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Ein Konzern im Wandel
Seltener Besuch: Georg Schaeffler spricht in Höchstadt
Georg Schaeffler schilderte in Höchstadt die Situation seiner Firmengruppe und warf einen kritischen Blick auf Deutschland und die Welt.
Georg Schaeffler schilderte in Höchstadt die Situation seiner Firmengruppe und warf einen kritischen Blick auf Deutschland und die Welt. // Andreas Dorsch
Höchstadt – Überraschend spricht Georg Schaeffler bei der IHK in Höchstadt. Der Hauptgesellschafter des größten Arbeitgebers im Landkreis äußert sich zum Wandel seines Konzerns. Wie er in die Zukunft blickt.

Die Schaeffler-Gruppe steht vor enormen Herausforderungen. Einer ist zuversichtlich, dass die Unternehmensgruppe diese meistert: Georg F. W. Schaeffler, Hauptgesellschafter des Konzerns. Er folgte jüngst der Einladung des IHK-Gremiums Herzogenaurch-Höchstadt, um im nach seiner Mutter Maria-Elisabeth benannten Saal in der Höchstadter Kulturfabrik den geladenen IHK-Mitgliedern seine Sicht auf die aktuelle Lage in Deutschland, der Welt und der Schaeffler-Gruppe zu schildern.

Lebt in den USA: Georg Schaeffler besucht Höchstadt

„Fast jede Familie in der Region hat mit Schaeffler zu tun“, begrüßte IHK-Vorsitzender Michael Thiem den Gast, der nur selten das Licht der Öffentlichkeit sucht, weitgehend in den USA lebt, aber wohl bei allen strategischen Entscheidungen der Schaeffler-Gruppe ein gewaltiges Wort mitspricht. Der 61-Jährige hat das Unternehmen in den vergangenen Jahrzehnten zusammen mit seiner Mutter im Automobil- und Industriesektor an die Weltspitze geführt. Damit habe Schaeffler auch „einen großen Anteil an Wohlstand in die Region gebracht“, stellte Michael Thiem fest.

Georg F. W. Schaeffler, der mit seinen Beteiligungen von der Forbes-Liste zu den reichsten Menschen der Welt gezählt wird, präsentierte sich in Höchstadt noch fest mit der Region und den Schaeffler-Standorten verwurzelt. Er sieht sie vor der nächsten Transformation: „Die wird elektrisch.“ Angst mache ihm das aber nicht, denn Schaeffler habe schon einige Transformationen hinter sich. Vater und Onkel hätten mit einem Teppichunternehmen angefangen, die Teppiche abgestoßen, weil sie nicht mehr rentabel waren, und es auch mit Kameras und Chemie probiert, blickte Georg Schaeffler zurück.

Schaeffler ist zum Global Player geworden

Heute sei die Unternehmensgruppe ein Hochpräzisionsmechaniker, „aber das genügt in der Welt nicht mehr. Wir müssen den Kampf annehmen.“ Noch vermisst Georg Schaeffler allerdings den Spirit dafür in Deutschland. Nach dem Tod des Vaters 1996 hätten viele geraten, das Unternehmen zu verkaufen, sagte Schaeffler, „aber wir wollten auf dem Erbe aufbauen.“

Aus damals 19.000 Beschäftigten und 1,8 Milliarden Euro Umsatz ist ein Global Player geworden. Um als Präzisionsmechaniker auch an die Elektronik zu kommen, habe man LuK, FAG, Conti und jüngst auch Vitesco übernommen. Sich mit einer möglichst breiten Produktpalette aufzustellen, komme schon aus dem Denken der Gründer. Heute spiele die Schaeffler-Gruppe nicht nur in der Champions League der Zulieferer, sondern habe mit der Breite der Produkte auch eine gewisse Balance.

Schaeffler will in der E-Mobilität mitmischen

Ein festes Standbein bleibt für den 61-Jährigen in der Zukunft die Produktion von Lagern, „weil die auch in der neuen Welt der Mobilität immer gebraucht werden“. Weil die USA das Rad der Zeit derzeit zurückdrehen, „müssen wir denen mit einer neuen Generation von Verbrennungsmotoren helfen“.

Schaeffler müsse in der E-Mobilität mitmischen, das Ersatzteilgeschäft pflegen. Wasserstoff sieht er für Europa schwierig. Wenn Schaeffler breit aufgestellt bleibt und die traditionellen Stärken erhält, sieht Georg Schaeffler gute Chancen, bei der Automobilindustrie im Geschäft zu bleiben. Auch wenn es chinesische Zulieferer schwierig machen. Die hätten „sehr gut gelernt und eine atemberaubende Innovationskraft“.

Im Jahr 2046: 100 Jahre Schaeffler in Herzogenaurach

Der Herzogenauracher Unternehmer zum Thema Arbeitsplatzabbau: „Da komme zwar kein Unternehmen herum, aber wer soll die deutschen Produkte kaufen, wenn wir Menschen nicht in Lohn und Brot haben.“ Schaeffler möchte es schaffen, in der Region weiter zu produzieren. Eine große Stärke sei für ihn in Deutschland das duale Ausbildungsmodell: „Es muss nicht jeder studieren.“

Georg Schaeffler ist Optimist: „Ich will den 100. Geburtstag des Unternehmens noch erreichen, mit der Familie Schaeffler als stabilen Anker.“ 2046 soll es so weit sein. Georg Schaeffler attestiert Wirtschaft und Politik aktuell viele Probleme: „Billiges Gas und die Absatzmärkte in China sind Geschichte.“ Die Grundlagen des freien Handels seien ins Rutschen gekommen, die Sicherheit in Europa massiv bedroht. Als ehemaliger Offizier verriet er, dass man sich auch in der Unternehmensgruppe mit dem Thema Rüstung beschäftige.

Europa müsse seine Sicherheit selbst herstellen, stärker, geschlossener und ein Gegengewicht zu den Amerikanern werden. Er spüre in Europa „hausgemachte Schwächen“ wie den unvollständigen Binnenmarkt, die enorme Regulierungsintensität, steigende Belastungen in den Sozialsystemen und Schwächen in der Kernindustrie. In der Fertigungsdigitalisierung sei man noch gut.

Schaeffler kritisiert zu hohe Arbeitskosten 

Den Bedarf an Energie sieht Georg Schaeffler steigen: „Doch wo soll sie herkommen? Auf der gesamten Welt werden wieder Kernkraftwerke gebaut. Ich bin nicht sicher, ob unsere Entscheidung richtig war.“ Für diese Aussage gab es Beifall. Beim Thema Klima sei klar, dass Europa allein es nicht retten könne. „Wir brauchen die Chinesen, Inder und Amerikaner.“  Deutschland könne zwar Vorbild sein, müsse aber die anderen mitnehmen. Die Arbeitsplatzproblematik in Deutschland könnte eine Gefahr für die Demokratie werden, fürchtet der Schaeffler-Gesellschafter.

Dass Deutschland seit Jahren kein Wirtschaftswachstum mehr habe, führt er auch auf die zu hohen Arbeitskosten zurück. Georg Schaeffler: „Wir arbeiten in Deutschland zu wenig und leisten uns ein zu hohes Sozialsystem – das ist die Lebenswirklichkeit.“  Deutschland bleibe eine Exportnation mit China als stärkstem Konkurrenten. Die seien brutal unterwegs, haben in Schlüsselbranchen Kapazitäten für die ganze Welt geschaffen und kommen jetzt zu uns, wenn ihnen andere Märkte wegbrechen.

 

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