„Was die Aufklärung angeht, gibt es auf jeden Fall noch Lücken. Wenn man jemand im eigenen Umfeld kennt, der an Brustkrebs erkrankt ist oder war, nimmt man es meist ernster. Beim Thema Aufklärung gibt es auf jeden Fall Potenzial nach oben“, sagt Doktor Hanna Hübner von der Frauenklinik des Universitätsklinikums Erlangen. Brustkrebs ist die häufigste Krebsart bei Frauen. Laut Angaben des Robert Koch Instituts erkrankt jede achte Frau im Laufe ihres Lebens an der Krebsform.
Das Brustkrebsrisiko mithilfe eines Fragebogens via Smartphone-App auswerten lassen. Das EKG oder die Blutwerte zu Hause messen und dem behandelnden Arzt übermitteln – ganz ohne Termin, Anfahrt oder Wartezeit. So könnte digitale Medizin künftig die Brustkrebs-Früherkennung, Behandlung und Nachsorge verbessern. Diesem Themenkomplex widmet sich aktuell eine umfassende Studienreihe, die seit 2019 unter der Leitung des Universitätsklinikums Erlangen durchgeführt wird: „DigiOnko“ umfasst mehrere Forschungsprojekte unter der Leitung von Professor Matthias Beckmann und Professor Peter Fasch. Die Friedrich-Alexander-Universität, die Universität Würzburg, die Universität Regenburg, deren Unikliniken und Partner aus der Wirtschaft wirken dabei mit.
Hürden abbauen: digitale Methoden der Brustkrebsforschung an der FAU
Hübner hofft, dass Brustkrebsprävention und -behandlung in den nächsten Jahren einfacher zugänglich sein werden. Mit dem Präventionsmobil wollen die Medizinerin und ihre Kollegen jetzt schon zeigen, wie das einmal aussehen könnte. Sie sind regelmäßig mit dem DigiOnko-Bus in Bayern auf Tour und stellen ihr Forschungsprojekt Frauen vor Ort vor.
„Wir sind mit unserem Mobil auch in ländlichen Gebieten Bayerns unterwegs, wo Frauen eventuell weniger Zugang zu ärztlicher Versorgung oder Spezialisten haben“, sagt Hübner. Auf Tour laden die Mitarbeitenden des Forschungsbusses, Frauen dazu ein, an der „PräDigt“- Studie teilzunehmen, die zu DigiOnko gehört.
Die Teilnahme funktioniert via App auf dem Smartphone. Die Anwendung lässt sich in wenigen Schritten einrichten. Danach stehen verschiedene Frageböden zur Auswahl. Mit denen kann Frau in etwa fünf bis zehn Minuten das eigene Präventionsverhalten und Krebsrisiko berechnen lassen.
Brustkrebsrisiko: Gene, Verhütung und Lebensstil spielen eine Rolle
Jede Frau habe ein bestimmtes Grundrisiko, an Brustkrebs zu erkranken. „Aus dem einfachen Grund, dass sie eine Frau ist“, sagt Hübner. Daneben gebe es viele Faktoren, die Einfluss darauf haben, an der Krebsart zu erkranken. „Hormonelle Belastungen, hormonelle Verhütung, ein Kind bekommen, das Stillen – auch die Ernährung und Sport spielen eine Rolle“, sagt Hübner. Stelle ein Test eine hohe Brustkrebs-Wahrscheinlichkeit fest, hätten Teilnehmerinnen die Möglichkeit, einen Beratungstermin an einem Brust- und Eierstockzentrum zu vereinbaren.
Die Fragebögen, die Frauen im Zuge der Studie via App zur Verfügung stehen, würden laut Hübner sonst nur in spezialisierten Kliniken von Ärzten durchgeführt. Sie gehören auch nicht zur Routineuntersuchung von niedergelassenen Frauenärzten. „Mit unserer Bus-Aktion wollen wir Frauen empowern, aufklären und ein besseres Gesundheitsbewusstsein schaffen.“
FAU-Studie will neue Biomarker für Brustkrebs identifizieren
Die PräDigt-Studie läuft noch bis Juni nächsten Jahres weiter. Rund 1100 Frauen haben bereits teilgenommen. Hübner hofft, dass es bis zum Ende doppelt so viele werden.
Die App-Fragebögen werden außerdem durch die Möglichkeit ergänzt, Bioproben, wie Blut, Urin oder Speichel, untersuchen zu lassen. Die Auswertung der Proben kann ebenfalls auf digitalem Weg in der Smartphone-App eingesehen werden.
Studienziel ist es, neue Biomarker (messbare biologische Merkmale) zu finden, anhand derer sich das Brustkrebsrisiko besser vorhersagen ließe. „Das könnten zum Beispiel Spuren der Krebszellen-DNA in der Blutbahn sein, bestimmte RNA-Moleküle oder sogar die Darmflora“, erklärt die Wissenschaftlerin.
Brustkrebsstudie Erlangen: Blutwerte zu Hause messen
Mit Hilfe der Telemedizin könnten Proben zukünftig auch zu Hause genommen werden. Auch hier mach die DigiOnko-Studie vor, wie es gehen könnte. Das Forscherteam hat zusammen mit Technikern und Informatikern einen Telemedizinkoffer entworfen. Mit seinem Inhalt können Patienten verschiedene Vitalparameter, wie ein EKG, oder ein Blutbild zu Hause machen.
Dafür enthält der Koffer eine Fitnessuhr, die mit einem Smartphone verbunden ist. Das kleine Blutmessgerät überträgt die Daten an den im Koffer enthaltenen Mini-Computer. Einmal gemessen, schickt der Koffer die Daten über seinen eigenen W-LAN Router an die Server der Uniklinik.
Bessere Prävention im ländlichen Raum
Alle Instrumente des Koffers sind voreingestellt und fertig verkabelt. Das Einzige, was Nutzerinnen zu Hause tun müssen ist, das Stromkabel einzustecken. „Gerade für Patientinnen im ländlichen Raum, wären diese Telemedizin-Tools hilfreich. Sie können ihre Werte von zu Hause an den behandelnden Arzt schicken, ohne den langen Weg in die nächste Klink“, sagt Hübner über die Vorteile des Geräts.
18 solcher Koffer sind bisher in Benutzung. „Wir haben bisher gute Rückmeldungen dazu bekommen. 79 Prozent der Frauen, würden ihn weiter nutzen“, so Hübner über die bisherigen Ergebnisse. Wegen der guten Resonanz wolle man weitere Koffer bauen und die Studie ausweiten.
Digitale Medizin könnte in den kommenden Jahren den Zugang zu Prävention und Versorgung erleichtern und gleichzeitig Kapazitäten für behandelnde Ärzte schaffen. „Bei der Telemedizin stehen wir noch am Anfang“, sagt Hübner. Mit der DigiOnko-Studie machen die Forschenden vor, wie es gehen könnte.
Brustkrebsforschung der Uniklinik Erlangen: weitere Informationen
Weitere Informationen über die App-basierte Studienteilnahme gibt er unter www.digionko-bayern.de. Hier gibt es alle kommenden Termine des DigiOnko-Präventionsmobils in Bayern. Am Samstag, 25. Oktober, macht das Präventionsmobil während der Langen Nacht der Wissenschaft in Erlangen Station.
















