteien uneinig. Die IGBCE sprach in ihrer Pressemitteilung vom August von 8.500 Beschäftigten, darunter rund 3.500 am Hauptsitz des Unternehmens in Herzogenaurach. Adidas zufolge seien in ganz Deutschland rund 4.600 Mitarbeiter tariflich beschäftigt. Für diese Gruppe gäbe es auch erstmal keine Veränderungen, heißt es von Seiten Adidas. „Etwaige Lohnerhöhungen, die in der anstehenden Tarifrunde vereinbart werden, würden dann für die rund 4.600 bei adidas in Deutschland tariflich Beschäftigten natürlich trotzdem gelten“, hatte Adidas im August auf Anfrage von fraenkischertag.de mitgeteilt.
Adidas 2025: Bester Quartalsumsatz seit jeher
Der Ärger mit der Gewerkschaft tut dem Umsatz des Sportunternehmens indes keinen Abbruch. Das zeigen die Zahlen für das dritte Quartal 2025. Demnach stieg der währungsbereinigte Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 12 Prozent auf rund 6,63 Milliarden Euro (2024: 6,44 Milliarden Euro). Laut CEO Gulden sei das ein Rekordwert für das Unternehmen: „Das ist der höchste Umsatz, den wir als Unternehmen je in einem Quartal erzielt haben“, so Gulden. Unter Einbeziehung des Yeezy-Umsatzes stieg der währungsbereinigte Umsatz um 8 Prozent (der Umsatzanteil der Yeezy-Produkte betrug 2024 bei rund 200 Millionen Euro).
Adidas: Unsichere Wirtschaftslage und Auswirkungen von Zöllen
Erreicht hat der Sportartikelhersteller das laut Gulden trotz Widrigkeiten auf dem internationalen Markt, Auswirkungen von Zöllen und schwachen Währungen. Letztere hätten nach Angaben des Unternehmens zu „unvorteilhaften Umrechnungseffekten“ von über 300 Millionen Euro geführt.
Sportartikelhersteller hebt Jahresprognose für 2025 deutlich an
Im Juli hatte man sich bei Adidas ebenfalls über „gesundes Wachstum“ im zweiten Quartal gefreut, aber dennoch gezögert d, die Prognose für die Jahresbilanz 2025 anzuheben. Wie fränkischertag.de berichtete, ging der Sportgigant damals von einem Betriebsergebnis (EBIT, vor Zinsen und Steuern) zwischen 1,7 und 1,8 Milliarden Euro aus.
Für das Gesamtjahr 2025 rechnet das Unternehmen nun mit 2 Milliarden Euro und einem währungsbereinigten Umsatzwachstum im zweistelligen Bereich. Im Vergleich zum Vorjahr 2024, unter Einbeziehung des Yeezy-Umsatzes von rund 650 Millionen Euro, wird nun ein Anstieg des währungsbereinigten Umsatzes um rund 9 Prozent erwartet.














