Unter dem Motto „Forschung im Blick“ fanden bereits zum zweiten Mal die „Herzogenauracher Universitätstage“ statt. Der voll besetzte Sitzungssaal des Rathauses war der „externe Hörsaal“ der FAU (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg). Initiator ProfessorJoachim Hohenberger – er hat die Ortsgruppe Herzogenaurach des Universitätsbundes gegründet – dankte zunächst Siegfried Balleis aus Erlangen. Balleis, Vorsitzender des Universitätsbundes, gab Einblicke in die Tätigkeit der Vereinigung, die sich als Bindeglied zwischen Universität, Politik und Gesellschaft sieht.
Dem Förderverein ist auch die Veranstaltungsreihe Universitätstage mitzuverdanken. Das Thema des Abends stellte Professor Stephan Achenbach vor: „Risiko Herzinfarkt und optimaler Schutz“. Achenbach ist Direktor der Medizinischen Klinik 2, Kardiologe am Uniklinikum in Erlangen. Als Inhaber des Lehrstuhls für Innere Medizin kann er aus der Praxis genauso wie aus der Wissenschaft berichten. Zudem hat er die Gabe, es verständlich darzustellen, viele Praxisbeispiele und Tipps für Verhaltensweisen inklusive.
Herzinfarkt: Stephan Achenbach spricht bei Universitätstagen Herzogenaurach
Der international führende Herzexperte macht Mut: Die koronare Herzkrankheit und der Herzinfarkt sind nach wie vor Volkskrankheiten. Aber es gibt die Möglichkeit der Früherkennung und die Chance, durch Vorbeugung das Risiko zu minimieren. Zunächst ging Achenbach in seinem Vortrag auf das Herz ein. Der Herzmuskel sei einzigartig. Jeden Tag pumpe er 8000 Liter Blut durch den Körper. 35 Millionen Herzschläge pro Jahr leiste das Organ.
Besonderes Augenmerk verdienten die Herzkranzgefäße, die für die Blutversorgung wichtig sind. Am Beispiel eines gesunden, 42 Jahre alten Patienten erklärte Achenbach die Umstände, die zum Herzinfarkt bei dem Patienten geführt hatten, dessen Diagnose und Heilung. Wichtige Erkenntnis: Herzinfarkt entstehe fast immer durch das plötzliche Aufreißen einer „Plaque“ (atherosklerotischen Ablagerung).
Bei Warnsignalen sofort zum Arzt
Drückende oder brennende Brustschmerzen, die plötzlich einsetzen und unverändert bleiben, seien die Warnsignale, die man sehr ernst nehmen muss. „Sofort zum Arzt, nicht warten, bis es wieder vergeht“, lautete die klare Botschaft von Stephan Achenbach. Auch der Einsatz eines Defibrillators und/oder einer Herzdruckmassage bei Kammerflimmern sei selbst für Laien möglich und rette Leben.
Achenbach nannte auch Zahlen aus seiner Klinik zum sogenannten „Stemi“-Herzinfarkt: 2286 Patienten wurden behandelt, mittleres Alter 65 Jahre, davon 71 Prozent männliche Patienten. Zwölf Prozent hatten Kammerflimmern auf dem Weg in die Klinik. Bei 80 Prozent war keine koronare Herzerkrankung bekannt, so Achenbach. „Es kann also jeden treffen“, sagte er. Seit es das EKG gibt, habe sich die Diagnostik verbessert. Achenbach ist bei Herz-CT-Verfahren international führend in der Forschung. Er erläuterte im Vortrag auch die neuesten Erkenntnisse zum Mechanismus eines Herzinfarkts. Ein gesunder Lebensstil könne das Risiko senken.
Bierbrauen ist das nächste Thema bei den Universitätstagen
Dazu gehörten eine gesunde Ernährung mit viel Gemüse und Obst sowie wenig tierischen Fetten – und alles kombiniert mit optimaler Bewegung. In der Diskussionsrunde mit dem Publikum ging Achenbach auf die Nachfragen zum Thema Plaque ein, auf Cholesterinsenker und die neuesten Erkenntnisse zum LDL- sowie HDL-Cholesterin. Ob Flohsamen wirklich helfen, das Cholesterin zu senken, konnte Achenbach aus seiner Praxis nicht bestätigen.
Auch der Einsatz von KI (Künstlicher Intelligenz) in der bildgebenden Diagnostik wurde diskutiert. Der Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und Herzinfarktrisiko ist zu beachten. Ganz auf Alkohol zu verzichten ist rein aus Sicht von Herzerkrankungsrisiken nicht erforderlich, aber auch nicht falsch. Eine schöne Überleitung zum Thema des nächsten Vortrags: „Braukunst und Hopfen“ am Dienstag, 21. Oktober. Mehr Informationen zu den Herzogenauracher Universitätstagen gibt es online unter: www.fau.tv.












