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Wirtschaftsgespräch mit Lachs
Ausbruch aus Krise? Was Handwerk und Industrie in ERH bewegt
Es ist nicht alles schlecht in Erlangen-Höchstadt, ganz im Gegenteil: So lautet Landrat Alexander Trittharts Fazit für die Wirtschaft in der Region.  Und doch zeugen die jüngsten Einschätzungen von IHK und Handwerkskammer weiterhin von Krise.
Es ist nicht alles schlecht in Erlangen-Höchstadt, ganz im Gegenteil: So lautet Landrat Alexander Trittharts Fazit für die Wirtschaft in der Region. Und doch zeugen die jüngsten Einschätzungen von IHK und Handwerkskammer weiterhin von Krise. // Foto: Stephan Großmann
Herzogenaurach – Keine leichte Kost beim Wirtschaftsfrühstück in Herzogenaurach: Sowohl Handwerk als auch Industrie und Handel blicken besorgt auf die aktuelle Lage. Und die Zukunft. Wo es hapert und was es braucht.

Bau-Turbo, Transformation der Automobilbranche, Fachkräftemangel, Bürokratieabbau, Zukunftssorgen – die Industrieunternehmen und Handwerker, Dienstleister und Händler im Landkreis Erlangen-Höchstadt treiben derzeit viele Themen um. Und das, obwohl der Kreis im Vergleich zu anderen Regionen nicht nur dank der zahlreichen Global Player zukunftsfähig aufgestellt scheint. Sondern vielleicht gerade deswegen.

Industrie in Mittelfranken kommt nicht aus der Krise

„Schaeffler-Mitarbeiter sind sauer“, „Stellenabbau: Nicht genügend Freiwillige gefunden“, „Adidas zahlt keinen Tarif mehr“, „Puma kündigt herbe Verluste an“:  Die Schlagzeilen der vergangenen Monate ähneln sich und spiegeln einen Negativ-Trend wider, der die gesamte (mittel-)fränkische Wirtschaft seit Jahren lähmt. Eine Besserung ist aktuell nicht in Sicht. Wie die aktuelle Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer Nürnberg für Mittelfranken (IHK) zeigt, kämen die Unternehmen momentan nicht aus dem Tief heraus.

IHK Nürnberg: „Vor allem in Industrie spitzt sich die Lage zu“

„Vor allem in der Industrie und im Einzelhandel spitzt sich die Lage zu“, sagt Udo Raab, Leiter des Geschäftsbereichs Standortpolitik und Unternehmensförderung bei der IHK. Zwar hätte sich die Stimmung im Vergleich zum Sommer ganz leicht verbessert. Allerdings sehen viele der befragten Unternehmen vor allem zu hohe Arbeitskosten etwa für Löhne und Lohnnebenkosten sowie sinkende Aufträge aus dem In- und Ausland als größte Hemmschuhe für eine baldige Erholung.

Udo Raab von der IHK Nürnberg für Mittelfranken
Udo Raab von der IHK Nürnberg für Mittelfranken // Foto: Stephan Großmann

Konjunktur-Umfrage in Mittelfranken alles andere als rosig

Im Ergebnis melden die Firmen aktuell eine so schlechte Lage wie seit Jahren nicht mehr, was sich beispielsweise darin ausdrückt, dass jedes fünfte Unternehmen plane, Stellen abzubauen, oder dies bereits tue. Darüber hinaus sagen 19 Prozent der Firmenchefs, vorerst keine Investitionen zu planen. Das liege auch daran, dass sich die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (trotz des von einigen Wirtschaftsvertretern herbeigesehnten Regierungswechsels in Berlin) noch nicht wirtschaftsfreundlich genug entwickelt hätten.

„Die Lage der Industrie ist wirklich besorgniserregend, zumal sie Rückgrat und Innovationstreiber für die gesamte Wirtschaft ist“, kommentiert Mittelfrankens IHK-Präsident Armin Zitzmann. „Wir brauchen dringend echte Reformen und eine entschlossene Wirtschaftspolitik.“ Konkret notwendig seien „tiefgreifende Strukturreformen, die die Wettbewerbsfähigkeit wieder langfristig stärken“.

