Die meisten Frauen, die bei Ehrenamtlichen wie Anne Schneider von der Frauenselbsthilfe Krebs (FSH) in Erlangen Hilfe suchen, haben Brustkrebs. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn Brustkrebs ist mit Abstand die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Laut dem Robert Koch-Institut erkrankt etwa jede achte Frau im Lauf ihres Lebens daran.
Die FSH-Gruppe in Erlangen besteht seit 25 Jahren und bietet an Krebs erkrankten Frauen eine Möglichkeit zum offenen Austausch. Viele Frauen kommen mit noch viel mehr Fragen zur FSH: Fragen über medizinische Fachausdrücke, Medikamente oder Therapieformen – will man eine Chemotherapie, oder nicht? Welche Arten von Bestrahlungen gibt es? Wie bewältigt man die Nebenwirkungen? Welche Komplementärmedizin gibt es?
„Ärzte können sich oft nicht die Zeit dafür nehmen“, sagt Schneider. „Wenn Patientinnen niemanden haben, mit dem sie darüber sprechen können, haben Sie oft das Gefühl, es ist kein Ende in Sicht“, sagt die Ehrenamtliche. Hier möchte die FSH-Gruppe Abhilfe schaffen, den Schock der Diagnose auffangen, Betroffene informieren und in allen Phasen der Erkrankung begleiten:
- Welche Unterstützung gibt es bei Brustkrebs? Erstberatung am Uniklinikum Erlangen
- FSH-Gruppe in Erlangen: Wie laufen die Treffen ab?
- Hilft die Selbsthilfegruppe auch nach der Behandlung?
- Anlaufstellen in Franken: Nur wenige Hilfegruppen für krebserkrankte Frauen
- Über die Frauenselbsthilfe Krebs in Erlangen
Welche Unterstützung gibt es bei Brustkrebs? Erstberatung am Uniklinikum Erlangen
Grundsätzlich steht die Selbsthilfegruppe für alle Frauen mit einer Krebsdiagnose offen. Das besondere für die FSH-Gruppe am Standort in Erlangen: „Am Klinikum in Erlangen werden Frauen mit besonders schweren Diagnosen behandelt. Das ist anders als in anderen Gruppen“, sagt Schneider. Wie viele und wie oft Patientinnen die Gruppe besuchen, das sei von Monat zu Monat sehr unterschiedlich.
Seit Jahren ist die Selbsthilfegruppe mit der Frauenklinik des Universitätsklinikums Erlangen vernetzt. Für Patientinnen bieten die ehrenamtlichen Frauen einen Klinikbesuchsdienst und eine telefonische Erstberatung an.
Wenn eine telefonische Beratung gewünscht ist, führt Schneider oft lange Gespräche. Vor einer Weile hatte sie anderthalb Stunden lang ein Telefonat mit einer jungen Patientin. Junge Fälle gehen der engagierten Frau besonders nahe. „Wenn die Freundinnen über Partys und Verliebtheiten reden, und man sich selbst gerade entscheiden muss, ob man seine Eizellen einfrieren lassen will, weil man nach der Chemotherapie vielleicht keine Kinder mehr bekommen kann. Das ist der Wahnsinn“, sagt Schneider.
FSH-Gruppe in Erlangen: Wie laufen die Treffen ab?
Vor Ort bietet das Frauenselbsthilfe-Netzwerk mit zehn Landesverbänden Treffen an verschiedenen Standorten in ganz Deutschland an. Daneben gibt es eine Online-Selbsthilfegruppe, die sich vor allem an junge Menschen mit Krebs richtet.
In Erlangen findet der offene Treff der FSH-Gruppe immer am letzten Mittwoch eines Monats am Kiss-Standort in der Henkestraße 78 statt. Die sechs ehrenamtlichen Frauen bieten Besucherinnen ein offenes Ohr.