Die Stimmung beim Wirtschaftsgespräch in Herzogenaurach am Montagmorgen: mindestens angespannt
Die Stimmung beim Wirtschaftsgespräch in Herzogenaurach am Montagmorgen: mindestens angespannt // Foto: Stephan Großmann

Während IHK-Mann Udo Raab am Montagmorgen knapp 40 Vertretern aus Wirtschaft und Handwerk während des Wirtschaftsgesprächs (organisiert von der Wirtschaftsförderung des Landkreises Erlangen-Höchstadt) die aktuelle Lage darlegt, geht kaum ein Raunen durch den Raum. Keiner runzelt erschreckt die Stirn, keiner lässt erschrocken sein üppig belegtes Brötchen fallen. Raab sagt im Nachgang der Veranstaltung leicht konsterniert, sicher hätte man sich in Wirtschaftskreisen bereits an schlechte Nachrichten gewöhnt.

Handwerkskammer Mittelfranken etwas optimistischer, aber nicht euphorisch

Ein ähnliches Bild zeichnet sich für das mittelfränkische Handwerk. Als Referentin ist es Kristina Zehmers Aufgabe, ihres Zeichens Stabsstellenleiterin Politik und Standortfragen bei der Handwerkskammer für Mittelfranken, die Lage des Handwerks darzulegen. Zwar klingt ihr Fazit etwas gefälliger als das ihres IHK-Kollegen, von Euphorie ist aber auch bei den mehr als 22.500 Handwerksbetrieben und seinen fast 120.000 Beschäftigten in Mittelfranken keine Spur.

Kristina Zehmer von der Handwerkskammer für Mittelfranken
Kristina Zehmer von der Handwerkskammer für Mittelfranken // Foto: Stephan Großmann

Nur jeder dritte Handwerksbetrieb hält aktuelle Lage für gut

So bewerten dem Konjunkturbericht zufolge aktuell zwei von drei Betrieben ihre Lage als befriedigend (47,1 Prozent) oder schlecht (20,1 Prozent), lediglich ein Drittel als gut. Dass sich ihre zukünftige Geschäftslage verbessere, glauben demnach lediglich 16,9 Prozent der Befragten, 23,7 Prozent gehen hingegen davon aus, dass sie sich verschlechtere. Immerhin die große Masse (59,4 Prozent) glauben daran, dass die Lage gleich bleibe.

Als Beispiele nennt Zehmer das Bauhauptgewerbe und das Ausbaugewerbe. Vor allem letzteres umfasst mit gut 8000 Betrieben die größte Zahl der Kammermitglieder. „Der Auftragsbestand steigt leicht, die Auftragseingänge entwickeln sich positiv“, so Zehmer. Aber: „Die Einschätzungen zur aktuellen Lage bleiben verhalten. Von einer durchgreifenden Erholung ist nicht zu sprechen.“ Ähnlich verhält es sich beim Bauhauptgewerbe, das ebenfalls „klare Anzeichen von Abkühlung“ zeige.

Energiekosten, Bürokratie und Fachkräftemangel machen Handwerk zu schaffen

Große Probleme würden dem Handwerk laut Zehmer beispielsweise nach wie vor bürokratische Hürden, hohe Energiepreise (etwa weil Handwerksbetriebe nicht von der Stromsteuersenkung profitierten) und der Fachkräftemangel bescheren. Um diese zu beheben, sei ein starkes Netzwerk aus Betrieben und Politik auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene gefragt, so Zehmer. Genau solche Netzwerke sind es, die auf derlei Veranstaltungen wie dem Wirtschaftsgespräch des Landratsamtes geknüpft werden sollen.

Mit dabei: Landtagsabgeordneter Walter Nussel (links) und Herzogenaurachs Bürgermeister German Hacker
Mit dabei: Landtagsabgeordneter Walter Nussel (links) und Herzogenaurachs Bürgermeister German Hacker // Foto: Stephan Großmann

Immerhin, mit einem Lichtblick will ERH-Landrat Alexander Tritthart die Krisenstimmung am Montagmorgen im Novina-Hotel auf der Herzo-Base vertreiben. Dem Landkreis würden „hohe Zukunftschancen attestiert“, wie er aus dem erreichten Platz 46 (von 400) beim „Zukunftsatlas 2025“ der Prognos AG und dem Handelsblatt herauslese. Wenngleich zur Wahrheit gehört, dass ERH in der Rubrik „Wirtschaft und Arbeitsmarkt“ lediglich Rang 121 erreicht, teilt Herzogenaurachs Bürgermeister German Hacker Trittharts Optimismus. „Wenn wir hier diese Wirtschaftskrise nicht gemeinsam meistern, wer soll das dann schaffen?“, fragt er in die Runde.

 

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