Bei den Themen, die während den monatlichen Treffen besprochen werden, hält sich die Frauenselbsthilfe streng an die Richtlinien der Dachorganisation Deutsche Krebshilfe. Das heißt: Frauen erhalten grundsätzlich Informationen und eine Gelegenheit, sich über persönliche Erfahrungen auszutauschen. Die Ehrenamtlichen empfehlen aber keine Behandlungen, bestimmte Medikamente oder Marken.
Die Treffen bieten den Frauen auch Anonymität. Man spricht sich mit dem Vornamen an. Die Ehrenamtlichen tauschen keine Kontakte aus. Niemand ist gezwungen, über seine Situation zu sprechen. Aber die meisten, kommen, weil sie den Austausch brauchen.
Neben den ernsten Themen bietet die FSH-Gruppe auch Freizeitaktivitäten, wie einen regelmäßigen Lauftreff, gemeinsame Ausflüge oder kreative Angebote. „Bei uns wird nicht nur geweint, sondern auch gelacht“, stellt Schneider klar.
Hilft die Selbsthilfegruppe auch nach der Behandlung?
Schneider hat eigene Erfahrungen mit Brustkrebs. Vor zehn Jahren wurde die Krankheit bei ihr diagnostiziert. Sie war immer regelmäßig zum Brustkrebsscreening gegangen und dachte jedes Mal: „Es wird schon nichts sein.“ Bei dieser einen Routine-Mammografie stellte der Arzt eine Auffälligkeit fest. Der folgte die Diagnose Brustkrebs. Weil sie nicht untätig sein wollte, engagiert Schneider sich seitdem in der Krebshilfe.
Ihre Behandlung verlief erfolgreich. Aus eigener Erfahrung weiß Schneider, dass der Krebs auch danach ein Thema bleibt. Zum einen können Frauen ihr Leben lang die Folgen von Krebs und Behandlung erfahren. Taubheitsgefühle oder chronische Müdigkeit durch die Chemotherapie können Folgen sein.
Zum anderen fange nach der Krankheit oft die Aufarbeitung an. Viele Frauen würden laut Schneider anfangen, ihre Lebensumstände gehörig zu hinterfragen. „Das verstehen Angehörige nicht immer. Sie denken: Du bist doch jetzt wieder gesund“, erklärt Schneider. Auch hier finden Frauen in der FSH-Gruppe andere Betroffene, die das nachvollziehen können.
Anlaufstellen in Franken: Nur wenige Hilfegruppen für krebserkrankte Frauen
In Franken gäbe es laut Schneider nur wenige Selbsthilfeangebote dieser Art. Nicht selten reisten Frauen außerhalb der Region an, um den Treff in Erlangen zu besuchen. Kürzlich waren zwei Frauen aus Oberfranken zu Besuch. „Die beiden waren danach richtig zufrieden und hatten sich bedankt“, erinnert sich Schneider.
In solchen Momenten spüre die Ehrenamtliche, warum sie und die anderen Frauen sich für Betroffene engagieren: „Wenn man neu erkrankt ist, hat man keine Orientierung. Ich hatte am Anfang auch das Gefühl: Wie sollst du das schaffen? Aber bei uns haben alle die gleichen Probleme. Und dann ist da jemand, die erzählt dir: Ich habe das so gemacht. Es gibt diese Anlaufstellen. Dort kannst du dir Hilfe holen. Man geht zum ersten Mal nach Hause und hat das Gefühl: Ich hab’s besser im Griff.“
Weitere Informationen: Frauenselbsthilfe Krebs in Erlangen
Die Frauenselbsthilfe Krebs in Erlangen unterstützt an Krebs erkrankte Frauen, die das Bedürfnis haben, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen. Treffen finden in der Regel am letzten Mittwoch eines Monats am Kiss-Standort, Henkestraße 78, in Erlangen statt. Weitere Informationen gibt es auf www.frauenselbsthilfe.de/gruppen/erlangen oder per E-Mail an fsh-gruppe-erlangen@gmx.de















